27.04.2018 - 15:48 Uhr
Oberpfalz

Kreisverbindungskommando der Bundeswehr übt: Im Ernstfall sind sie da

Sie sind Sozialpädagoge, Rechtsanwalt, Arzt oder Arbeiter. Doch wenn sie ihre Uniformen anziehen, sind die Männer des Kreisverbindungskommandos KVK wichtiges Bindeglied, falls eine Katastrophe passiert.

Noch ist es eine sehr theoretische Angelegenheit an der Magnettafel in der Integrierten Leitstelle. Doch es kann sehr schnell ernst werden. Jörg Jendricke (links) und Dr. Stephan Bouschery (rechts) bereiten sich akribisch auf die Katastrophe vor. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Beispiel: Matthias Gensch. Im Zivilleben ist er bei Siemens beschäftigt, kümmert sich dort unter anderem um das Notfall-Management. Heute steht er als der Major der Reserve, Matthias Gensch, in den Räumen des Kreisverbindungskommandos (KVK), die in der Integrierten Leitstelle (ILS) untergebracht sind, am Tisch und übt mit seinen Kameraden das, was hoffentlich niemals eintritt. Sei es ein extremes Hochwasser, ein langfristiger Stromausfall oder ein Flugzeugabsturz über dem Stadtgebiet, die Männer um Gensch koordinieren im Ernstfall die Einsätze der Bundeswehr im zivilen Bereich.

Zehn ehemalige Soldaten treffen sich an diesem Tag in der ILS, um vorbereitet zu sein. Alles Reservisten, die dem Katastrophenstab der Stadt zugeordnet sind. "Wir sind das Bindeglied zwischen der Stadt und der Bundeswehr", so sagt Gensch. In Amberg musste das KVK bisher nicht tätig werden. Doch in Passau zum Beispiel wurde die Bundeswehr bereits zum Hochwassereinsatz gerufen, erläutert Dr. Stephan Bouschery. Aber auch im nahen Landkreis Schwandorf war das der Fall, als die zivilen Kräfte einmal der Schneemassen nicht mehr Herr wurden.

Bei Katastrophen vor Ort

Bouschery ist "normalerweise" Oberarzt am Klinikum St. Marien für Innere Medizin und Nephrologie. Als Oberfeldarzt d.R. ist er für den medizinischen Part der Übung zuständig. "Wenn wirklich große Lagen sind, dann kommen wir zum Einsatz", so sagt er. Aber warum fordert in so einem Fall nicht einfach der Oberbürgermeister Truppen aus der Schweppermannkaserne an? Ganz einfach, so erläutern die militärisch-zivilen Spezialisten. So ein Einsatz muss koordiniert werden, um die richtigen Kräfte zu finden und sie passend einsetzen zu können. Dafür ist das Kreisverbindungskommando da, das über das Landeskommando diese Aufgabe übernimmt. "Denn es kann nicht vor Ort entschieden werden", sagt Hauptmann Jörg Jendricke, im Zivilleben ein Rechtsanwalt.

Es soll Theorie bleiben

Auch wenn sie alle hier in der ILS akribisch bei der Arbeit sind, so denken sie doch, dass das, was sie hier üben, reine Theorie ist und bleibt. "Wir hoffen natürlich, dass wir niemals in einen scharfen Einsatz müssen", sagt Matthias Gensch. Der betont, dass sie alle hier ehrenamtlich tätig sind, ihr Einsatz für die Allgemeinheit also auch oft in der Freizeit stattfindet. Denn Katastrophen, so ein eisernes Gesetz, treten bevorzugt am Freitagnachmittag während der Sommerferien ein.

"Man braucht natürlich auch einen Arbeitgeber, der das entsprechend sieht", sagt Gensch. Oder man ist selbstständig wie Jörg Jendricke, der dann eben vor und nach der Übung arbeitet und deshalb schon mal einen Prozess beim Amtsgericht verschieben lässt. "Hier hat man zum Glück auch viel Verständnis", so sagt er. Für diesen Übungstag steht nicht nur ein theoretischer Teil auf der Tagesordnung. "Wir schauen uns dann auch noch die für uns kritischen Bereiche in der Stadt an", so Gensch. Dazu gehören unter anderem die Schiffgasse oder der Salzstadelplatz, die zu den hochwassergefährdeten Zonen in der Stadt zu zählen sind. "Was darüber hinaus bei uns in Amberg kritisch werden könnte, ist eine Evakuierung der Bevölkerung", gibt Jörg Jendricke ein Stichwort für Franz Tremmel, den Sozialpädagogen im Team.

Tremmel nennt es "asymmetrische Kriegsführung", meint aber ganz klar ein mögliches Attentat auf Amberger Boden. Auch darauf muss das Kreisverbindungskommando eingestellt sein - so unwahrscheinlich das auch in der Realität ist. Zum Schluss gibt es noch ein Lob der Militärs für die Stadt. Nicht jede Kommune sei so entgegenkommend wie Amberg, so sagen sie hier in ihren hellen, modernen Räumen in der ILS. Das Kreisverbindungskommando sei hier beim Neubau der Leitstelle wie selbstverständlich berücksichtigt worden.

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