12.06.2017 - 11:52 Uhr
Oberpfalz

Nach Bestätigung des Urteils Häftling will nach Hause

Das Schreiben aus Karlsruhe umfasste nur wenige Zeilen. Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs wies in dem Brief die Revision eines 30 Jahre alten Chinesen zurück und erklärte damit eine Haftstrafe von knapp vier Jahren rechtskräftig.

von Autor HWOProfil

Der verheiratete Asiate, Vater eines Kindes, sitzt seit über einem Jahr im Gefängnis. Polizeibeamte hatten ihn am 24. Mai 2016 festgenommen, nachdem er zunächst mit einer Schere und danach mit einem Küchenbeil gegen einen wie er aus China stammenden Kollegen vorgegangen war. Die Tat ereignete sich in einem Amberger Asia-Lokal, sie erregte Aufsehen. Heuer im Januar wurde dem Täter der Prozess gemacht. Vor dem Schwurgericht lautete die Anklage auf versuchten Totschlag. Bei der zweitägigen Verhandlung stellte sich heraus, dass Meinungsverschiedenheiten zu der Auseinandersetzung im Küchenbereich des Lokals geführt hatten. Das Opfer, ebenso wie der Angeklagte als Spezialitätenkoch beschäftigt, trug zunächst durch den Einsatz einer Schere Kratzer am Hals davon. Kurz danach kehrte der 30-Jährige mit einem Zerlegebeil zurück und versetzte seinem Kontrahenten einen Hieb in den Bauchbereich. Die dadurch entstandene Wunde musste im Klinikum behandelt werden. Sie war nicht lebensgefährlich.

Das von Verteidiger Jörg Jendricke eingebrachte Argument der Notwehr seines Mandanten ließ das Schwurgericht nicht gelten. Es verurteilte den Chinesen zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Allerdings nicht auf der Grundlage eines versuchten Totschlags. Die Richter sahen in den beiden Übergriffen gefährliche Körperverletzungen. In der Begründung hieß es: "Er war der Angreifer."

Unmittelbar nach der Entscheidung legte Anwalt Jendricke das Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) ein. Jetzt, über fünf Monate später, wurde das Urteil vom BGH bestätgt und damit rechtskräftig. Bereits im Prozess hatte Jendricke wiederholt auf die isolierte Situation seines Mandanten in der Amberger Justizvollzugsanstalt aufmerksam gemacht. Es gebe dort niemanden, mit dem er auch nur ein Wort in seiner Landessprache reden könne, ließ der Verteidiger erkennen. Die deutsche Sprache beherrscht der Chinese nicht einmal ansatzweise.

Auf Anfrage teilte Jörg Jendricke mit: "Er hat mich gebeten, etwas für seine Auslieferung nach China zu tun." Dafür will sich der Jurist nun einsetzen.

Er war der Angreifer.Aus der Begründung des Bundesgerichtshofs
Er hat mich gebeten, etwas für seine Auslieferung nach China zu tun.Rechtsanwalt Jörg Jendricke
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