27.03.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Mit BMW gegen parkenden Lastwagen Sekundenschlaf nicht eindeutig

Ein jetzt 55-Jähriger aus Hirschau raste im Oktober in Schnaittenbach mit seinem BMW frontal in einen Lkw. Die Frage, die jetzt vor dem Amtsgericht Amberg beantwortet werden musste: War der Mann kurz eingenickt und verlor daher die Kontrolle über sein Fahrzeug?

von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

-Sulzbach . Er wisse noch, dass er bei einem Supermarkt in Wernberg angehalten hattet, um sich zwei Brezen zu kaufen, erklärte der 55-jährige Angeklagte vor Gericht in Amberg. "Dann kann ich mich an nichts mehr erinnern. Das Nächste ist erst wieder der Knall gegen den Lastwagen."

Zwei gebrochene Rippen

Der Hirschauer fuhr laut Anklageschrift an jenem 10. Oktober 2016 in Schnaittenbach mit seinem Geschäftswagen auf die Gegenfahrbahn. Dort prallte er frontal in einen parkenden Lastwagen. In dem Sattelzug saß zu diesem Zeitpunkt niemand. Der Mann am Pkw-Lenkrad verletzte sich indes schwer: "Ich hatte starke Schmerzen in der Brust, da ich mir zwei Rippen gebrochen hatte", erklärte er Richterin Sonja Tofolini. Der Schaden des Unfalls belief sich auf rund 22 000 Euro, der BMW war total demoliert.

Die Staatsanwaltschaft Amberg warf dem Vertriebsingenieur vor, fahrlässig gehandelt zu haben. Er hätte seine Verkehrsuntüchtigkeit erkennen müssen. Er habe damit andere in Gefahr gebracht.

Von einer Übermüdung wollte der 55-Jährige vor Gericht nichts wissen: "Ich war an dem Tag auf dem Heimweg einer Geschäftsreise in München. Vorher habe ich während der Fahrt noch mit Kollegen telefoniert." Was er mit den Ersthelfern am Unfallort gesprochen habe, wisse er auch nicht mehr. "Sicher ist, dass ich immer aus dem Auto aussteigen wollte, da die Halskrause, die mir angelegt wurde, unbequem war."

Bei klarem Verstand

Die Richterin hakte allerdings nach und wollte genauer wissen, worüber er mit den Helfern gesprochen habe. Denn Zeugen gaben an, der Hirschauer habe selbst den Verdacht geäußert, eingeschlafen zu sein. Ein damals zufällig vorbeigekommener Rettungsassistent bestätigte den Vorwurf der Anklage. "Ich habe den Mann untersucht und ihm Fragen gestellt, um seine Erinnerung zu testen." Dabei habe der Verunglückte deutlich gesagt, dass er wohl eingeschlafen sei: "Er war bei klarem Verstand."

An soziale Einrichtung

Abschließend war jedoch nicht zu klären, ob der 55-Jährige tatsächlich kurz vor dem Unfall eingenickt war. Richterin Tofolini stellte deshalb das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 3000 Euro ein. Der Betrag geht an eine soziale Einrichtung.

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