LBV-Aktion "Stunde der Wintervögel"
Die Kohlmeise ist der Star

Die Kohlmeise hat die Spitzenposition zurückerobert: Teilnehmer des Projekts "Stunde der Wintervögel" haben sie am häufigsten in den heimischen Gärten gezählt. Bild: Derer/exb

Jedes Kind kennt das Lied: "Alle Vöglein sind schon da." Die LBV-Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" liefert allerdings ein gegenteiliges Resultat. Flächenfraß und Monokulturen sind zwei der Gründe für weniger Wintervögel in der Region. Und doch: Die Kohlmeise ist an der Spitze zurück.

-Sulzbach. Im Freistaat Bayern werden immer weniger Vögel gezählt. Das zeigt das Ergebnis der Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) und des Naturschutzbunds (NABU). Über 32 000 Teilnehmer meldeten insgesamt über 760 000 Vögel - eigentlich eine Rekordbeteiligung. Dennoch beobachteten sie im Durchschnitt nur 34 Vögel pro Garten. Im Vergleich dazu: 2011 wurden noch 42 Vögel gezählt.

Beunruhigend ist für den LBV der Schwund bei Buch- und Grünfinken. Ihre Zahlen nehmen zwar langsam, dafür aber seit Jahren, stetig ab. "Bei beiden Vogelarten lässt sich ein trauriger Trend erkennen. Der Grünfink ist seit 2014 fast nur noch halb so oft in Gärten gezählt worden", sagt Martina Gehret, die LBV-Beauftragte für Citizen Science (Bürger beobachten und werten Daten für wissenschaftliche Zwecke aus).

Auch der Rückgang von typischen Feldvögeln wie der Gold-Ammer, die im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent abnahm, bereitet dem LBV große Sorgen. "Als typischer Vogel der Ackerlandschaft machen der Gold-Ammer der zunehmende Flächenfraß, Monokulturen, der Einsatz von Agrargiften in der Landschaft und die Zerstörung von Randgehölzen und Sträuchern schwer zu schaffen", erklärt Gehret.

Zugvögel überwintern

Angesichts des milden Winters haben sich dafür einige Zugvogelarten die weite Reise nach Süden gespart. Sie reagieren oft sehr spontan auf die jeweilige Witterung. Bei einem plötzlichen Wintereinbruch ziehen die Tiere kurzfristig in wärmere Regionen. Der LBV freut sich außerdem darüber, dass in der Geschichte des Projekts "Stunde der Wintervögel" bayernweit noch nie so viele Stare beobachtet wurden. Der Rekord liegt bei knapp 6500 Exemplaren. Damit verfehlt der Vogel des Jahres nur knapp die Top 20.

Die meisten Stare zählten die Teilnehmer im nördlichen Bayern. In Unterfranken belegt die Vogelart Rang sieben, in Aschaffenburg war der Star sogar der dritthäufigste Vogel. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde er dagegen nur 18 Mal gesichtet. Damit landet er auf Platz 31, in der Stadt Amberg mit einem Exemplar sogar nur auf Platz 40. "Das liegt an den klimatischen Bedingungen in Amberg", erklärt Bernhard Moos, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach. "Bei uns ist es kälter. Deswegen sind die Zahlen sehr niedrig. Die Stare kommen meist erst Ende Januar oder Anfang Februar aus ihrem Winterquartier zurück."

Dafür sind nach dem Ausbleiben im Vorjahr die Meisen wieder da. Die Kohlmeise hat ihre Spitzenposition zurückerobert. Der Einbruch von 2017 sei auf ein schlechtes Brut-Jahr 2016 zurückzuführen, sagt Moos. "Es hat große Teile des Futters verregnet. Außerdem werden kleine Vogelarten wie die Kohlmeise nicht sehr alt - nur drei bis fünf Jahre. Dadurch kommt es zu diesen Bestandsschwankungen." 2017 schlüpften wieder mehr Jungvögel. Das wirkt sich heuer positiv auf die Winter-Zählung aus.

Vorne dabei: Haussperling

Auch der Haus- und Feldsperling ist ganz vorne dabei. Trotz rückläufiger Gesamtzahlen lieferten sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Positionen zwei und drei. In der Stadt Amberg hat der Haussperling sogar der Kohlmeise den Rang abgelaufen und steht auf Platz eins der beobachteten Vögel. "Der Spatz ist ein durchsetzungsstarker Vogel. Die Bedingungen in Amberg sind günstig: Wir sind hier sehr naturnah strukturiert und haben noch viele Grünflächen", macht Moos deutlich.

Regionale Unterschiede

Die Teilnehmer in Niederbayern bekamen mit 41 Vögeln pro Garten die meisten gefiederten Gäste zu sehen. Ebenfalls über dem bayerischen Durchschnitt liegt der Landkreis mit 39 Vögeln pro Garten. Gerechnet auf die gesamte Oberpfalz waren es jedoch nur 35 Vögel. Auffällig ist, dass in vielen Großstädten die Zahlen besonders niedrig sind. Mit im Schnitt nur 21 Vögeln pro Garten ist München erneut die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands. Auch Nürnberg (25), Augsburg (25) und Bamberg (26) unterstreichen den Abwärtstrend in Städten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.