Mundart-Abend im Café Zentral
Wenn der Goatn zum Gatn wird

Mundartautor Dieter Radl: "Unser Dialekt ist eine Sprache, ein Ausdrucksmittel der ganz besonderen Art."
 
Pianist Peter Seidl, hier an der Geige, und der Keyboarder Fritz Pawlick haben sich zusammengetan, um unter dem doppelsinnigen Namen "Die Vilstalente" aufzutreten.

Erwachsenenbildung und Dialekt - passt das zusammen? Ja! Genau so gut wie Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Ein Mundart-Abend im Café Zentral liefert den Beweis.

Amberg. (brü) Er war ein Brückenschlag in zweifacher Art und Weise, der Mundartabend im Café Zentral, zu dem die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) eingeladen hatte. Erstens in Bezug auf die Frage, ob Erwachsenenbildung und Dialekt überhaupt zusammenpassen. Andererseits zwischen den Städten Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Und das ausnahmsweise nicht als Konkurrenzdenken, sondern in Harmonie.

Johann Bauer, Geschäftsführer und Bildungsreferent der KEB, hatte den Sulzbach-Rosenberger Mundartautor Dieter Radl sowie das Amberger Musikerduo "Die Vilstalente" mit Peter Seidl und Fritz Pawlick eingeladen. Alle Beiträge waren in feinster Oberpfälzer Mundart zu erleben.

Zur Eröffnung gab Bauer dem erlesenen Kreis an Besuchern zunächst die Antwort auf die eingangs gestellte Frage? "Das passt zusammen, es hat etwas mit Bildung zu tun, mit gesprochener Sprache", sagte Bauer: "Wo man zweisprachig aufwächst, mit Hochdeutsch in der Schule und dem Dialekt zu Hause, und wenn man fließend zwischen Dialekt und Hochdeutsch wechseln kann, befeuert das unsere Gehirnwindungen."

Den Oberpfälzer Dialekt zu lesen ist aber trotzdem für viele eine Kunst, auch wenn man das gesprochene Wort selbstverständlich versteht. Für Radl ist das kein Problem. Gut 100 seiner Texte hat er in seinem neuesten Buch unter dem Titel "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" zusammengefasst. Der Titel spiegelt die regionalen Unterschiede im heimischen Dialekt wider. Ein Beispiel - der Garten: "Amberger sagen Goatn, Sulzbach-Rosenberger Gatn." Und dabei liegen zwischen beiden Städten nicht mal 15 Kilometer, wie Radl erwähnte.

Der Autor ging außerdem auf die Grundlagen des Heimatdialekts ein. "Der Oberpfälzer gilt ja im Allgemeinen als redefaul. Und wenn er redet, dann ist er für viele nicht verständlich. So heißt es zumindest." Es wird ja gespottet, dass die Oberpfälzer Mundart eine Sprache ohne Konsonanten sei und nur aus Lauten bestehe, dass der Dialekt im 18. Jahrhundert als rau, steif und starr beschrieben wurde. Dieter Radl wörtlich: "Da muss ich mich entschieden dagegen wehren, denn unser Dialekt ist eine Sprache, ein Ausdrucksmittel der ganz besonderen Art."

Nach der Lesung bekamen das die Gäste auch musikalisch zu hören. Erst vor wenigen Wochen haben sich der Dichter, Liedermacher und Pianist Peter Seidl und der Keyboarder Fritz Pawlick zusammengetan, um unter dem doppelsinnigen Namen "Die Vilstalente" aufzutreten.

Seidl dazu: "Klänge der Heimat ist die Bezeichnung, was mir machen. Was ist aber Heimat? Wir haben einen Heimatminister, der das näher erklärt: Heimat ist da, wo das Handy das W-LAN kennt. Aber meine Heimat geht auch durch den Magen. Heimat ist da, wo es einem am besten schmeckt." Gerade in seinen Texten spiegelt sich die Verbundenheit zu Amberg wider. Sei es bei seinem Großvater, der gerne zum Schießl-Wirt ging, bei seinem musikalischen Versuch, den allbekannten Rucksack- Sepp philosophisch in Erinnerung zu rufen, und bezogen auf Sulzbach, wo es galt, die Geschichte des Seidel-Saals zusammenzufassen.

Für Johann Bauer galt es abschließend zusammenzufassend: "Wir haben heute Amberg und Sulzbach in einer harmonischen Verbindung der Künstler zusammen erleben können." Und dabei hat er festgestellt: "Dialekt ist wieder in."
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