01.11.2017 - 11:10 Uhr
Oberpfalz

Neues aus der Schauhütte Archäologie Die ältesten Gräber Ambergs und seltsame Bestattungen

von Andrea Mußemann Kontakt Profil

 Es sind mittlerweile wohl rund 400 Individuen, die Archäologe Mathias Hensch und sein Team auf dem Bürgerspital-Areal ausgegraben und dokumentiert haben. Derzeit untersuchen die Experten die ältesten Gräber des spätmittelalterlichen Friedhofs.

Die Archäologen sind sechs Meter nördlich der Kirche zugange. "Hier gibt es auffallend viele Gräber, in denen die Toten in von der Norm abweichenden Körperpositionen beigesetzt wurden", sagte Hensch. Darunter seien Seiten- und Hockerstellungen, Bauchlagen sowie Tote, die man zu kleinen Bündeln zusammengeschnürt hat.

Bei einer Dame wurden beispielsweise die Beine so stark nach oben gebogen, das die Oberschenkelköpfe aus den Gelenkpfannen des Beckens luxiert wurden. "Wahrscheinlich handelte es sich hier erneut um den Wiedergängerglauben: Durch das Einschnüren und Fesseln wollte man möglicherweise verhindern, dass die Verstorbene aus dem Grab heraussteigt und den Lebenden Schaden zufügen kann", so Hensch.

Bei den Bestatteten in Bauchlage spekulierten die Amberger des Mittelalters, dass sich die Verstorbenen - sofern sie wieder zurück kommen würden - nach unten, also in Richtung Hölle buddeln würden. Diese Bestattungen stehen vermutlich in Zusammenhang mit der großen Pest von 1349/50. Mit der Freilegung der neunten Skelettlage sind die Experten zwar am Ende der Gräberschichten, aber noch nicht am Ende der Archäologie angelangt. Unter den Toten liegen vermutlich noch weitere Reste des Königshofes - der abgebrannt war und den König Ludwig dem Bayer nicht mehr aufwendig aufbauen wollte. Er überließ das Areal der Stadt Amberg, so dass dort ab 1319 das Bürgerspital entstehen konnte. Hinweise gab es darauf schon an anderer Stelle. Jetzt wurden aber auch hinter der Spitalkirche "auffallend viele Kupfertröpfchen" im Erdreich gefunden. Sie könnten ein Hinweis auf Applikationen, Fähnchen oder Verblendungen am Dach eines herrschaftlichen Gebäudes sein. Auffällig viele Überreste aus der Eisenverhüttung im Erdreich gaben den Anlass zu weiteren Überlegungen: "Vielleicht wurde an dieser Stelle des Königshofes der Erz-Zehnt eingelagert." Aufschluss werden weitere Grabungen in die Tiefe bringen.

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