02.02.2018 - 10:52 Uhr

Neues von der Schauhütte.com Hirsch oder Selters

Ein barocker Hirsch und eine zerbrochene Seltersflasche - die Ausgrabung auf dem Bürgerspitalgelände dreht sich ausnahmsweise einmal nicht um Knochen. Nutzlos gewordene Alltagsgegenstände sind es, die in einem alten Keller liegen.

Klein, aber fein gearbeitet ist der Hirsch aus Horn.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Amberg. (ass) Zunächst aber zum röhrenden Hirschen, dem leider die Beine und das Geweih fehlen. Zoltán Botha vom Ausgrabungsteam um Mathias Hensch hat ihn in einem Keller neben der Spitalkirche entdeckt, der wohl im späten 18. Jahrhundert zugeschüttet worden ist. Er ist nur wenige Zentimeter groß und aus Horn geschnitzt. Der Hirsch stammt wohl aus der Zeit, als der Keller verfüllt worden ist, also dem späten Barock. Für ein Spielzeug, so Mathias Hensch ist das Stück deutlich zu klein, außerdem ist die Rückseite abgeflacht. "Möglicherweise war er Teil einer größeren Darstellungsszene, die vielleicht ein Möbel, ein Kästchen oder auch eine Uhr geschmückt haben könnte", vermutet der Archäologe und bittet um Hinweise, welchen Zweck der Hirsch einst gehabt haben könnte.

Flaschen aus Ton

Offenbar haben unsere Vorfahren den Keller damals mit allem zugefüllt, was sie nicht mehr brauchten. Beispielsweise die Scherben von sogenannten Seltersflaschen aus Ton. Mineralwasser, so erklärt das der Experte, wurde bereits im 16. Jahrhundert in Flaschen gehandelt, ab dem 18. Jahrhundert waren diese aus Steinzeug. Ab dem 18. Jahrhundert wurde es auch üblich, diese Flaschen mit einem Herstellungsstempel zu kennzeichnen, der zugleich den Flascheninhalt bezeichnete.

"Das waren damals übrigens Einwegflaschen", sagt Mathias Hensch. Massenware, die nach dem Ausleeren anderweitig verwendet und irgendwann weggeworfen wurden. Vom 18. bis in das 20. Jahrhundert stand der Name "Selters" - ein kleiner Ort im Westerwald - als Synonym für Mineral- und Heilwasser. Noch heute wird Mineralwasser im Volksmund oftmals als "Selterswasser" bezeichnet.

Das "Selters", das in der Flasche abgefüllt war, deren Scherbe die Archäologen gefunden haben, stammte aus Kur-Trier, worauf der Stempel CT schließen lässt. Also aus der Moselregion zwischen Trier und Koblenz. Darunter findet sich dann noch ein deutlich lesbares "R". Hier war früher sehr wahrscheinlich zu lesen, wo genau das Mineralwasser in die Flaschen abgefüllt wurde. Über die Herkunft der Flaschen besteht laut Hensch hingegen kaum Zweifel. Sie wurden zur damaligen Zeit in großen Mengen im Westerwald gefertigt und von dort aus ins relativ nahe gelegene Kur-Trier geliefert. Erstaunlich aber, dass die vollen Flaschen dann über die weite Strecke nach Amberg gekommen sind. Möglicherweise transportierte man sie zunächst via Mosel, Rhein und Main ins Fränkische, bevor sie auf Wagen oder anderen Transportmöglichkeiten ihr Ziel erreichten.

Passt thematisch genau

Der Fund passt laut Hensch zum damaligen Bürgerspital. Denn Mineralwasser sei zu dieser Zeit vor allem dazu verwendet worden, Heilung oder Linderung mannigfaltiger Beschwerden zu erreichen.

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