02.03.2018 - 13:58 Uhr

Michael Honig rappt auf Oberpfälzisch Bazis wissen, wer da BBou is

Drogen, Sex und Frauenfeindlichkeit – darum geht es in den Liedern von BBou. Das Markenzeichen des Rappers aus der Oberpfalz sind seine Mundart-Texte. Anfangs war die Musik nur ein Hobby. Doch zwei einschneidende Erlebnisse änderten alles.

Rappen in Oberpfälzer Mundart ist BBous Markenzeichen – genauso wie der Vollbart und die langen Haare. Bild: Mona-Isabelle Peter
von Mona-Isabelle Peter Kontakt Profil

„Was Franz Beckenbauer für den bayrischen Fußball war, was Karl Valentin für den bayrischen Humor war und was König Ludwig II. für das königstreue bayrische Volk war, das ist der Boarische Bou für bayrischen Rap.“ So beschreibt sich der BBou – kurz für „Boarischer Bou“ – auf seiner Website. Eigentlich heißt der Bou Michael Honig und stammt aus Wolfsbach im Landkreis Amberg-Sulzbach. Unter seinem Künstlernamen zieht er seit über zehn Jahren rappend durch Bayern.

Seine langen Haare hält er mit einem bunten Haarreif im Zaum. Sein langer, zotteliger Vollbart ist sein Markenzeichen – wie seine bairischen Texte. Er trägt eine graue Jogginghose und ein schwarzes T-Shirt – mitten im Winter. Tattoos zieren seine Arme und Hände, so zum Beispiel das Logo zu seinem Song „Wey a Minsi“ auf seinem rechten Handrücken. Völlig offen spricht BBou über sein Leben, die Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum und seine Musik.

Zum Hip-Hop kam Michl, wie er von Bekannten und Freunden genannt wird, schon mit 15 Jahren. Während andere nachmittags Fußball spielten, hörte er Hip-Hop, rapte mit seinen Kumpels und fing an, eigene Texte zu schreiben. Seine Vorbilder: Blumentopf und Kool Savas.

Mit seinen ersten Songs wollte BBou vor allem provozieren. „Ich habe am Anfang ziemlich derbe Texte geschrieben, also total pervers – Hauptsache übertrieben. Das war mein Mittelfinger an alle Leute in meinem Umfeld, die meiner Meinung nach zu engstirnig und zu konservativ waren“, beschreibt der 31-Jährige seine ersten musikalischen Gehversuche. Er wollte Spaß haben und sein Ding durchziehen. Saufen und über die Stränge schlagen, Drogen und Frauenfeindlichkeit sind die zentralen Themen seiner Songs.

Zwischen 2Pac und Söllner

Damit steht BBou in bester Tradition des amerikanischen Rap und Hip-Hop. Nur eben auf Bairisch – besser gesagt Oberpfälzisch. Er erinnert an eine Mischung aus Rappern wie 2Pac oder Kool Savas und dem Liedermacher Hans Söllner, der für seine bairischen Texte und seine Drogenaffinität bekannt ist. „Mir ist es nicht darum gegangen, dass ich auf Bairisch Musik mache, weil Bairisch so geil ist“, sagt BBou, „sondern einfach weil das für mich die leichteste Form ist, mich auszudrücken. Ich bin der Meinung, dass man Gefühle nur in der Sprache übermitteln kann, die man am besten beherrscht.“

In seiner ersten Band, die noch auf Hochdeutsch rappte, fühlte er sich nie ganz wohl. „Ich habe das damals so wahrgenommen, dass du in der Minderheit warst, wenn du Bairisch geredet hast. Das war so ein: Ah, schau mal den Bauern an. Vor allem in der Hip-Hop-Musik war das so“, erzählt der Musiker. Als seine Band sich auflöste, war die Entscheidung gefallen: „Ich mach’s anders.“

