13.04.2018 - 16:52 Uhr
Oberpfalz

Nach langer Bauzeit endlich eröffnet Löffler: Jura-Werkstätten sind Leuchtturm der Inklusion

Um ein Haar wäre der Freitag, 13. April, zu einem Unglückstag geworden. "Vor sechs Wochen wären wir fast soweit gewesen zu verschieben", gesteht Eduard Freisinger, Vorsitzender der Lebenshilfe, bei der Eröffnungsfeier der neuen Jura-Werkstätten.

Im Lichthof kann entspannt und geplaudert werden. Bilder: Hartl (2)
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

"Aber niemand war sich zu schade mit anzupacken", erzählt er. Und so konnte der Neubau, neben dem alten Gebäude, am Freitag eingeweiht werden. Architekt Michael Flierl, OB Michael Cerny und die anderen Redner betonten stets, wie kostbar diese Investition sei - bereichernd für die Region und die Menschen. Bezirkstagspräsident Franz Löffler nannte die Jura-Werkstätte einen "Leuchtturm der Inklusion". Die wichtigsten Personen an diesem Tag waren aber die Mitarbeiter der Werkstätten. Es sind Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Andersbegabte, wie es Dekan Schötz formulierte.

"Ein Hoch auf uns"

In ihrer Begrüßung hießen die Jura-Mitarbeiter Jasmin Zagad und Oliver Kuhn die Gäste herzlich willkommen. "Drei Jahre haben wir gewartet, jetzt ist es endlich soweit", sagte Kuhn. Und die Freude über den neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt ist ihnen anzusehen. In mehreren kleinen Videobeiträgen erzählen sie, auf was sie sich am meisten freuen: "Mehr Platz zum Kuscheln", "eine größere Werkstatt", "große Fenster" waren die Antworten. Außerdem bereicherten sie die Feier mit Vorführungen der hauseigenen Musikband in der Menschen mit und ohne Behinderung "Ein Hoch auf uns" sangen und spielten. Die Tanzgruppe wirbelte mit bunten Tüchern umher und ließ sogar eine Konfettikanone knallen. Ihre positive Ausstrahlung steckte alle Anwesenden an.

Hohe Anforderungen

Bei Planung und Bau standen die Verantwortlichen vor einer großen Herausforderung: "Die Arbeitsstätten mussten so gegliedert werden, dass jeder seinen Teil beitragen kann", gab Eduard Freisinger zu bedenken. Also auch stärker beeinträchtigte Mitarbeiter. Nicht nur die Räumlichkeiten, auch das Bildungsangebot konnte erweitert werden.

OB Michael Cerny nannte die Entscheidung zum Neubau mutig und wichtig. "Ein Hoch also auf die Lebenshilfe. Macht weiter so, wir brauchen euch."

Ich habe mir sehr viele Gedanken über die Menschen gemacht.Michael Flierl, zuständiger Architekt

Über 9000 m²

Die neue Jura-Werkstätte wurde neben dem alten Gebäude erbaut. Sie integriert Produktionsstandort und Förderstätte. Die starke Hanglage von bis zu fünf Metern Höhenunterschied war nicht ganz unproblematisch. Gemeistert haben es Architekt Flierl und Bauleiter Alexander Kätzlmeier trotzdem. Nach drei Jahren Bauzeit, mit einigen Höhen und Tiefen, entstand auf 9333 Quadratmetern Raum für Bildung und Förderung, eine Küche, Verwaltung und Produktion.

Ein wortwörtliches Highlight in dem modernen, hellen Gebäude ist sicherlich der Lichthof, der in einer Linie zum Speisesaal liegt und zum Verweilen einlädt. Architekt Flierl, der seinen Zivildienst bei der Lebenshilfe Erlangen absolviert hat, hatte zum Ziel den Bau ganz auf die Bedürfnisse der Menschen anzupassen. (anv)

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