03.04.2018 - 18:30 Uhr
Oberpfalz

Landwirt vor Gericht Amokfahrt unter Dauerfeuer

Jemand schreit ins Funkgerät: "Der ist irre. Er lässt sich nicht stoppen!" Aus Polizeipistolen werden annähernd 20 Schüsse abgefeuert. Eines der Projektile trifft den auf seinem Traktor sitzenden 47-Jährigen ins rechte Bein. Doch die Amok-Tour mit dem Trecker ist damit längst nicht beendet.

Der letzte Akt einer Amokfahrt: Wegen zweifachen Mordversuchs an Polizeibeamten ist ein 47-jähriger Landwirt (Mitte) aus dem Kreis Schwandorf vor dem Amberger Schwurgericht angeklagt. Ihm zur Seite stehen zwei Verteidiger. Links Rechtsanwalt Bernd Lippmann aus Nürnberg, rechts Anwalt Stefan Holoch aus Stuttgart. Bild: Hartl
von Autor HWOProfil

Amberg/Schwandorf. Er kam auf Krücken in den Amberger Schwurgerichtssaal. Ein Gezeichneter, der auf eine weitere Operation wartet. Staatlich geprüfter Landwirt von Beruf, bis zum 14. April letzten Jahres allein auf seinem Milchviehhof in der Gemeinde Schwarzach bei Nabburg (Kreis Schwandorf) lebend. Immer mal wieder mit Frauen verbandelt. Doch die wollten wohl nicht seine Bäuerin werden. Noch eines wurde zum Prozessauftakt deutlich: Der heute 48-Jährige ist vom Bier abhängig. "Ein Alkoholkranker", wie einer seiner Anwälte sagte.

Über die Verteidiger ließ er erklären: "Ich wollte niemanden an Leib und Leben schädigen." Gleichzeitig räumte er ein, dass er am Gründonnerstag 2017 bei Wölsendorf (Kreis Schwandorf) mit dem Traktor an einer Verfolgungsfahrt beteiligt war. Klare Erinnerungen seien nicht mehr möglich. Das verwundert nicht bei 2,2 Promille. Es begann harmlos. Der Bauer, Herr über 38 Hektar Fläche, war mit seinem Bulldog unterwegs. Rein zufällig begegnete ihm eine Polizeistreife. Die beiden Beamten aus Nabburg suchten nach einem toten Schaf. Der Landwirt wurde befragt, gab nur kurz Auskunft und fuhr davon. Erst zu dieser Zeit wollen die beiden Uniformierten gemerkt haben, dass es sich um einen Mann handeln könnte, der schon mehrfach ohne Führerschein und betrunken mit seinem Traktor unterwegs war.

Was folgte, war eine Wucht sich überschlagender Ereignisse. Die Polizisten fuhren ihm nach. Einer stieg aus, ging zu Fuß weiter, sah sich dem Traktor frontal gegenüber. Er feuerte drei Mal in die Luft. Dann schrammte die Ladeschaufel scharf an seinem Kopf vorbei. Das wird jetzt als Tötungsversuch bezeichnet. Sein Kollege nahm im Funkfahrzeug die Verfolgung auf, touchierte in Wölsendorf den Bulldog. Dann lief er zu Fuß weiter, kam an die Fahrertür, öffnete sie und schoss dem Fahrer in den rechten Unterschenkel. Der aber ratterte unbeirrt weiter.

Jetzt bekannte der Hauptkommissar vor Gericht: "Ich hatte Angst, dass der mich überrollt." Auch das gilt jetzt als versuchter Mord. Alarmierte Streifenwagen aus der ganzen Gegend trafen ein. "Er darf nicht in den fließenden Verkehr zurückkehren", lautete der Auftrag. Tat er doch. In Wölsendorf setzte sich ein Amberger Polizeihundeführer auf seine Spur. Auch dessen Dienstfahrzeug bekam Berührung mit dem Traktor. Und auch er gab Schüsse ab. Der 47-Jährige fuhr weiter.

Die dicken Reifen des Bulldogs ließen Projektile abprallen. Aber die Hydraulik wurde durchschlagen. Zum Schluss drehte der Traktor samt Fahrer nur noch Kreise auf einem Feld. Da entschloss sich der Hundeführer zu einem finalen Akt: Er rammte mit seinem ramponierten Wagen den Bulldog frontal. Ende bei Wölsendorf: Landwirt vom Bock gezogen. Festnahme, Notversorgung, nach Krankenhausaufenthalt in U-Haft. Nun seit einem Jahr. Ein Alkoholiker sitzt vor seinen Richtern. Nicht unsympathisch. "Danke, dass Sie mir Erste Hife geleistet haben", hat er dem ihn rammenden Hundeführer der Polizei gesagt. Der Prozess ist vorläufig auf sechs Tage angesetzt.

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