Nach der Zecherei setzt es Schläge
Einstmals beste Freunde

Symbolbild: dpa

"Wie viele Chancen brauchen Sie noch?", fragte die Richterin und gab in ihrem Urteil die Antwort: "Keine mehr." Denn jetzt war Schluss mit dem Langmut der Justiz. Nach einem Dutzend Vorstrafen muss ein 33-Jähriger hinter Gitter.

Sie waren beste Freunde. Bis zum 4. Januar dieses Jahres um 4 Uhr morgens. Die beiden Männer, 27 und 33 Jahre alt, hatten zuvor in einem Lokal gezecht und machten sich am frühen Morgen auf den Heimweg zur Wohnung des 33-Jährigen. "Ich habe ihn die Treppe hinauf geschleppt", erzählte jetzt sein Ex-Kumpel der Amtsrichterin Julia Taubmann. In den Räumen gab es plötzlich Zoff.

Ein Imbiss sollte zubereitet werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Plötzlich herrschten Meinungsverschiedenheiten, die in eine recht einseitige Schlägerei mündeten. Der 27-Jährige (1,2 Promille) bekam heftige Hiebe, er wurde von seinem Peiniger (2,1 Promille) hinunter auf die Straße verfolgt und erhielt auch dort noch einmal, jetzt auf dem Rücken liegend, wuchtige Schläge ins Gesicht. Das unsanfte Intermezzo endete für das Opfer im Klinikum.

Übel zugerichtet, vier Wochen krank geschrieben, Gehirnerschütterung und ein sich später nicht bestätigender Verdacht auf Augenverletzungen. Der 27-Jährige schilderte das Geschehen jetzt in einer fast einstündigen Vernehmung, hörte eine Entschuldigung des Angeklagten ("Tut mir alles extrem leid") und kam dennoch zu der Auffassung, dass er seit der rüden Attacke nichts mehr mit dem Mann zu tun haben wolle.

Ein brutales Vorgehen

Wer nun den Anstoß zu der Keilerei gab, ließ sich angesichts widersprüchlichen Erinnerungen nicht mehr genau klären. Fest aber stand für Staatsanwältin Franziska Wilhelm: "Ein brutales Vorgehen". Dafür verlangte sie angesichts etlicher Vorstrafen acht Monate Haft. Genau da lag dann auch der Knackpunkt. Vornehmlich wegen diverser Drogendelikte vorgeahndet, stand der Beschuldigte unter zweifacher Bewährung. Verteidiger Jürgen Mühl brachte das in seinem Plädoyer zur Sprache, ließ aber andererseits anklingen, dass der Vorfall in einer Wohnung der Innenstadt durchaus mit einer Geldstrafe abgehen könne. Zumal die Hintergründe wegen erheblicher Alkoholisierung beider Beteiligten nicht exakt geklärt werden könnten.

Richterin Taubmann stellte sich an die Seite der Staatsanwältin. Sie schickte den 33-Jährigen trotz guter Prognosen seiner Bewährungshelferin acht Monate ins Gefängnis und fragte: "Wie viele Chancen brauchen Sie denn noch?" Die Antwort gab sie mit ihren Urteil: "Keine mehr." Für den Angeklagten könnte es jetzt dick kommen. Er muss den behördlichen Widerruf beider noch offen stehenden Bewährungsstrafen befürchten. Das würde bedeuten: Ab hinter Gitter für lange Zeit.
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