16.03.2018 - 19:22 Uhr

Mildere Strafe: Verurteilter 40-Jähriger sorgt für Auffliegen einer Bande Haschisch-Dealer löst Lawine aus

Abdul, wie er sich im Asylbewerberheim Kunden gegenüber nannte, soll wegen Drogenhandels drei Jahre ins Gefängnis. Ein mildes Urteil, das er nur deshalb bekam, weil der 40-Jährige seine Lieferquelle nannte. Die, so hat es den Anschein, sprudelte schier unablässig.

Bild: dpa
von Autor HWOProfil

Amberg/Weiden. (hwo/ca) Der Prozess vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts war ungewöhnlich. Erst gab der in Handschellen vorgeführte Iraker seine Haschischverkäufe an vorwiegend junge Abnehmer zu. Doch dann mochte der Mann, der sich nach eigenen Angaben ein Zubrot zum Unterstützungsgeld verdienen wollte, plötzlich seinen Lieferanten nicht mehr kennen. Seltsam: Bei polizeilichen Vernehmungen hatte der Araber im Sommer vergangenen Jahres alle seine Kunden und dazu auch noch die Bezugsquelle genannt.

Ein sehr seltener Fall mit Garantie auf Strafmilderung. Doch in der Verhandlung vor dem Landgericht ließ der 40-Jährige wort- und gestenreich übersetzen, dass es sich da wohl um einen bedauerlichen Irrtum handele. Denn jener Mann, den er ursprünglich als Lieferanten genannt habe, sei nun wirklich nicht derjenige, den man jetzt zum Prozess als Zeugen ebenfalls aus der Untersuchungshaft vorführte. Das glaubte ihm keiner. Abdul war in der Klemme.

Später brach der Haschisch-Dealer ein und bekannte, dass er schon den Richtigen identifiziert habe. Jetzt, nach in Weiden gegebenen Auskünften des dortigen Leitenden Oberstaatsanwalts Gerd Schäfer, lässt sich ermessen, wie schwer ihm dieses letztlich zu milden drei Jahren Haft führende Geständnis fiel. Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass man ihn massiv bedrohte. Der im August vergangenen Jahres in Weiden verhaftete syrische Asylbewerber, 22 Jahre alt, war nach Ermittlungserkenntnissen Schäfers Mitglied einer in ganz Nordbayern operierenden Bande, die sowohl im Bereich Weiden als auch in der Region Amberg einen Handel mit Haschisch, Marihuana und Ecstasy-Tabletten aufgezogen hatte. Ihre Ware bezogen die Männer aus Nürnberg, Hamburg und Berlin.

Offenbar lebte der Syrer in den Jahren 2016 und 2017 sowohl im Amberger Asylbewerberheim an der Kümmersbrucker Straße als auch in Weiden bei seiner Schwester. Dort nahm man ihn später fest. Gewiss ist: Der als Haschisch-Dealer angeworbene Iraker war in Amberg aufgefordert worden, intensiv nach Neukunden zu suchen. Dabei standen ihm offenbar kostenlose Proben zu Anwerbezwecken zur Verfügung. Für jeweils verhökerte 50 Gramm bekam er zwischen 100 und 150 Euro Provision.

Während am Freitag, 27. April, in Weiden das Verfahren gegen den Syrer beginnt, laufen nach wie vor Ermittlungen gegen seine mutmaßlichen Kumpane. Als Zeuge vor der Amberger Strafkammer hatte der 22-Jährige ein Aussageverweigerungsrecht und machte Gebrauch davon. Fest aber steht: Die kriminelle Organisation flog erst auf, als der Haschisch-Verkäufer aus dem Irak vor der Amberger Kripo und später vor seinen Richtern reinen Tisch machte.

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