Live unterwegs mit den Sternsingern von St. Martin
Die Reise der drei Königinnen

Sternsinger zwischen Hüten und Handschuhen: Auch Amberger Geschäftsleute geben gerne etwas in die Spendenbüchse.
 
Mit großen Augen und ganz vorsichtig werfen auch die Kleinsten etwas in die Sammelbüchsen der Mädchen mit den Kronen und bunten Umhängen.
 
Die Mädchen haben fertige Aufkleber mit dem Segensspruch dabei. Auf Wunsch schreiben sie aber auch mit Kreide an die Türen.

Die Stadt ist leiser als sonst. Der Schnee schluckt die Geräusche des Verkehrs. Alles ist weiß. Drei tapfere Mädchen gehen schnellen Schrittes und mit wehenden Umhängen über eisige Bürgersteige. Sie tragen Kronen und Stern. Caspar, Melchior und Balthasar trotzen dem Winter.

Paula, Magdalena und Katharina stapfen dick eingemummt durch die Altstadt. Unter den weißen Gewändern und den Umhängen, die im Wind flattern, halten Thermounterwäsche, Jeans, Pullover und mehrere Fleece-Jacken die drei Königinnen warm. "Heute geht's, gestern war's schlimmer", sagt Paula (14). Die Mädchen sind als Sternsinger für die Pfarrei St. Martin unterwegs und gehen von Haus zu Haus. Ihre Route verläuft am Donnerstag über die Jesuitenfahrt sowie die Untere und Obere Nabburger Straße. Ein paar Geschäfte, die am Tag vorher geschlossen hatten, müssen sie auch noch abklappern.

Spenden für arme Kinder

Erste Station: Jesuitenfahrt, ein Mehrfamilienhaus. Die Jugendlichen läuten an jedem Namensschild. Da, wo niemand öffnet, werfen sie zwei Zettel in den Briefkasten. "Da steht drauf, wie die Leute trotzdem noch spenden können, wohin das Geld geht und für wen es genau ist", erläutert. In diesem Jahr sammeln alle Sternsinger-Gruppen bundesweit unter dem Motto "Segen bringen, Segen sein: Gemeinsam für Gottes Schöpfung - in Kenia und weltweit." Kenia ist das aktuelle Beispielland der 59. Aktion des Dreikönigssingens.

Beim nächsten Klingelknopf geht der Türsummer. Eine Kinderstimme ist aus der Wohnung zu hören, vor der die drei Königinnen stehen. Ein kleiner Junge reißt die Augen auf und ruft: "Die sind verkleidet!" Er läuft erst mal davon. Nur auf dem Arm seiner Mutter traut er sich wieder zurück, gibt den Mädchen dann sogar Gummibärchen und Geld. Die Sternsinger-Gruppen aus St. Martin dürfen auch für die Ministranten Geld annehmen. Das wird dann fair unter allen aufgeteilt. Die zusammengetragenen Süßigkeiten kann jede der drei Gruppen selber behalten - auch das ist guter Brauch.

Die Mädchen klingeln an der nächsten Tür. "Ja?", tönt es durch die Sprechanlage. Der Öffner wird betätigt, die Mädchen werden von einer Frau im Hausflur empfangen. "Ihr müsst nicht singen, ich gebe Euch freiwillig was", sagt sie und steckt Geld in die Blechbüchse. Die drei bringen einen Aufkleber mit dem Segenssymbol an der Tür an. Weiter geht's. "Das ist für uns schon komisch, wenn die Leute uns den Spruch nicht vortragen lassen. Deswegen gehen wir doch rum", meint Magdalena (13) hinterher.

Ab und zu Verrücktes

Zwei Häuser weiter wird es noch etwas seltsamer. Durch die geschlossene Tür ruft eine Frau: "Wer?" "Die Sternsinger", sagt Katharina. Antwort: "Ich brauch' nix." Mit ratlosen Gesichtern ziehen die Schülerinnen weiter. "Die meisten Leute sind richtig nett. Dieses Jahr wollten nur drei nicht, dass wir kommen. Manchmal passiert aber auch was Verrücktes", erzählt Magdalena. Am Tag vorher wurden die Mädchen gefragt, ob sie "unterwegs zum Fasching sind". Später pöbelten Betrunkene sie an und rannten ihnen sogar hinterher. "Da sind wir dann schneller gelaufen. Wir hatten schon etwas Angst", schüttelt Katharina (13) den Kopf.

Die Ministrantinnen gehen weiter durch die Altstadt, diskutieren, wo es als Nächstes hingeht. Plötzlich ruft eine Frau laut: "Hallo! Ja, kommt doch mal zu mir. Wo bleibt Ihr denn dieses Jahr? Ich hab schon was hergerichtet." Das lassen sich die Sternsinger nicht zweimal sagen. Zwischen Bettwäsche und Handtüchern bekommen sie im Laden der Frau eine Spende überreicht. Natürlich erst, nachdem sie ihren Spruch aufgesagt haben. "Ich spende jedes Jahr für die Sternsinger", berichtet die Frau.

