Neue Sensationen vom Bürgerspitalgelände
Liegt hier der Schlüssel zur Stadtgeschichte begraben?

Gewaltige Mauern künden von einem gewaltigen Fund. Auf dem Bürgerspitalgelände legten die Archäologen jetzt die Reste einen großen Prunksaals frei. Bilder: Wolfgang Steinbacher (2)
 
Der Schlüssel, oder was von ihm übrig blieb. Er muss jetzt schnell konserviert werden, sonst zerbröselt er in tausend Teile.

Längere Zeit war es jetzt ruhig auf der Grabungsstelle des ehemaligen Bürgerspitalgeländes. Doch nun wartet Archäologe Mathias Hensch mit der nächsten Sensation auf: Direkt neben der Spitalkirche, dort wo früher der Zugang zum Altenheim war, hat er die Überreste eines steinernen Gebäudes gefunden, das bereits um das Jahr 1300 herum abgebrochen worden ist. Und den Schlüssel gleich dazu.

Brandspuren an den Resten der dazugehörigen Tür lassen darauf schließen, dass es um 1300 herum ein Opfer des Brandes geworden ist, der letztendlich 1317 zur Gründung des Spitals an dieser Stelle durch Ludwig den Bayern geführt hat. Es ist auch kein gewöhnlicher Keller, den Hensch und sein Team von Schauhütte da dem Boden entrissen haben. "Es dürfte sich hier um einen repräsentativen Saal handeln, der ein Stück weit in den Boden versenkt gewesen ist. "Das hat man zu dieser Zeit gerne gemacht, um nicht so weit in die Höhe bauen zu müssen", erklärt Mathias Hensch das Vorgehen. Zusätzlich konnte ohne statische Bedenken noch ein weiteres Stockwerk aufgesetzt werden. Die Zeit, von der Hensch spricht, und in der dieser Saal errichtet wurde, liegt im 13. Jahrhundert oder auch deutlich früher.

Aus dem Frühmittelalter?

Wann genau das war, soll eine sogenannte Untersuchung nach der Radiocarbonmethode erhellen (C 14). Denn in der dicken Lehmschicht, welche die Erbauer eigens als Feuchtigkeitsschutz als Boden eingestampft haben, fanden sich auch einige Kohlestückchen. Gelingt es, deren Alter zu bestimmen, dann weiß man auch, wann der Saal errichtet worden ist. Jedenfalls spricht die geringe Mauerstärke von nur drei Schuh (60 Zentimeter) schon mal für ein sehr frühes Datum, wie Mathias Hensch erläutert.

Der Archäologe schätzt die Abmessungen des Raumes auf rund neun mal 18 bis 20 Meter. "Damit nimmt der Herrenhof auf dem Bürgerspitalgelände immer mehr Form an", sagt Hensch. Der stark vermutet, dass hier möglicherweise ein Ministerialer, also Verwalter, der mächtigen Nordgau-Grafen von Sulzbach seinen Sitz gehabt haben könnte. Auf jeden Fall sei eine steinerne Bebauung außerhalb der eigentlichen Siedlung schon sehr selten. "Es ist als eine Art Abgrenzung von der eigentlichen Siedlung zu verstehen."

Der Schlüssel zur Tür

Am Dienstag folgte dann die nächste Überraschung: Das Team fand im Abgang zum Saal den Schlüssel für die Türe. Ein stolzes Exemplar aus Eisen, das in zwei Teile zerbrochen ist. Zusätzlich kamen auch noch Reste der Türbeschläge samt Holz zutage. Und noch etwas schlummert im Boden direkt an der Grenze zur Bahnhofstraße. Dort liegt wohl tief unten in der Erde ein Skelett. Für das Bürgerspitalgelände ist das erst einmal nichts Überraschendes, nachdem Hensch zuletzt Hunderte von Toten hier ausgegraben hat. Doch dieses Grab hat einige Besonderheiten, wie Hensch andeutet. So liegt es deutlich tiefer als der spätmittelalterliche Pestfriedhof, mit dem er es bisher zu tun hatte. Das lässt vermuten, dass hier der eigentliche, der ältere Teil, des Gräberfeldes anschließt und sich bis in die Bahnhofstraße zieht - was für die Grabungen im Zuge der Tiefgarageneinfahrt wohl noch einiges erwarten lässt.

Zusätzlich ist um das Skelett herum nur reiner Sand zu finden, was ebenfalls für eine sehr frühe Bestattung spricht. Möglicherweise liegt also hier der Schlüssel für die frühe Besiedlung des Bürgerspital-Areals im Boden der Stadt.
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