Psychiatrische Institutsambulanz mit Tagesklinik schließt Versorgungslücke
Hilfe vor Ort für die Psyche

Die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) nimmt im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus ihre Arbeit auf. Von links: Oberarzt Dr. Willy Müller, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Chefarzt Dr. Peter Radlinger und Medbo-Vorstand Helmut Hausner. Bild: Hartl

Egal ob Geburt, Blinddarm oder komplizierter Bruch: Alle Patienten benutzen in Amberg die gleiche Tür. Künftig gehen auch Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen hindurch. Mit der Angliederung einer Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) inklusive Tagesklinik neben dem Klinikum wird eine Versorgungslücke geschlossen.

Die räumliche Nähe zum Krankenhaus ist für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ganz wichtig: "Psychische Krankheit ist keine Schande", sagte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei einer Pressekonferenz der Betreiber von medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo). Diese ging am Mittwoch allerdings noch nicht in den neuen Räumen, sondern im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus über die Bühne.

Dort hat PIA zum 1. Februar bereits ihren Betrieb aufgenommen. "Wir wissen mittlerweile, dass wenn ein Angebot mehr als 30 Kilometer entfernt liegt, die Behandlung um 50 Prozent abnimmt", so Löffler. Oberarzt Dr. Willy Müller stellte sein Team und die Behandlungsschwerpunkte vor. PIA sei die Schnittstelle zwischen stationärer psychiatrischer und ambulanter Behandlung durch niedergelassene Fachärzte. "Therapiert werden Patienten, die eine intensivere oder akutere Behandlung benötigen oder bei denen eine stationäre Behandlung vermieden oder verkürzt werden soll", sagte Müller. Im Sommer könne der Betrieb im Neubau starten und die Tagesklinik mit 20 Plätzen für Erwachsene sowie zwölf für Kinder und Jugendliche inklusive Schule eröffnen, ergänzte Helmut Hausner, Vorstand der Medbo. Ursprünglich sei der Beginn des Jahres vorgesehen gewesen. "Der Bau am Klinikum war allerdings etwas herausfordernd." Der lockere Grund habe eine besondere Bauweise erforderlich gemacht.

Der Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie aus Cham, Dr. Peter Radlinger, betonte, dass Amberg Anteil an einer psychiatrischen Versorgung auf universitärem Niveau bekomme, darunter beispielsweise die transkranielle Magnetstimulation - eine Technologie bei der mit Hilfe starker Magnetfelder Bereiche des Gehirns sowohl stimuliert als auch gehemmt werden können.

BehandlungsschwerpunkteBurnout und Depressionen, auch Wochenbettdepression

alle Formen der Angststörungen (Panikattacken)

bipolare Erkrankung

Persönlichkeitsstörungen

Stabilisierung bei posttraumatischen Belastungsstörungen

psychotische Störungen

chronische Schmerzen, somatoforme Krankheitsbilder

psychische Erkrankungen im Alter, Testdiagnostik für Demenz

Suchterkrankungen nach erfolgter Entgiftung zur Abstinenzstabilisierung


KostenInsgesamt 6,8 Millionen Euro kostet der Neubau, der ab Sommer zwei Tageskliniken (für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene) mit psychiatrischer Institutsambulanz unter einem Dach vereint. Der Freistaat übernimmt 3,5 Millionen, die Medbo 2,7 Millionen Euro. Der Bezirk gibt laut Bezirkstagspräsident Franz Löffler rund 650 000 Euro für eine Schule aus. Denn Kinder und Jugendliche, die als Patienten in der Tagesklinik sind, dürfen den Anschluss an den Unterricht nicht verlieren. Insgesamt sind 46 Arbeitsplätze vorgesehen. (roa)
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