1959 gab es die Aktion erstmals. Inzwischen ist das Dreikönigssingen die weltweit größte Solidaritätsinitiative, bei der sich Kinder für ihre Altersgenossen in Not engagieren. Jährlich unterstützen die gesammelten Spenden mehr als 1500 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. "Wir gehen gerne rum. Wir tun das für Menschen, die es nicht so gut haben, wie wir", betont Paula.

Auch "große" Sternsinger

In der Pfarrei St. Martin gibt es neben den "normalen" Sternsingern auch noch die "großen". Die Gruppe besteht momentan aus einer Schola mit fünf bis sechs Männern und den drei Königen. Diese Sternsinger entstanden aus ehemaligen Ministranten von St. Martin, die sich nach ihrer aktiven Zeit weiter engagieren wollten. Heute sind sie vor allem in öffentlichen Einrichtungen unterwegs. "Wir können die kleineren Sternsinger nicht auch noch in die Krankenhäuser und Altenheime schicken, das kriegen die alles gar nicht hin. Und in die JVA dürften die Kinder nicht hinein", erklärt Peter Bublitz, St. Martins einstiger Diakon und jetziger Seelsorger der Justizvollzugsanstalt.

Also ziehen jedes Jahr am Dreikönigstag die großen Sternsinger mit Kronen und Stern los. Die Gruppe besteht ausschließlich aus Männern. "Das kommt von der Tradition, dass damals nur Jungen Ministranten werden durften", erinnert sich Bublitz. Ganz anders bei den Sternsingern, die in der Woche vor Dreikönig an den Häusern klingeln. Da sind auch reine Mädchengruppen dabei, wie die von Paula, Magdalena und Katharina. Die machen das gerne und sind mittlerweile schon richtige Profis. Paula ist schon das siebte Mal unterwegs und die Zwillinge Katharina und Magdalena zum dritten Mal. Mittlerweile gehen aus St. Martin nur noch drei Sternsinger-Gruppen, früher waren es mindestens fünf.

"Es ist das alte Problem der Pfarreien: Es gibt keine Ministranten mehr", erklärt Bublitz. Die Jugendlichen seien früher noch mit 16 oder 17 Jahren mitgegangen. "Heute ist das anscheinend nicht mehr cool. Und viele jungen Leute wollen auch ihre Freizeit nicht mehr dafür opfern", bedauert der Diakon. "Die Pfarreien schaffen es mit Müh und Not, überhaupt noch Sternsinger loszuschicken." Unsere drei Mädchen wollen nächstes Jahr wieder gehen. "Uns macht das einfach Spaß", lacht Katharina. "Man darf keine Angst haben, zu klingeln, und wenn man sich mal verspricht, einfach weitermachen."

Wir tun das für Menschen, die es nicht so gut haben, wie wir.Sternsingerin Paula (14)


HintergrundDie drei Weisen und ihr "C+M+B"

Amberg. (tsa) Die katholische Kirche feiert am 6. Januar das Fest der Heiligen Drei Könige. Das Matthäus-Evangelium berichtet je nach Übersetzung von Weisen, Magiern oder Astrologen aus dem Osten, die einer Sternenkonstellation folgten und über Jerusalem nach Bethlehem kamen, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Der Volksglaube machte aus den Magiern Könige verschiedener Erdteile. Seit dem sechsten Jahrhundert werden ihre Namen mit Caspar, Melchior und Balthasar angegeben. Caspar wird meistens als Myrrhe schenkender Afrikaner, Melchior als Goldschätze überreichender Europäer und Balthasar als asiatischer König gezeigt, der Weihrauch zur Krippe bringt. Myrrhe, Gold und Weihrauch sind die Gaben der Fürsten an das von Gott gesandte Jesuskind.

Die Heiligen Drei Könige werden als Schutzpatrone der Reisenden, Pilger, Kaufleute, Gastwirte und Kürschner verehrt. Seit 1958 fördern das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend die Aktion, bei der Buben und Mädchen immer Anfang Januar als Könige verkleidet Spenden für ihre notleidenden Altersgenossen in den Entwicklungsländern sammeln.

Die drei Lettern C, M und B, die die Sternsinger an die Türen schreiben, sind nicht die Anfangsbuchstaben der Namen der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Sie stehen für den lateinischen Segensspruch "Christus mansionem benedicat" (Christus segne dieses Haus). Eingerahmt werden die Buchstaben von der jeweils aktuellen Jahreszahl.
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