27.02.2018 - 17:50 Uhr

Prozess am Landgericht geht weiter Bewährung für Raubüberfall?

Es ist, wie wenn jemand mit dem Netz in trüben Gewässern fischt. Wieso fahren zwei Männer aus dem Raum Weiden nach Amberg, um ein junges Paar in dessen Haus zu überfallen? Wer animierte sie dazu und welche Geldbeute war zu erwarten?

von Autor HWOProfil

Es ist ein Prozess, der seinesgleichen sucht. Allein schon deshalb: Unterdessen hat es vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts das dritte sogenannte Rechtsgespräch gegeben. Stunden hinter verschlossenen Türen und so gut wie keine Ergebnisse. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die beiden mutmaßlichen Räuber aus dem Kreis Neustadt/Waldnaab, 28 und 40 Jahre alt, Geständnisse ablegen. Müssen die beiden Männer das wirklich? Nach einem Überfall am Morgen des 5. Mai vergangenen Jahres im Dreifaltigkeitsviertel wurden sie gleichsam auf frischer Tat festgenommen. Der 28-Jährige vor dem Reihenhaus, in dem das Verbrechen geschah. Sein Komplize wenige Minuten später von zwei Funkstreifenbeamten. Am zweiten Verhandlungstag hat die Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber eine Reihe von Zeugen vernommen, die unmittelbar mitbekamen, was sich an diesem Frühlingstag im vergangenen Jahr zutrug.

Nachbarn sahen, wie eine 25-Jährige gefesselt aus einem Auto kroch und sich wimmernd auf die Straße robbte. Einer von ihnen bemerkte, dass Räuber in das Reihenhaus der 25-Jährigen vorgedrungen waren und offenbar deren noch schlafenden Lebensgefährten (27) malträtierten. Noch während Notrufe abgesetzt wurden, rannten die mit Sturmhauben vermummten Täter ins Freie. Daraus ergab sich eine skurrile Situation:

Der 27-Jährige hatte sich seiner per Kabelbinder angelegten Fessel entledigt, spurtete in Unterhosen den schwarz gekleideten Räubern hinterher. Zwei Bauarbeiter hörten seine Hilferufe und fixierten zusammen mit ihm einen der Männer. Der zweite kam noch bis zu einer Grünanlage an der Jahnstraße. Dann war auch für ihn Endstation.

Die Hintergründe für den Coup, bei dem sich die Urheber allem Anschein nach eine größere Menge Bargeld erhofft und sie vergebens von den Opfer gefordert hatten, sind äußerst nebulös. In Zeugenvernehmungen ist unterdessen wiederholt das Wort "Drogengeschäfte" gefallen. Zusammenhänge solcher Art hatte das überfallene Paar am ersten Prozesstag entschieden und mit Nachdruck von sich gewiesen. Doch irgendwie schien sich im Umfeld der Leute der Eindruck verfestigt zu haben, es gebe größere Geldvorräte in dem Haus. Das geschah wohl durch einen zwischenzeitlich nicht mehr lebenden Mann, der Kontakte zu dem Paar unterhielt und Gespräche zu anderen im Raum Weiden suchte. Dabei soll von "Einbruch" und von "70 000 Euro"die Rede gewesen sein.

Auch das dritte Rechtsgespräch zwischen der Kammer, den Verteidigern und der Staatsanwältin endete am Dienstag ohne Ergebnis. Deutlich wurde: Die Anklagevertreterin beharrt auf mindestens viereinhalb Jahren Haft. Die Kammer wollte ohne Geständnisse keine Einschätzung abgeben. Die Anwälte hätten gerne eine Bewährungsstrafe für ihre Mandanten. Doch das ist kaum vorstellbar. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 28. Februar, fortgesetzt.

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