24.08.2017 - 12:04 Uhr
Oberpfalz

Neuer Pfarrer für St. Martin im Interview In Pfarrer Meilers Fußstapfen

Der junge Mann hat eine riesige Herausforderung zu bestehen, trotzdem lächelt er: "Ich freue mich auf das, was kommt. Thomas Helm leitet ab September die Pfarrei St. Martin in Amberg und tritt in große Fußstapfen.

Hier ist künftig sein neuer Wirkungsort: Pfarrer Thomas Helm in der Basilika St. Martin. Bild: Hartl
von Uli Piehler Kontakt Profil

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt der in Sulzbach-Rosenberg geborene Geistliche, was ihn antreibt und wo er Schwerpunkte setzen will.

Herr Pfarrer, Amberg ist Ihnen ja nicht ganz unbekannt. Was verbinden Sie mit der Stadt?

Pfarrer Thomas Helm: Einen großen Teil meiner Kindheit. Meine Großeltern haben in Amberg am Paradeplatz gewohnt. Ich war als kleiner Bub oft hier und bin mit meiner Großmutter immer rüber in die Martinskirche zur Vorabendmesse gegangen. Geboren und aufgewachsen bin ich aber in Sulzbach-Rosenberg. Klar, dass ich da immer auch in Amberg unterwegs war. In meiner Jugend habe ich viele Abende in der Altstadt verbracht. Wir sind oft ins Killy Willy oder zum Schloderer gegangen.

Warum wollten Sie Priester werden? Gab es da so etwas wie ein Schlüsselerlebnis?

Nein. Bei mir war es so, dass der Wunsch, Priester zu werden, ziemlich früh klar war. So etwa ab der 8. Klasse am Herzog-Christian-August-Gymnasium habe ich dieses Vorhaben zielstrebig verfolgt. Klar gab es auf dem Weg zur Priesterweihe auch Höhen und Tiefen. Ich habe mich natürlich immer wieder gefragt, ob das das Richtige für mich ist. Aber die Antwort war jedes Mal klar.

Zuletzt waren Sie Diözesanjugendpfarrer und haben das Bischöfliche Jugendamt geleitet. Woher kommt ihr Faible für die Jugendarbeit?

Aus meiner Ministrantenzeit in der Pfarrei St. Marien in Sulzbach. Wir waren eine sehr aktive Gruppe mit damals mehr als 100 Ministranten. Ich habe mich schon früh in der Jugendarbeit engagiert und war dann auch schon früh in der Verantwortung. Und als Kaplan durfte ich mich dann weiter um die Jugend kümmern. Das hat mir immer viel Freude gemacht und ist, glaube ich, eine meiner Stärken.

Wird sich das auch in der Stadtpfarrei St. Martin bemerkbar machen?

Ganz bestimmt. Die Jugendarbeit liegt mir nach wie vor sehr am Herzen. Ich hatte bereits sehr nette Begegnungen mit den KJG-Gruppen in der Pfarrei. Ich war bei ihnen im Zeltlager und habe den Zeltlagergottesdienst gefeiert. Und in St. Martin gibt es ja auch 30 Ministranten. Da, glaube ich, ist sogar noch Luft nach oben.

Wenn Sie zum Beispiel an die große Turmbaustelle denken, wird Ihnen da nicht ein bisschen Angst vor der Aufgabe, die auf sich zukommt?

St. Martin in Amberg ist tatsächlich eine sehr große, renommierte Pfarrei. Ich trete in große Fußstapfen. Da habe ich natürlich eine Portion Respekt. Aber ich habe ja auch schon das Bischöfliche Jugendamt geleitet und dort viele Erfahrungen in Personalführung und Finanzverwaltung gesammelt. Ich glaube, das bekomme ich schon hin.

Welche Schwerpunkte möchten Sie bei Ihrer Arbeit in der Pfarrei St. Martin setzen?

Wenn man sieht, wie viele Leute tagsüber die Basilika besuchen, kann ich mir gut vorstellen, mit neuen Angeboten auf die Menschen zuzugehen. Amberg hat viel Potenzial für eine City-Pastoral, so wie sie in größeren Städten praktiziert wird. Das könnten regelmäßige Gedanken zum Alltag in der Kirche sein, eine Nacht der Lichter oder ein Taize-Gebet. Da fällt uns sicher was ein. Sicher werden wir auch versuchen, die jungen Leute und die eher Fernstehenden dort abzuholen, wo sie sind. Das kann auch in sozialen Medien sein.

