26.01.2018 - 15:22 Uhr
Oberpfalz

Polizeistreife will es ganz genau wissen Filzstift in die Vils geworfen

Gut, dass es strebsame Ordnungshüter gibt. Ansonsten wäre dieser Fall von Gewässerverschmutzung und parallel dazu entdeckter gemeinschädlicher Sachbeschädigung wohl nie aufgedeckt worden.

von Autor HOUProfil

 Es war, wie Protokolle auswiesen, um 20.05 Uhr an einem Augustabend vergangenen Jahres. Zwei Polizisten fuhren Streife und sie sahen, wie jemand von einer Brücke am Pfalzgrafenring einen Gegenstand in die Vils warf. Das bis dahin unbekannte Ding versank pfeilschnell im Fluss. Da musste eingeschritten werden.

Die Uniformierten stiegen aus, sahen sich einem 23-Jährigen gegenüber und erfuhren, dass er soeben einen Filzstift versenkt habe. Der Frevel wurde unverzüglich von einem der Beamten gerügt und sogleich mit einem Ordnungsgeld belegt. Das bezahlte der Sünder aus seiner Geldbörse. Der Kollege des Polizisten begab sich parallel dazu auf eine Suche, die der Frage diente, ob denn nun mit diesem "Edding" genannten Schreibgerät womöglich noch ein anderer zu tadelnder Vorwurf begangen worden sei.

Beschmierte Bank

Die Fahndung im nahen Park war erfolgreich. Denn der Mann, als "amtsbekannt" jetzt vor der Richterin Julia Taubmann beschrieben, hatte doch tatsächlich eine Bank mit eher undefinierbaren Zeichen und einer Krone verunziert. 75 Zentimeter breit und später vom Inhalt der Botschaft her eher nicht verifizierbar. Das mochte kaum weiter verwundern. Denn der 23-Jährige hatte sich nach dem Genuss einer Flasche Wodka zu einem Spaziergang an die Vils begeben. Die Ordnungshüter unterzogen sich größerer Mühen. Sie schrieben angesichts eines auf 200 Euro taxierten Schadens eine Anzeige wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung.

Außerdem informierten sie die Stadt in deren Eigenschaft als Eigentümer der hölzernen Sitzgelegenheit und gaben auch noch dem Wasserwirtschaftsamt Nachricht. Da hätte ja sonst was passieren können. "Was ist denn nun mit dem Stift in der Vils geworden?", fragte die Richterin den sachbeabeitenden Ordnungshüter. Er wusste es nicht und es musste offen bleiben, ob nach dem "Edding" im Schlamm der Vils gesucht wurde. Waren vielleicht gar Taucher im Einsatz? Welche Wasserverunreinigungen hat dieser Filzstift ausgelöst?

Durchaus brenzlig

Über dem seine Missetaten sofort zugebenden Arbeiter schwebte derweil das Damoklesschwert des Einsperrens. Denn nur wenige Tage vor dem seltsamen Intermezzo am Fluss hatte er 18 Wochen Haft auf Bewährung wegen einer Drogensache kassiert. Peinlich für ihn, der nun wortreich und gleichzeitig auch mit Reue darlegte, dass es weit besser sei, Wasser zu trinken als Alkohol. Wobei man ja wusste: Der Teufel hat den Schnaps gemacht.

Für das Graffito auf der Parkbank und damit eine der Allgemeinheit abträgliche Sachbeschädigung verlangte Staatsanwältin Julia Weigl eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die Richterin beließ es bei 70 Tagessätzen, was immerhin noch 1050 Euro entsprach. Dann folgte ein fast schon herrlich süffisanter Satz der Vorsitzenden. Er lautete: "Zur besten Tagesschauzeit begehen Sie Straftaten. Anstatt sich zu bilden." Doch diese Fortbildung am aktuellen Geschehen wäre dem jungen Mann angesichts von 0,7 Litern Schnaps wohl etwas schwer gefallen.

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