16.02.2018 - 20:00 Uhr

Mikrobiologie-Chefarzt klärt auf über Infektionen und wie man sich schützt Kampf dem Krankenhauskeim

"Jedes Jahr fordern Infektionskrankheiten weltweit Millionen von Todesopfern, obwohl die Forschung schon große Fortschritte gemacht hat. Deshalb ist das Thema extrem wichtig." Daran ließ Bürgermeister Martin Preuß beim letzten Vortrag des Gesundheitsforums keinen Zweifel. Am Amberger Klinikum sei die Bedeutung dieses Fachbereichs erkannt worden, weshalb es dort in Kooperation mit der Kliniken Nordoberpfalz AG mit Professor Dr. Hamid Hossain seit 2017 einen eigenen Chefarzt für Mikrobiologie gebe.

Bürgermeister Martin Preuß (links) und VHS-Leiter Thomas Boss (rechts) freuen sich, mit Chefarzt Professor Hamid Hossain (Mitte) eine eigene mikrobiologische Abteilung in Amberg und Weiden zu haben. Bild: Gräß
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Das ist laut Preuß wegweisend und nicht selbstverständlich, denn viele Häuser lagerten solche Bereiche mittlerweile aus. In seinem Vortrag klärte Hossain, der auch noch eine Professur für Krankenhaushygiene an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen hat, über Infektionskrankheiten und ihre Erreger, sogenannte Mikroorganismen, auf. Dazu gehören Bakterien, Pilze, Parasiten, Viren und infektiöse Proteine.

Jeder Mensch trägt nach Auskunft des Mediziners auch gut wirkende Mikroorganismen in sich. Was die Krankmacher betrifft, die zum Beispiel über Tröpfchen-, Schmutz- und Schmierinfektionen, direkten Kontakt oder auch verseuchte Lebensmittel aufgenommen werden, spiele dann das Alter eine große Rolle: Neugeborene hätten noch kein ausgeprägtes Immunsystem, und auch ältere Menschen seien anfälliger. Ist die Erkrankung ausgebrochen, muss laut Hossain das Immunsystem ran, gegebenenfalls mit Unterstützung von Medikamenten. "Ganz wichtig ist es dabei, Symptome und Krankengeschichte des jeweiligen Patienten abzufragen und ihn zu untersuchen", so Hossain. Durch die mikrobiologische Diagnostik könnten die Ärzte präzisere Therapien verordnen.

Bei der Bekämpfung einer Infektion komme es aber auch auf die Zeit an. Für manche Erkrankungen gebe es einen Schnelltest, um andere Erreger nachzuweisen, müssten Kulturen angesetzt werden. Damit möglichst wenig Erreger beim Transport vom Patienten zum Labor absterben, sei es eine "gute Investition, eine eigene Mikrobiologie im Haus zu haben". "Wir setzen in Amberg und Weiden auf verschiedene neue Entwicklungen: Zum Beispiel nutzen wir zur Probenentnahme aus Mund oder Nase keinen herkömmlichen Wattetupfer, sondern einen geflockten, der viel mehr Erreger aufnimmt. Außerdem wollen wir in Amberg und Weiden in die neueste Technologie investieren, mit der wir in kürzester Zeit Erreger nachweisen und identifizieren können."

Die vielzitierten Krankenhauskeime entstehen laut Hossain nicht im Krankenhaus, sondern vor allem in der Tierzucht: "Über Ausscheidungen gelangen sie in die Umwelt, ins Wasser und über die Nahrung oder auch über direkten Kontakt mit Tieren zu uns." In die Klinik werden sie quasi mitgebracht und können sich dort ausbreiten. Um das zu verhindern, gebe es Hygienemaßnahmen: eine Untersuchung auf multiresistente Erreger schon bei der Aufnahme von Patienten, regelmäßige Schulungen für Mitarbeiter und Besucher sowie die regelmäßige Desinfektion von Flächen und Händen. Letzteres sei auch für Besucher sehr wichtig.

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