12.02.2018 - 15:26 Uhr

Reinhold Schmid schon seit Monaten ohne Erfolg Gesucht: eine Wohnung

Diese Geschichte hat zwei Seiten. Je nachdem, wer sie erzählt, biegt sie in die eine oder andere Richtung ab. So ist sie gleichzeitig die Erzählung von einem, der keine Wohnung finden kann, und einem, der einfach zu bequem ist, sich eine solche selbst zu suchen.

Reinhold Schmid sucht eine bezahlbare Wohnung. Symboldbild: Rumpenhorst/dpa
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der, um den es geht, heißt in beiden Fällen Reinhold Schmid. Ein älterer, alleinstehender Herr, in besten Rentenalter, der während seines Erwerbslebens, in dem er unter anderem eine Werbeagentur hatte, nicht genügend angespart oder alles durch eine Scheidung verloren hat. Sein Schicksal lautet: Grundsicherung. Mit allen damit verbundenen Nachteilen. Er lebt - noch - in einer Wohnung in Kümmersbruck, die viel zu groß und viel zu teuer ist, wenn es um die Maßstäbe geht, an denen ein Mensch in Grundsicherung eben gemessen wird.

Hier steht die Geschichte zum ersten Mal an einer Abzweigung. Reinhold Schmid sagt: "Mein Vermieter hat im Mai 2015 Eigenbedarf angemeldet." Er verschweigt auch nicht, dass es ab Juni Ärger mit dem Landratsamt gegeben hat, weil seine Wohnung nicht den Vorschriften entsprechend war. Das habe er aber abgebogen, so erklärt er. Aber er habe ja ohnehin das Problem, dass sein Vermieter die Wohnung für seine Schwiegereltern benötige.

Davon weiß unser anderer Protagonist nichts. Peter Graf vom Sozialamt des Landkreises kennt Reinhold Schmid natürlich. Offenbar hat er ihn nicht in bester Erinnerung behalten, wie an mehreren Stellen des Gesprächs durchschimmert. Graf nennt andere Fakten: Herr Schmid beziehe seit Juni 2015 Grundsicherung, so sagt er - das bedeute, dass für die Miete einer maximal 50 Quadratmeter großen Wohnung exakt 312 Euro plus circa 65 Euro für Heizung aufgewendet werden dürften. Nun lebe Herr Schmid aber auf 80 Quadratmetern, die 600 Euro warm kosten.

Sechs Monate Zeit

"Wir haben ihm damals sechs Monate Zeit gegeben und ihm dann die Miete runtergekürzt", schildert Peter Graf das gängige Prozedere. Zwar habe Reinhold Schmid über seinen Anwalt Einspruch eingelegt, der sei aber zurückgewiesen worden. Trotzdem bezahle ihm das Landratsamt sogar 343 Euro und 80 Euro für die Heizung. Auf dem Rest bleibe der Vermieter sitzen. Hier ist seiner Meinung nach der Grund für die Kündigung der Wohnung zu suchen.

Reinhold Schmid bleibt bei seiner Version. Er habe umgehend angefangen, nach einer neuen Bleibe zu suchen. Mitte Juni 2015 zunächst im Raum Falkenstein, wo er Bekannte habe, ab 2017 dann auch im Raum Amberg, Amberg-Sulzbach und Schwandorf. Leider bisher vergeblich. "Ich hab doch so Probleme mit dem Knie", erzählt er. Deshalb würde er gerne Parterre wohnen oder mit Aufzug. Und in der Nähe einer Einkaufsmöglichkeit wäre auch nicht schlecht, weil er über kein Fahrzeug verfüge.

Schmid nennt Zahlen: Mindestens 40 Annoncen hauptsächlich im Internet aufgegeben, darauf vier Reaktionen, keine Besichtigung. Danach 14 Objekte im Internet ausgesucht, sechs Besichtigungen - teilweise mit über 30 Mitbewerbern - keine Zusage. Im Mai 2017 habe es endlich die ersehnte Zusage gegeben. "Die Besichtigung war am Dienstag, für Samstag war die Unterzeichnung des Mietvertrags zugesagt, am Freitagabend erfolgte deren Absagung." Keine Hilfe bekomme er übrigens von den Ämtern. "Sie müssen ihre Suche verstärken", sei hier die wenig hilfreiche Standardantwort.

Das will Peter Graf aber nicht auf sich sitzen lassen. Erstens habe seines Wissens der Vermieter von Schmid diesem eine Ersatzwohnung in Amberg angeboten. "Die wollte er aber nicht." Und zweitens: "Der will eine für ihn gemalte Wohnung, die billig ist, im Erdgeschoss liegt, gute Einkaufsmöglichkeiten bietet und natürlich ideale Verkehrsanbindungen." Aber die gebe der Markt im Augenblick einfach nicht her. 2015 ja, jetzt kaum mehr.

Hier stimmen die beiden überein. Eine Wohnung zu dem geforderten Preis sei einfach nicht zu finden, sagt auch Reinhold Schmid. "Derzeit aktuell sind hier um 450 bis 500 Euro." Und das Schlimme sei: "Übernimmt jemand die Differenz zu den 377 Euro, wird die gesamte Leistung gestrichen." Ja, weil es in der Grundsicherung keine Beträge gebe, die speziell für so einen Zweck verwendet werden können, erläutert Peter Graf. "Das wird dann als Einkommen gewertet", so erklärt er. "Wenn eine Wohnung zu teuer ist, kann ich nicht einfach draufzahlen."

Alles getan

Reinhold Schmid hofft jetzt, dass sein Gang an die Öffentlichkeit den einen oder anderen Vermieter auf ihn aufmerksam macht. "Die Suche nach einer Wohnung kann ich ihm nicht abnehmen", sagt Peter Graf. Er habe Schmid geraten, sich einen Berechtigungsschein für eine Sozialwohnung zu holen und sich an die entsprechenden Träger zu wenden. "Von meiner Seite aus ist alles Mögliche gemacht."

Eine Wohnung hat Reinhold Schmid noch immer keine. Jetzt hat er gegen seine Kündigung geklagt - um Zeit zu gewinnen, wie er sagt. Was danach wird, das weiß er nicht. "Ich muss meine Sachen irgendwo einlagern. Was aus mir wird, weiß ich nicht." Dafür sei dann die Gemeinde zuständig, sagt Peter Graf. Die müsse Herrn Schmid unterbringen, falls er obdachlos werde. "Auf der Straße muss er deswegen nicht leben."

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