Endlich muss sich BBou nicht mehr verstellen. Er schreibt aber nicht nur eigene Texte. Aus dem Song von Haftbefehl „Chabos wissen, wer der Babo ist“ wird mit Oberpfälzer Mundart „Bazis wissen, wer der BBou is“. Sein unkonventioneller Stil kommt an. Über 35.000 Facebook-Fans hat er inzwischen. Sein Bekanntheitsgrad steigt. Der oberpfälzische Rap ist vor allem in Ober- und Niederbayern beliebt. Wahrscheinlich „weil’s so exotisch klingt“, vermutet BBou. „Oberpfälzisch ist halt nicht so glattgebügelt und massentauglich.“

Seit Mitte 2017 steht BBou als Musiker auf eignen Beinen. Dabei hatte er nie vor, Berufsmusiker zu werden. Der Musikunterricht in der Schule interessierte ihn kaum. Er machte eine Ausbildung zum Gießereimechaniker. 15 Jahre arbeitete er bei der Luitpoldhütte in Amberg. Die Musik war ein Hobby. Er gab Konzerte in Jugendzentren oder spielte bei Newcomer-Wettbewerben. Zu Hause nahm BBou seine Lieder auf und stellte sie bei Youtube ein. Seine CDs verteilte er kostenlos.

Zwei einschneidende Erlebnisse veränderten ihn und seine Texte: 2015 meldete die Luitpoldhütte Insolvenz an, und er verlor seinen Job. „Da habe ich das erste Mal in meinem Leben wirklich Zeit gehabt, mich mit mir selber zu beschäftigen“, blickt er zurück. In diese Zeit fielen auch seine ersten Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und LSD. „Das ist schwierig, jemandem zu erklären, der es noch nicht genommen hat“, sagt BBou ganz offen. „Das hat mir aufgezeigt, dass die Richtung, in die ich mein Leben leben will, nicht falsch ist. Seitdem habe ich angefangen, Sachen anders zu sehen und zu bewerten.“ Da ist es kein Wunder, dass Drogen auch in BBous Songs allgegenwärtig sind.

Seine Texte werden ernster. „Ich habe gemerkt, ich erreiche bei meinen Auftritten ziemlich viele Leute, es hören mir viele zu, da möchte ich auch was erzählen.“ BBou will immer noch provozieren, aber subtiler und humorvoller. In „A Hos a Katz“ rapt er über seine Jugend, als von ihm noch verlangt wurde, sich anzupassen: „Sei besoagde Muada, ja, de mechd doch bloß, dass ia Kind es endlich amol checkt, dass, wenn ma se ned obassd und eireid, koana zu oam kuma doud mid am High-five. Des wa ja so wichdig.“ Aber BBou war es immer schon egal, was andere von ihm denken. In einer anderen Textpassage kritisiert der Oberpfälzer Rapper die deutsche Leistungsgesellschaft und das Schulsystem: „Im Schulhof gibds nix zum seng. Du soisd fire zum Lehra schaua. Ned do drausn im Greana, sondan dofoan speid de Musik.“

DJ sorgt für Beats

Bei seinen Auftritten begleitet BBou ein DJ, der die modernen „Gstanzln“ mit dem richtigen Hip-Hop-Beat unterlegt. Doch BBou ist das nicht genug. Seit einem guten Jahr lernt er zudem Gitarre. „Ich habe mich aufgeregt, dass ich nichts spielen kann. Ich war einfach abhängig von einem Instrumental, das von einem DJ abgespielt wird.“

Ansonsten dreht BBou mit seinen Freunden Musik-Videos, in denen er sich oft nackt oder zumindest halbnackt zeigt; er verbringt viel Zeit in der Natur und hört gerne „geile Musik“. Das muss nicht unbedingt Hip-Hop oder Rap sein. Zur typischen Rap- oder Hip-Hop-Szene hat BBou kaum Kontakte: „Es geht da viel um dicke Eier und ums Ego. Aber das bin ich nicht.“

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