21.12.2017 - 12:18 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon Wenn die "staade Zeit" zu still ist

"Wo is na die Mia?" Hilflos schauen wir uns an. Zu oft haben wir diese Frage heute schon beantwortet. Mal ehrlich, mal ausweichend. Immer war es schmerzhaft. Es ist Heiligabend und die ganze Familie ist bei uns versammelt. Wie jedes Jahr. Aber diesmal ist etwas anders. Ein geliebter Mensch fehlt. Sitzt nicht an seinem Platz.

Wenn die Englein singen, das Christkind auf die Erde niederkommt und sich die Familie unter dem Weihnachtsbaum versammelt, dann kann eine Lücke, die ein geliebter Mensch hinterlassen hat, besonders deutlich werden. Bild: Huber
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Mia ist tot. 14 Tage vorher war meine Oma gestorben. Meine andere Oma ist zum Glück noch bei uns, aber sie ist dement. Immer wieder stellt sie die gleiche Frage: "Wo is na die Mia?" Sie kann nichts dafür. Wir sehen ihr an, wie schwer ihr die Frage fällt. Sie merkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass ihre Worte etwas in uns auslösen. Aber sie weiß die Antwort darauf einfach nicht. Kann sie sich nicht merken. Muss immer wieder nachfragen.

Dieses Weihnachtsfest ist nun schon einige Zeit her. Bereits ein Jahr später mussten wir Weihnachten ganz ohne Oma feiern. Das war um einiges schlimmer als die sich wiederholende Frage. Und auch im nächsten Jahr war es schmerzhaft. Und in dem danach.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton. Natürlich ist es immer traurig, wenn ein Mensch stirbt. Auch im April oder im Mai oder im September. Man vermisst liebe Verstorbene das ganze Jahr über, denkt im Alltag an sie, wird in ganz banalen Situationen an sie erinnert. Aber beim „schönsten Fest des Jahres“ ist es irgendwie doch besonders schlimm. Schmerzhafter als sonst.

Das mit der Ablenkung funktioniert nicht so gut. Diese Fröhlichkeit, diese Besinnlichkeit und der ganze Weihnachtskram überall kann dann unerträglich werden. Manch einer möchte die "staade Zeit" vielleicht am liebsten überspringen, ausfallen lassen. Die Zeit der Liebe, der Familie, der Besinnung ist auch eine Zeit voller Erinnerungen. Die Lücke, die ein geliebter Mensch hinterlassen hat, wird dann ganz besonders deutlich. Vielleicht ist es aber auch eine Zeit, in der wir diese Erinnerung bewusster zulassen können als sonst. Eine Zeit, um über glückliche gemeinsame Momente zu sprechen. Das tun wir seitdem an jedem Weihnachtsfest.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp