30.03.2017 - 14:02 Uhr
Oberpfalz

Noch keine Lösung gegen Wildverbiss im Waldfriedhof Das Reh frisst munter weiter

"Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, wieso auch nicht, es hat ja Zeit." Das wusste schon Heinz Erhardt. Im Waldfriedhof kommt noch das Interesse des Tieres für frische Pflanzen hinzu. Dort fressen Rehe nach wie vor täglich frisch bepflanzte Gräber kahl. Und die Tiere führten jetzt einen Besucher prompt zum "Nebeneingang": Der Zaun ist niedergedrückt, und das Schalenwild spaziert hier ein und aus.

Der Markierungsstab steht vor einem offenen Tor in der Umzäunung - es sollte eigentlich zu sein.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die Stadt hatte nach dem Bericht vom 17. März eigentlich versprochen, das zu reparieren. Doch bis jetzt hat sich noch nichts getan. "Wir haben auf dem Waldfriedhof ein Grab, dessen Bepflanzung in den letzten Wochen mehrfach von Rehen leergefressen wurde", berichtet Dr. Reinhard Schwarz unserer Zeitung. Obwohl diese Tatsache der Stadt Amberg seit recht langer Zeit bekannt sei, durch Anrufe und auch den Artikel in der AZ, habe sich keine Besserung eingestellt, moniert er. Die Bepflanzung diene immer noch sehr stark als Futter für die Wildtiere. "Ich habe deshalb am Sonntag Vormittag den Waldfriedhof aufgesucht, um mir einen persönlichen Eindruck von dem Problem zu verschaffen", schildert Schwarz - mit Ortskunde könne man zielgerechter kritisieren, was leider auch notwendig sei.

"Bei diesem Besuch habe ich ein Reh bei der Nahrungsaufnahme im Friedhof gestört (die Tierschützer mögen mir dies nachsehen), und der Fluchtweg des Rehs führte mich auch an eine bzw. die Problemstelle." Der Besucher machte von der Stelle einige Fotos, die er uns überließ.

"Der Markierungspfahl dort zeigt mir, dass der Stadt Amberg die Stelle bekannt ist, jedoch habe ich kein Verständnis dafür, dass diese Lücke noch nicht geschlossen wurde", moniert Reinhard Schwarz. Eine Tür könne man verschließen, und der herunterhängende Zaum ließe sich mit etwas Draht befestigen - zumindest würde dies ein "normaler" Hauseigentümer tun, wenn sich der Zaun auf seinem Grundstück in diesem Zustand befände.

Und die Handwerker des Bauhofes würden mit Sicherheit über das notwendige Geschick und Material verfügen, dies in kurzer Zeit zu erledigen, ist sich der Beschwerdeführer sicher. "Daher kann ich nicht nachvollziehen, warum dieses (lange bekannte) Defizit bei der Umzäunung nicht beseitigt wurde, denn einen großen Planungsaufwand benötigt man dazu nicht!"

Reaktionen

Die Stadt bzw. das Friedhofsamt nahm inzwischen Stellung zu den Vorfällen. Bereits vor dem Pressebericht habe das Amt verschiedene Maßnahmen gegen den Wildverbiss ergriffen, nämlich die umgestürzten Bäume beseitigt und die Besucher gebeten, die Zugänge geschlossen zu halten. Eine ständige Überwachung dieser Maßnahme sei aber personell nicht darstellbar, hieß es. Mit den städtischen Forstbehörden werde in den nächsten Tagen eine umfassende Zaunsanierung in Angriff genommen. Die Förster meinten übrigens, "dass das Eindringen der Rehe in den Friedhof nicht zwingend über die beschädigten Zaunstellen erfolgt". Der Betriebshof, so das Friedhofsamt weiter, wurde mit der Bitte um Prüfung von kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen eingeschaltet. Inzwischen sei über den Umfang der Reparaturarbeiten bzw. der Neuerrichtung des Zauns entschieden. Es liege also keinesfalls Untätigkeit vor, sondern den Interessen der Grabnutzungsberechtigten werde im Rahmen der Möglichkeiten best- und schnellstmöglich Rechnung getragen. Dr. Reinhard Schwarz hat dazu einige Anmerkungen parat: Die abgebildete offenstehende Tür diene wohl den Arbeitern und werde nicht von Besuchern genutzt. "Sie müsste nach Ende der Arbeiten halt wieder verschlossen werden." Montagabend sei sie noch offen gestanden. Eine aufwendige Sanierung oder Neuerrichtung sei nicht nötig. Die Befestigung des vorhandenen Zaunes an den ebenfalls vorhandenen Säulen könnte mit geringem Aufwand erfolgen. "Ob an anderen Stellen der Anlage Sanierungsarbeiten erforderlich sind, kann und will ich nicht einschätzen. Aber die aufgezeigte Lücke bietet den Wildtieren einen bequemen Zugang zur Nahrungsquelle auf den Gräbern. Sie wäre mit wenig Aufwand verschließbar", sagt Schwarz. Diese Woche sollen Gegenmaßnahmen erfolgen. Vielleicht wäre ein automatischer Türschließer am Haupttor, wie schon angedacht, eine Option. (ge)

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