10.11.2017 - 22:06 Uhr
Oberpfalz

Naturschutzbehörden gestatten Abschüsse Wenig Biber in Oberpfalz

München/Amberg/Weiden. (jum/dko) Die Biberpopulation in Bayern wächst weiter. Nach Angaben des Umweltministeriums wird der Bestand inzwischen auf gut 20 000 Tiere geschätzt. Genaue regionale Bestandsdaten liegen nicht vor. Rückschlüsse auf die Population in den Regionen Bayerns können aber über die Schadensmeldungen und Tierentnahmen gezogen werden. Demnach liegt die Biberpopulation in der Oberpfalz deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Betroffen sind vor allem die Landkreise Tirschenreuth und Schwandorf, zuletzt verstärkt auch die Landkreise Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach.

von Jürgen UmlauftProfil

Nach der auf Anfrage von SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher veröffentlichten Liste werden auch in der Oberpfalz immer mehr Biber aus der Natur "entnommen". Von 2013 bis 2015 stieg die Zahl von 343 auf 417. Damit entfiel fast ein Drittel aller bayerischen Entnahmen (1435) auf die Oberpfalz. Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht vollständig vor. Die meisten Entnahmen in der Oberpfalz gab es zuletzt in den Landkreisen Cham (122), Regensburg (92), Neustadt/WN (63) und Tirschenreuth (52). Unter einer Entnahme versteht man den von den Naturschutzbehörden angeordneten Abschuss oder das Einfangen der Tiere.

Da der Biber grundsätzlich nicht gejagt werden darf, bedürfen alle Entnahmen einer behördlichen Genehmigung. Zuständig dafür ist die Untere Naturschutzbehörde. Bei der Entnahme sei man inzwischen weniger restriktiv als vor zehn oder fünfzehn Jahren, sagt der Bezirksgeschäftsstellenleiter des Naturschutzverbands Landesbund für Vogelschutz, Christoph Bauer. "Man hat über viele Jahre die Biber in andere europäische Wiederansiedelungsprojekte verteilt, da ist jetzt alles voll." Es gebe mehr Ausnahmegenehmigungen, um die Biber letal zu entnehmen, also abzuschießen. Begründet werden die Entnahmen in erster Linie mit Sicherheitsaspekten, zum Beispiel wenn sich Biber im Bereich von Kläranlagen niederlassen oder durch ihre Bautätigkeit die unfallfreie Bewirtschaftung von Agrarflächen gefährden. Das sei einfach seine Lebensweise, sagt Bauer. "Er gräbt bis zu 30 Meter abseits des Gewässers auch Höhlengänge. Biberburgen stauen das Wasser und es kommt zu lokal begrenzten Überflutungen. Da kommt es zu Konflikten, weil die Felder bis an den Rand des Gewässers bewirtschaftet werden."

Christoph Parzefall, Sprecher des Oberpfälzer Bauernverbands sieht im Biber eine Gefahr: "In der Landwirtschaft hatten wir ja schon oft Einbrüche. Das Fahrzeug sinkt ein, steckt bis zur Achse drin, Maschinen können zu Bruch gehen, das ist auch eine Gefahr für Leib und Leben." Biberröhren oder Dämme könnten Äcker überfluten. Die Bibergefahr betreffe laut Parzefall auch die Teichwirte. "Wenn Teiche unterminiert werden, auslaufen und dadurch die Jahresernte an Karpfen hin ist. Wenn da zwei drei nacheinanderliegende Teiche auslaufen, gehen die Schäden in die Zigtausende." Auch im Wald gebe es Probleme, weil vom Biber gefällte Bäume kreuz und quer herumliegen. Ironisch findet Parzefall, dass der Biber auch neu angelegte Biotope zerstört. Da müssten die Umweltschützer inzwischen Biotop-Bäume einzäunen, um sie vor dem Biber zu schützen.

Kosten durch Biber

Im Regelfall werden Schäden größtenteils aus dem Biberfonds ausgeglichen. In der Oberpfalz schwankten die Ausgleichszahlungen in den vergangenen Jahren zwischen 100 000 und 110 000 Euro, die tatsächlichen Schäden lagen zwischen 130 000 und 160 000 Euro. Bayernweit lag die Schadenssumme zuletzt jeweils zwischen 600 000 und 700 000 Euro. Nach EU-Vorgaben darf der Fonds aber maximal 450 000 Euro als Schadenersatz auszahlen. (jum)

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