Seit wann sind Sie schon auf Facebook und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich bin schon seit sieben Jahren dabei. Als Jugendpfarrer persönlich und auch als Vertreter verschiedener Institutionen, wie zum Beispiel des Bischöflichen Jugendamtes. Wir nutzen das Internet nicht nur für eine effizientere Kommunikation, sondern auch für die Bewerbung unserer Angebote. Und natürlich versenden wir auch spirituelle Impulse für den Alltag. Kirche muss dort präsent sein, wo auch die Menschen sind. Das schließt auch Social Media mit ein.

Wann geht es los? Wie sehen Ihre ersten Arbeitstage in Amberg aus?

Ich werde am 3. und 4. September von Regensburg nach Amberg umziehen. Zunächst in die ehemalige Hausmeisterwohnung im Pfarrheim von St. Martin. Das Pfarrhaus in der Rathausstraße muss in den nächsten Jahren dringend saniert werden. Das wird nach der Turmsanierung eines unserer nächsten großen Bauprojekte sein. Am Sonntag, 10. September, werde ich die erste Messe in der Martinskirche feiern. Darüber hinaus stehen an den ersten Tagen einige Antrittsbesuche und auch schon verschiedene Termine an.

Bewirbt man sich um die Stelle des Pfarrers von St. Martin oder wird man dazu auserkoren?

Normalerweise werden die Pfarrstellen im Bistum ausgeschrieben. Wer Interesse hat, kann sich dann auf den einen oder anderen Wirkungsort bewerben. Im Fall St. Martin Amberg war es so, dass beim Tod von Stadtpfarrer Franz Meiler die reguläre Neuausschreibung der Pfarrstellen schon vorbei war. Da ist der Generalvikar auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann und mir das zutraue. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und dann freudig zugesagt.

Sicher haben Sie auch Pfarrer Franz Meiler gekannt. Wie haben Sie ihn in Erinnerung?

Pfarrer Franz Meiler war ein wunderbarer Mensch, der im ganzen Bistum bekannt und hoch geschätzt war. Ich erinnere mich an sehr warmherzige Begegnungen mit ihm. An die diözesane Eröffnung der Sternsingeraktion vor drei Jahren, die wir damals in St. Martin feiern wollten, dann aber wegen seiner Krebserkrankung kurzfristig nach St. Georg verlegen mussten. Oder an einen Frühlingstag in Regensburg, an dem ich ihn zufällig in einem Cafe sitzen sah. Er hat mich hergefunden. Ich habe mich dazugesetzt und wir haben uns sehr nett unterhalten.

Sie fangen neu an, die meisten Amberger kennen Sie nicht. Mit welchen Worten wollen Sie die Amberger in ihre Gottesdienste einladen?

Liebe Amberger, kommen Sie in die Martinskirche. Ich lade Sie ganz herzlich ein. Sie treffen dort auf einen jungen Pfarrer, der mit Leib uns Seele Seelsorger ist, der der Welt zugewandt, offen ist für Neues und ein offenes Ohr hat. Und der sich freut, mit vielen Ehrenamtlichen gemeinsam Kirche zu gestalten.

Lebenslauf

Sulzbach-Rosenberg geboren. Er besuchte das Herzog-Christian-August-Gymnasium und studierte ab 1999 Theologie in Regensburg und Rom. In den Jahren 2004 und 2005 war er Diakon in Neustadt an der Donau. 2005 weihte ihn der damalige Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller in Regensburg zum Priester. Nach Kaplanstellen in Regensburg St. Wolfgang und Deggendorf Mariä Himmelfahrt wurde Helm 2010 zum Diözesanjugendpfarrer berufen. Damit war er Chef des Bischöflichen Jugendamtes und Präses des Bundes der deutschen katholischen Jugend im Bistum. Seit 2013 war er als Domvikar zusätzlich für liturgische Dienste im Dom zuständig, daneben half er als Priester in der Pfarrei Niedermünster aus. Als Diözesanjugendpfarrer lag die Organisation der Ministrantenwallfahrt nach Rom in seinen Händen. Dabei brachen zuletzt im August 2014 rund 5000 Messdiener aus der Diözese Regensburg in 100 Bussen Richtung Vatikan auf. (upl)

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