21.07.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Martin Luther - Bestseller aller Zeiten Reformation als Medienereignis mit welthistorischen Folgen

Die Schlagzeilen von 2017 sind bekannt und noch im Gedächtnis. Was aber bewegte die Menschen vor 500 Jahren? Martin Luther mit der von ihm in Gang gesetzten Reformation war das Medienereignis 1517.

Dr. Johannes Laschinger (r.) stellte Dr. Bernhard Lübbers (l.) mit seinem wissenschaftlichen Werdegang vor, der die Vortragsreihe anlässlich des Reformationsjubiläums im Gemindesaal der Erlöserkirche bei Hausherrn Dr. Johannes Blohm (Mitte) bereicherte.
von Adele SchützProfil

Amberg . (ads) Bernhard Lübbers, der Leiter der Staatlichen Bibliothek in Regensburg und Lehrbeauftragter an der dortigen Universität, war für einen Vortrag in die Erlöserkirche gekommen, wo er die Bedeutung des Buchdrucks für die Reformation erläuterte. Der Tenor: Ohne Johannes Gutenberg und die von ihm entwickelte Kunst hätte es den kirchlichen Veränderungsprozess in dieser Form gar nicht geben können. Luther habe den Buchdruck als "höchstes und letztes Geschenk Gottes" gewertet.

Luther habe es perfekt verstanden, den Buchdruck für sich zu nutzen und damit ein Ereignis auszulösen, das nicht nur die Religion, sondern die Welt veränderte. Beides wirke bis in die heutige Zeit nach. Als Hausherr hatte Pfarrer Johannes Blohm den Referenten und sein Thema vorgestellt: "Die Reformation und das Buch". Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die das Stadtarchiv, die Regionalgruppe des Historischen Vereins sowie die evangelischen Kirchengemeinden aus der Taufe gehoben haben. "Der Buchdruck wurde zwar Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden, dümpelte um 1500 jedoch etwas dahin. Die Branche war in einer Krise", schilderte Bernhard Lübbers die Ausgangssituation. Mit dem Auftreten Martin Luthers ab 1517 sei das grundlegend anders geworden: "Der bis dahin unbekannte Professor aus Wittenberg traf den Nerv der Zeit. Außerdem war er ein intuitives Genie. Er konnte kurz, knapp und mitreißend schreiben."

Aus diesen Gründen hätten ihm die Buchdrucker im gesamten Reich und darüber hinaus seine Werke buchstäblich aus den Händen gerissen: "Luther wurde damit der größte Bestseller aller Zeiten. Niemals vorher und niemals nachher hat ein einziger Autor die Buch- und Verlagsbranche so dominiert wie er." Mit der Übersetzung der Bibel sei ihm der nächste Erfolg gelungen. Lübbers wies auch darauf hin, dass viele Sprichwörter auf Luthers Übersetzung zurückgehen. Der Reformator hatte es sich selbst zur Richtschnur gemacht, dem Volk aufs Maul zu schauen. Zusammenfassend sagte der Referent: "Bildungs- und zivilisationsgeschichtlich betrachtet führte die von Luthers Thesen ausgehende Bewegung den Buchdruck zu ungekannten Höhen.

Die Reformation trug maßgeblich dazu bei, den Zugang zu Texten auf lange Sicht zu demokratisieren. Wissen und Wissenschaft wurden in den folgenden Jahrhunderten bestimmend, sie basierten und basieren zu großen Teilen noch immer auf dem Buchdruck." Die Reformation sei nicht nur zu einem Medienereignis erster Güte geworden, sondern hatte weitreichende, welthistorische Folgen. Vielleicht waren die Fernwirkungen dieses Aspekts der Reformation sogar nachhaltiger als die Glaubensspaltung selbst.

Der Buchdruck wurde zwar Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden, dümpelte um 1500 jedoch etwas dahin. Die Branche war in einer Krise.Bernhard Lübbers, der Leiter der Staatlichen Bibliothek
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