15.09.2017 - 15:21 Uhr
Oberpfalz

Kripo legt internationaler Bande das Handwerk Schlag gegen organisierte Kriminalität

Der Polizei ist ein "schwerer Schlag gegen die internationale organisierte Kfz-Diebstahlskriminalität" gelungen. Nach gut zwei Jahren Ermittlungsarbeit scheint einer Diebesbande das Handwerk gelegt worden zu sein.  Die Tatverdächtigen sind für über 100 Straftaten mit einem Gesamtschaden von über 1,2 Millionen Euro verantwortlich.

von Alexander Unger Kontakt Profil


Von diesen Straftaten kamen bereits mindestens 77 vollendete Diebstähle und acht Versuche zur Anklage. Dabei handelt es sich überwiegend um Kraftfahrzeugdiebstähle. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermittelten sieben Bandenmitglieder, die mittlerweile in Untersuchungshaft sind.

Im Sommer 2015 kam es in Oberfranken und den angrenzenden Bereichen zu einer Vielzahl von Fahrzeugdiebstählen, insbesondere der Marken VW T5, Mercedes Sprinter und Skoda. Schnell wurde den ermittelnden Beamten klar, dass es sich laut gemeinsamer Erklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Coburg bei den Tätern um eine "gut organisierte, professionell und arbeitsteilig zusammenwirkende Bande handeln musste.

Neben der Kripo Oberfranken führten zunächst auch Beamte der Kripo Coburg "in einem eigenen Tatkomplex" Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder dieser Bande, die sämtliche entwendeten Fahrzeuge sofort in die Tschechische Republik brachte. Die oberfränkische Fachdienststelle in Bayreuth übernahm schließlich unter Federführung der Staatsanwaltschaft Coburg die zentrale Sachbearbeitung.

Erster Fahndungserfolg im Juni 2016

Im Juni 2016 gelang der erste größere Fahndungserfolg. Aufgrund der Erkenntnisse der oberfränkischen Beamten, nahmen Polizisten zwei 33 Jahre alte Täter in Nürnberg fest. Die beiden Männer waren für die Autodiebstähle nach Deutschland eingereist. Im Verlauf der weiteren, teils verdeckt geführten Ermittlungen, an denen auch die tschechische Polizei beteiligt war, kamen die Beamten dem Auftraggeber und Hintermann der Bande, einem 39-Jährigen aus dem Raum Pilsen auf die Spur. Dieser "bestellte“ bei dem inzwischen festgenommenen 33-Jährigen detailliert Fahrzeuge, die zuvor insbesondere über Automärkte im Internet oder durch Auskundschaften ausgesucht worden waren.

Der 33-Jährige arbeitete mit insgesamt teilweise bis zu fünf weiteren Männern aus Moldawien und Rumänien zusammen. "Arbeitsteilig und jeweils spezialisiert, erfolgte dann auch das Öffnen der ausgesuchten hochwertigen Autos und die Überführung des Diebesguts nach Tschechien", berichtet Polizeisprecherin Anne Höfer. "Dabei gingen alle Beteiligten stets äußerst konspirativ und professionell vor. Beispielsweise hatten sie in ihren Fahrzeugen auf der Hin- und Rückfahrt äußerst geschickt Aufbruchsutensilien verbaut und in kleinen mitgeführten Alltagsgegenständen Notizen mit Autodaten und Adressen versteckt. "

Zerlegebetrieb“ für gestohlene Fahrzeuge

Wie die Kripobeamten weiter ans Tageslicht brachten, unterhielt der 39-jährige Drahtzieher der Bande einen sogenannten „Zerlegebetrieb“ für gestohlene Fahrzeuge sowie mehrere Lagerplätze im Westen der Tschechischen Republik. Das Diebesgut aus verschiedenen Ländern wurde dorthin gebracht und dann in der Regel komplett auseinandergenommen. Sämtliche Identifizierungsmerkmale veränderten oder tauschten die Täter fachmännisch aus. Auch Teile von legal erworbenen Schrottfahrzeugen wurden mit anderen Fahrzeugteilen kombiniert. Nach der professionellen Verschleierung ließ der Hintermann der Bande die hochwertigen Fahrzeuge über weitere kriminelle Kontakte mit gefälschten Dokumenten überwiegend in Tschechien wieder zu. Einzelne Fahrzeugteile verkaufte der 39-jährige Tatverdächtige aber auch wieder ins Ausland.

Anfang März 2017 schlugen insgesamt über 20 Beamte der Kripo aus Oberfranken mit Unterstützung von nordbayerischen Kfz-Spezialisten, Vertretern der Staatsanwaltschaft aus Coburg sowie mehreren tschechischen Polizeibeamten in einer konzertierten Aktion zu. Die Einsatzkräfte durchsuchten Insgesamt neun Objekte in der Tschechischen Republik, hauptsächlich im Bereich Pilsen aber auch in Prag, In
Hallen, Werkstätten, mehrere Garagen und Scheunen sowie Wohnungen und entdeckten die Einsatzkräfte Diebesgut. Bei dem Einsatz gelang es außerdem tschechischen Spezialeinsatzkräften den „Kopf“ der kriminellen Gruppierung in seinem Wohnhaus aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Coburg beantragten europäischen Haftbefehls festzunehmen.

Fahrzeugteile, Dokumente und Fahrzeugschlüssel

Die Beamten entdeckten mehrere gestohlene Fahrzeuge, eine "riesige Anzahl" Fahrzeugteile, unzählige Dokumente, teilweise aus dem Ausland, blanko oder fachmännisch verfälscht. Ebenso entdeckten sie gefälschte Plaketten, Aufkleber und Stempel sowie zahlreiche technische Gerätschaften und Werkzeuge für den Diebstahl verschiedener Automarken.  Eine besondere Herausforderung stellte die Identifizierung, Zuordnung und  Dokumentation und Sicherstellung der großen Anzahl aufgefundener Kfz-Teile und des weiteren Diebesguts dar. Teilweise hatten die Täter die hochwertigen Fahrzeuge bis auf die einzelnen Kabelstränge, zerlegt.

Die Beamten stellten insgesamt 17 Fahrzeuge verschiedener Marken, zirka 56 Fahrzeugteile aller Art, mehr als 35 Fahrzeugsitze, rund 100 Fahrzeugschlüssel, über 80 Fahrzeugbriefe und -scheine sowie mehr als 30 Computer, Laptops, Tablets, Festplatten, USB-Sticks, SD-Karten und Navigationsgeräte und über 15 Mobiltelefone und SIM-Karten sicher.  Anne Höfer: "Darüber hinaus hatte die Bande offensichtlich auch Beute in Form von hochwertigen Werkzeugen, Baumaschinen und sonstigen Geräten gemacht, die vorwiegend aus Containeraufbrüchen auf Baustellen stammen."  

Internationale Fahndung führt zur Festnahmen der Mittäter

Vier weitere Täter der Bande waren zwischenzeitlich untergetaucht, jedoch fahndeten europaweit Beamte mit Haftbefehlen nach ihnen. Bereits wenige Tage nach der großangelegten Durchsuchungsaktion Anfang März gelang die Festnahme zweier Mittäter in Prag. Einen weiteren 25-Jährigen verhafteten Polizeikräfte einige Tage später in Belgien. Der letzte im Bunde, ein 30-Jähriger ging Ende März in der Ukraine ins Netz.  Aufgrund der Erkenntnisse der oberfränkischen Beamten führen die Polizeibehörden in Prag zwischenzeitlich eigene Ermittlungen gegen die Bandenmitglieder. Diese werden laut Meldung noch "längere Zeit" andauern.



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