Prozess gegen Hauptfeldwebel
Fahrlehrer verbal neben der Spur

Ihn interessierten BH-Größen und sexuelle Vorlieben seiner Schülerinnen offenbar mehr als grüne Ampeln und Stoppschilder. Mit seinen Bemerkungen ist nun ein Fahrlehrer der Bundeswehr voll in die Einbahnstraße geraten. Dort konnte er trotz Gegensteuerns nicht wenden.

Sie saßen neben und hinter ihm im Fahrschulwagen. Wenn der Hauptfeldwebel (sein vorgesetzter Hauptmann: "Ein als hervorragend geltender Ausbilder") aus der Kümmersbrucker Kaserne zu seinen Runden durch Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach startete, war ihm offensichtlich daran gelegen, mit jungen Soldatinnen mehr als nur über den Straßenverkehr und dessen Tücken zu reden. Vor einer Amberger Richterin bezeichnete er sich nun als Mann, der den saloppen Umgangston pflege und wohl nicht jedes Wort auf die Goldwaage lege. "Manches stimmt, anderes ist aus dem Gesprächszusammenhang gerissen", ließ der 33-Jährige anklingen und fügte hinzu, er habe keinesfalls jemanden beleidigen oder sexuell nötigen wollen. Eher ein humorvoller Plausch.

Dann kamen drei Obergefreite. Allesamt weiblich und zwischen 21 und 22 Jahre alt. Zur Aussage entschlossen und in ihren Angaben nahezu deckungsgleich. Bei den Fahrstunden habe es Fragen nach BH-Größen und "nach oben gehobenen Brüsten" gegeben. Sexuelle Vorlieben der Damen seien ins Gespräch gebracht worden und noch so einiges.

Probleme mit der Figur habe der Fahrlehrer erörtern wollen und auch hässliche Äußerungen zu Asylbewerbern seien gefallen. Die mochte der Hauptfeldwebel aus Sachsen eher wenig bestätigen. Das Wort "Dreckspack" räumte er aber selber ein. Erst nach sieben Stunden legte der Unteroffizier gleichzeitig mit seiner Beschränkung auf den Rechtsfolgenausspruch eines im Vorfeld gegen ihn erlassenen Strafbefehls in Höhe von 150 Tagessätzen zu 75 Euro seine verbalen Äußerungen als Geständnis ab. Zuvor war er frohen Mutes, einen Freispruch oder zumindest eine Verfahrenseinstellung zu erreichen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft bekam der nächstes Jahr aus der Truppe scheidende Zeitsoldat 90 Tagessätze zu 60 Euro wegen versuchter Nötigung. Damit gilt er in seinem weiteren Berufsleben als nicht vorbestraft. Das war eine Brücke, die man ihm baute. Doch noch immer läuft bei der Bundeswehr ein Disziplinarverfahren gegen ihn. In den Fahrschulwagen darf der Mann nicht mehr. In ihrer Urteilsbegründung war sich Richterin Julia Taubmann mit Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier einig: "So etwas geht grundsätzlich nicht."
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