Prozess-Auftakt in Amberg
Beil-Attacke im Asia-Lokal

Es geschah hinter den Kulissen. Vorne üppiges Büfett, ein paar Meter weiter die zielorientierte Arbeit des Personals in einem Amberger Asia-Lokal. Einem der Mitarbeiter wirft der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch jetzt vor, mit einem einen Kollegen angegriffen zu haben.

Manchmal schmunzeln sowohl die Richter als auch Beobachter des Prozesses. Das liegt daran: Die chinesische Sprache klingt für deutsche Ohren monoton und sie ist ungewohnt. Zumal in einem Sitzungssaal der Justiz.

Natürlich sind Dolmetscher da. Doch sie haben Mühe, all das wortgetreu zu übersetzen, was sich an Gegensätzen ergibt. Der Mann, den sie auf die Anklagebank geholt haben, ist aus China. Das Opfer auch. Beide waren Arbeitskollegen, alle zwei kochten mit Arbeitserlaubnis für die Gäste.

Die Männer aus Fernost konnten sich wohl nicht leiden. Schon früher soll es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Am 24. Mai vergangen Jahres eskalierten sie. Die Küchengehilfen, spezialisiert auf asiatische Spezialitäten, gerieten aneinander. Nun äußert ein auf die Anklagebank des Schwurgerichts geholter 29-Jähriger über seinen Verteidiger Jörg Jendricke, er habe keineswegs in Tötungsabsicht gehandelt und sich eigentlich nur gewehrt, als er mit seinem Kollegen aneinander geriet.

Zuerst mit der Schere

Der Mittagstisch war fast abgeräumt, als am 24. Mai 2016 gegen 14.20 Uhr die beiden Asiaten mit vorbereitenden Tätigkeiten für das abendliche Büfett beschäftigt waren. Gemüse wurde geschält, auch sonst gab es einiges zu tun. Plötzlich eskalierte die Lage in der Küche. Der 29-Jährige machte seinem Kollegen (37) Vorwürfe, es gab ein erstes Handgemenge. Dabei wurde eine Schere als Waffe eingesetzt. Der 37-Jährige wehrte die Attacke ab, erlitt aber eine Kratzwunde.

Der Streit ging weiter. Der Angreifer verschwand im Kühlraum und kehrte mit einem Zerlegebeil zurück. Sekunden später kam es draußen im Vorbereich zu einem erneuten Aufeinandertreffen der Kontrahenten. Diesmal allerdings waren zwei weitere Bedienstete des Lokals da, eilten dem Bedrängten zu Hilfe. Sie griffen nach dessen Hand. Doch dem 29-Jährigen gelang trotzdem ein Hieb. Er traf den 37-Jährigen am Bauch und verursachte eine lange Schnittwunde. Sie wurde später im Klinikum genäht. Kein Krankenhausaufenthalt, zwei Wochen lang Schmerzen.

Dem Schwurgericht unter Vorsitz von Roswitha Stöber stellt sich nun die Frage: Handelte der aus dem chinesischen Distrikt Shandong stammende Familienvater in Tötungsabsicht? Er soll vorher etwas von "Umbringen" und "Ich schlitz' dich auf" geäußert haben. Bei der Polizei stand das später in den Unterlagen. Doch jetzt im Prozess will sich keiner so recht daran erinnern. Auch nicht das Opfer. Der Mann arbeitet unterdessen im westfälischen Bocholt.

Widersprüchliche Aussagen

Widersprüche begleiten die Beweisaufnahme. Der mutmaßliche Täter sagt, er habe sich vom Kollegen bedroht gefühlt. Der attackierte 37-Jährige hat den Richtern übersetzen lassen, dass er eigentlich erst ganz zum Schluss mit der Hand zuschlug und den Angreifer im Gesicht traf. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.
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