Momentaufnahme vom Amberger Weihnachtsmarkt
Männerrunden am Karussell

Ein Tisch, fünf Herren und ausgezeichnete Stimmung. "Wir sind alte Freunde und haben heute unseren traditionellen Mittwochs-Stammtisch", sagt Kurt Pongratz. Bilder: Brückmann (4)
Amberg: Marktplatz |

Mittwoch, 15 Uhr, Weihnachtsmarkt Amberg. Betrieb wie jeden Tag? Fast. Denn die Menschen, die gerade jetzt durch die Budenreihen schlendern, sind in dieser Konstellation eben nur hier und heute da. Unsere Reporter haben einfach mal den Moment festgehalten. Zufällig, banal - aber herzlich.



15 Uhr

Seit einer Stunde sitzt Goldschmiedemeister Lutz Melzer in seiner Bude auf dem Weihnachtsmarkt. Fünf weitere werden heute noch folgen. Wieviele Runden sich das Karussell vor seinen Augen heuer schon gedreht hat: Unzählbar. Zum Zeitvertreib nimmt er sich Arbeit mit - zum Beispiel biegt er einen Ring und verlötet ihn. Kalt ist es für den Amberger nicht: "Ich sitze zwischen zwei Heizstrahlern." Das elfte Jahr ist sein Laden heuer auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. "Edelstahl" liege derzeit im Trend. "Damit haben Allergiker keine Probleme." (roa)

15.05 Uhr

Ein weißer Lieferwagen fährt vor. Ein Mann mit schwarzem Mantel steigt aus. Es ist Andreas Raab, der Vorsitzende der Park- und Werbegemeinschaft und Chef des Amberger Weihnachtsmarktes.

"Na, alles klar?", ruft er den beiden Frauen in der Waffel-Bude zu. Zum Pizzabäcker winkt er im Vorbeigehen rüber. Raab trägt eine Plastikkiste mit Kabeln und Steckern und stellt sie auf der Bühne ab. Er freut sich schon auf das Karaoke-Singen am Abend. "Da wird es heute wieder voll werden", sagt er. (upl)

15.12 Uhr

Andreas Schmaußer steht wieder in seinem Süßwarenstand, nachdem er in der Auslage nach dem Rechten gesehen hat. Die frisch gebrannten Mandeln duften, die Schokolade der Früchtespieße glänzt im bunten Schein der Weihnachtsbeleuchtung. "In der Weihnachtszeit wohne ich quasi im Stand", sagt er. Heute muss er noch bis 20.30 Uhr aushalten. Das macht ihm aber nichts aus, denn am Abend steht ja wieder Karaoke an. "Da freue ich mich schon drauf." Melina Zawrel ist derweil zu ihren Kollegen zur Glühweinbude geschlendert. Um fast jeden Tisch stehen Marktbesucher und wärmen sich an ihren Punschtassen. Fünf Herren sind besonders schick gekleidet: Krawatte, Hemd - einer trägt sogar Hut. "Wir sind alte Freunde und haben heute unseren traditionellen Mittwochs-Stammtisch", sagt der Amberger Kurt Pongratz. Den beginnen sie diese Woche mit einem Glühwein. Danach geht's zum Essen. Letzte Woche waren die Männer auf Schloss Emmeram. Zu Besuch bei dem Regensburger in der Runde, Winfried Czogalla. Die Abwechslung ist aber nur eine Ausnahme, stellt Herbert Velhorn klar: "Ist grad kein Weihnachten, treffen wir uns immer im Schießl-Wirtshaus." (tsa)

15.18 Uhr

Die "Rose von Jericho" - auch Wüstenrose genannt - hat es Manfred Ziegler angetan. Stellt man die getrocknete Pflanze ins Wasser, färben sich die eingerollten Ästchen binnen zweier Tage dunkelrot. "Ein Wunderding ist das", erklärt der 56-Jährige aus Michelfeld, der seiner Frau beim Verkauf im Tee- und Gewürzstand hilft. In einem Passanten hat er gleich einen Käufer gefunden. Matthias Kies (40) kauft ihm das dürre Wüstenkraut ab: "Sowas habe ich ja noch nie gesehen. Das gefällt mir", freut sich der Regensburger. Ziegler hat gleich Feierabend. In einer Dreiviertelstunde kommt seine Frau, um ihn abzulösen. "Dann geht's nach Hause zum Kaffeetrinken. Wird auch langsam Zeit."

15.21 Uhr

Notfall bei den Bratwürsten: Die Frau hatte sich schon auf ihren Snack gefreut und jetzt das: eine Wurst fällt ihr aus der Semmel. Pech gehabt. Derweil biegt Metzgermeister Herbert Hottner um die Ecke und schaut nach dem Rechten. Hinter dem Gasgrill steht Sophia Strack und dreht fleißig die Würste. Der 21-Jährigen gefällt es besonders, morgens zu arbeiten "weil da die Leute gesprächiger sind". Wenn auf der Bühne etwas dargeboten wird, ist das für sie ebenfalls eine willkommene Unterhaltung. Und schon geht es weiter mit dem Geschäft: Jemand bestellt zwei Käsewürstchen. Der Verkaufsschlager in dieser Saison. (wom)

15.25 Uhr

Ein älterer Herr lacht freundlich einer Passantin zu. Er nickt und stellt sich einfach neben sie. Man merkt, er hat Zeit. So wie das kleine mechanische Weihnachtspüppchen am Stand der Bäckerei. Unermüdlich rollt es an seinem Teig. Der Dönerspieß aus der Imbissbude dreht sich mit. "Gefällt Ihnen die Musik?", will der ältere Herr wissen. Stimmt. Im Hintergrund trällern Kinderstimmen "Oh Du Fröhliche" aus den Boxen. Er wartet nicht auf eine Antwort. Er steht da, die Hände in der Jackentasche, lächelt und sagt: "Schöne Musik ist das, bald ist Weihnachten. Frohe Weihnachten wünsch ich Ihnen." Und er geht weiter. (roa)

15.30 Uhr

Lustig geht es zu an dem weißen Stehtisch vor der dem Eingang zur Martinskirche. Alwin Märkl, der Freudenberger Bürgermeister, hat sich gerade zum Glühweinstand aufgemacht, um "seine Mädels" zu versorgen. Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sind in die Stadt zur Weihnachtsfeier gefahren. "Wir treffen uns jetzt erst einmal hier und dann geht es weiter ins Eisenherz zum Essen." Später kommen noch ein paar Leute vom Bauhof dazu. Extra zusperren musste der Bürgermeister das Rathaus nicht. Die Verwaltung in Freudenberg ist Mittwoch nachmittags immer für den Besucherverkehr geschlossen. Der Glühwein kommt und alle lachen. Heute muss sich keiner mehr hinter das Steuer setzen. Der Rückfahrservice ist schon organisiert. (upl)

Der Amberger Weihnachtsmarkt hat noch bis Freitag, 23. Dezember, geöffnet. Das Programm gibt es unter www.amberger-weihnachtsmarkt.de
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