Neuer Bereitschaftsleiter der Bergwacht - Nur Homepage gibt Auskunft
Abgelöst ganz ohne Handschlag

Symbolbild: Patrick Seeger/dpa

Die Amberger Bergwacht hat einen neuen Bereitschaftsleiter. Das geht aus ihrer Homepage hervor. Nicht aber, weshalb. Derjenige, der es wissen müsste, sagt aber, dass er von nichts weiß.

Hinter verschlossenen Türen wählte die Amberger Bergwacht bereits am 10. Oktober einen neuen Bereitschaftsleiter. Auf Anfrage bestätigte das in dürren Worten der neue Mann an der Spitze der Bergretter, Johannes Potzel. Er löste Hubert Sperber ab, der erst im März von den Mitgliedern bei seiner ersten Wiederwahl einstimmig für weitere vier Jahre als Bereitschaftsleiter bestätigt worden war. Ende August kamen dann finanzielle Unregelmäßigkeiten ans Licht. Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier bestätigte damals gegenüber der AZ Ermittlungen gegen "zwei Männer" (www.onetz.de/776408). Es gehe um einen Betrag in der Größenordnung von rund 20 000 Euro. Näher wollte sich Strohmeier zu diesem Zeitpunkt nicht äußern, merkte jedoch an: "Einer der Beschuldigten ist geständig und hat 15 000 Euro zurückgezahlt."

Interne Revision

Im September erklärte die Bergwacht Bayern, "ein Disziplinarverfahren gegen die verantwortlichen Personen eingeleitet und eine strafrechtliche Überprüfung in die Wege geleitet" zu haben. Zum damaligen Zeitpunkt sei "der ursprüngliche finanzielle Schaden (...) von den betroffenen Personen wieder ausgeglichen" worden. Die Unregelmäßigkeiten waren bei der routinemäßigen Überprüfung eines Jahresabschlusses der Amberger Bergretter aufgefallen. Auch nach seiner endgültigen Ablösung als Bereitschaftsleiter beharrt Sperber, der zudem den Posten des Regionalleiters Frankenjura abgeben musste, darauf, lediglich die Verantwortung für eventuelle Versäumnisse übernommen zu haben. "Es hat ein Kamerad einen Fehler gemacht, das hat nichts mit mir zu tun", bekräftigte er nicht nur einmal gegenüber der AZ. Zudem sei er noch nie von Ermittlungsbeamten zu den im Raum stehenden Vorwürfen oder gar als Beschuldigter vernommen worden. Er wisse deshalb nicht, was ihm konkret angelastet werden solle.

Aussage verweigert

Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier möchte das nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Einer der beiden Verdächtigen habe die Tat gegenüber der Polizei eingeräumt, und der andere schon im August über seinen Anwalt mitteilen lassen, dass er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch mache. Die Amberger Bergwacht selbst hält sich bedeckt. Die Neuwahl am 10. Oktober begründet Potzel mit der Satzung, die lediglich eine sechsmonatige Vakanz der Bereitschaftsleitung zulasse. Außerdem sehe die "Wahlordnung des BRK", dem die Bergwacht angehört, "eine öffentliche Einladung (...) nicht vor".

Die Amberger Bergwacht verfügt laut ihrer Homepage derzeit über 57 Mitglieder, 14 werden als inaktive, 25 als aktive Einsatzkräfte geführt. Die rund 24-köpfige Jugendgruppe stellt zehn der insgesamt 18 Anwärter für den aktiven Bergrettungsdienst und nimmt damit einen Spitzenplatz in Bayern ein. Der jetzige neue Bereitschaftsleiter war zuvor Stellvertreter.
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