Kumpels treiben Blödsinn mit Samuraischwert
Ein Hieb mit fatalen Folgen

Symbolbild: Uli Deck/dpa

Auf dem Richtertisch liegt ein scharfes Samuraischwert. Wieder einmal in der Amberger Justizgeschichte. Doch in diesem Fall stellt sich das zu verhandelnde Geschehen als weitgehend harmlos, ja fast schon als grotesk anmutendes Intermezzo heraus.

Samuraischwerter, in der Regel scharf wie Rasiermesser, sind im Handel frei erhältlich. Vor etlichen Jahren ging ein geistiger Wirrkopf her, kaufte ein solches Hiebinstrument in einem Amberger Fachgeschäft und brachte damit kurz darauf den ihn bedienenden Waffenhändler um. Dann gab es erneut Schlagzeilen. Ein ehemaliger US-Soldat, vom Irak-Kriegseinsatz traumatisiert, hatte seine Ehefrau mit einem Samuraischwert malträtiert.

Dramatische Vorgänge um hoch gefährliche Utensilien, die eigentlich keiner braucht. Jetzt wurde wieder ein Samuraischwert in den Sitzungssaal gebracht und vor Jugendrichter Peter Jung auf den Tisch gelegt. Was der Jurist dann hörte, war eine fast schon skurrile Geschichte, die aber in absoluter Übereinstimmung aller Aussagen der Wahrheit entsprach.

Unter Alkohol und Drogen

Am 8. Oktober vergangenen Jahres gingen mehrere junge Männer, eng miteinander befreundet, aus. Spät nachts landeten sie in der Wohnung eines ihrer Kumpels. Alkohol spielte bei dem Treffen eine Rolle, auch Drogen waren nach Ansicht der Polizei im Spiel. In einer Ecke des Zimmers lehnte ein Samuraischwert an der Wand. Es gehörte dem dort wohnenden 23-Jährigen, der später auch Leidtragender eines von der Staatsanwaltschaft als gefährliche Körperverletzung eingestuften Delikts werden sollte.

Das Schwert wurde aus seinem hölzernen Köcher gezogen, es wanderte anschließend durch mehrere Hände. Auch ein 20-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach bekam es. "Und dann?", fragte Jugendrichter Jung. Zu seinem Erstaunen erfuhr er, dass der 20-Jährige dem auf einem Stuhl vor seinem PC sitzenden Eigentümer des Samuraischwerts dessen scharfe Klinge "auf den Oberschenkel getippt" habe. Zunächst nur leicht und ohne erkennbare Folgen.

Der mit dem Schwert berührte 23-Jährige äußerte sinngemäß: "Ich merke nichts." Dann forderte er dazu auf: "Mach' mal etwas heftiger!" Das tat sein Freund. Mit dem Ergebnis, dass die Hose des Schwerteigentümers am Bein durchtrennt wurde und plötzlich Blut floss. "Ein Schnitt von fünf Zentimetern Länge und einem Zentimeter Tiefe", wie sich Unterlagen entnehmen ließ.

Sie bleiben Freunde

Die Geschehnisse danach entsprachen dem, was der Volksmund schlicht "volles Programm" nennt: Während der Verursacher seinem Freund sofort Erste Hilfe leistete, fuhren Sanitäter, Notarzt und auch die Polizei an den Tatort im nördlichen Landkreis. Im Amberger Klinikum wurde die Wunde anschließend genäht, dann konnte der Verletzte gehen. Jetzt bestätigte der 23-Jährige das seltsame Intermezzo in allen Einzelheiten und legte Wert darauf, dass dieser doch etwas heftigere Hieb mit dem fernöstlichen Schwert seine Freundschaft zu dem Urheber keineswegs getrübt habe.

Der Richter dachte nach. Dann wandte er ein, dass die gefährliche Körperverletzung einen bedingten Vorsatz voraussetze. "Das ist hier nicht der Fall", ergänzte Peter Jung und stellte eine Ahndung allenfalls wegen einer fahrlässig begangenen Tat in Aussicht. Doch so weit kam es in diesem Prozess nicht mehr. Staatsanwalt Wolfgang Doblinger und Verteidigerin Narine Schulz stimmten einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage zu. Der 20-Jährige muss nun 400 Euro von seinem Lehrlingslohn an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen.

Schwert geht zurück

Zurück blieb das Samuraischwert. "Wollen Sie das zurück haben?", fragte der Staatsanwalt den 23-Jährigen. "Wäre nicht schlecht", erfuhr er. Die Ermittlungsbehörde wird ihm das Schwert aushändigen müssen. Womit sich die Frage aufdrängte: Wie lange werden solche unsäglichen Hieb- und Schlaginstrumente noch frei verkäuflich sein?
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