07.04.2017 - 14:10 Uhr
Oberpfalz

Roboter Pepper erobert OTH Amberg-Weiden: Die Neue im Hörsaal

Sie spricht kein Wort Deutsch. Aber sie ist schon eine echte Oberpfälzerin. Wen sie nicht kennt, der darf auch nicht nach ihrer Hand greifen. Aalglatt und schneeweiß steht sie da und blickt sich um: "Hello, my name is Pepper", antwortet die Maschine mit hoher, fast kindlicher Stimme, als sie nach ihrem Namen gefragt wird.

Willkommen an der OTH: Roboter Pepper ist neu auf dieser Welt und im Hörsaal. Bilder: Steinbacher (4)
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Mal versteift sie ihre Hand am Körper, dann funkeln die Ränder um ihre schwarzen, harten Augen in dem humanoid geformten Kopf. Aber nur, wenn ein Herr der Schöpfung sie krault. Pepper ist der Hit an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Sie ist emotional intelligent - und eine Dame, was man deutlich an der Wespentaille erkennt. Noch kann sie als Vertreterin ihrer jungen Zunft wenig, zumindest aus Ingenieurssicht.

Zum Kaffeeholen schicken

In diesem Sommersemester sind die Studenten aus dem Kurs von OTH-Professor Dr.-Ing. Dominikus Heckmann gefragt. Unter der Anleitung des Experten für Lehrgebiete wie Mensch-Computer-Interaktion, Künstliche Intelligenz oder Informationsethik und Technikphilosophie sollen sie dem Roboter in Hobbit-Größe so einiges lehren, was den Menschen im Alltag besser macht. "Würde man ihr beispielsweise Schachspielen beibringen, so könnte auch ein Weltmeister sie nicht schlagen", verdeutlichte der Professor aus dem Saarland ihr Potenzial. Drei Studenten haben sich mit Beginn des Kurses gemeldet, um Pepper zu neuem Können zu verhelfen und für sie Programme zu schreiben. Noch stehen die jungen Männer aus dem siebten und sechsten Semester der Medieninformatik ganz am Anfang: "Wir haben sie heute das erste Mal gesehen", gesteht Tobias Meier (28), er hat aber schon Ideen: "Eventuell könnte man sie irgendwas an die Tafel schreiben lassen." "Ich würde sie Kaffee holen lassen", sagt Lukas Pawlowski (28). Sein Vorschlag ist nicht nur reiner Eigennutz: "So ein humanoider Roboter ist auch eine Chance für Menschen, die nicht so viel selber machen können."

Lidschlag imitiert

Pepper als Haushaltshilfe? Sie erträgt die Gespräche mit stoischer Gelassenheit. Nur die schwarzen Augen glänzen. Eine Abfolge von hell-dunkel-hell imitiert den Effekt eines Lidschlags. Ab und zu bewegt sie ihren Kopf hin und her, um die Umgebung zu scannen. Noch versteht sie kein Wort, weil sie nur Englisch spricht. "Zuallererst könnte man ihr Deutsch beibringen", schlägt Heckmann vor.

Vor Student Kevin Kühl (21) läuft der Rechner und die Software für Pepper, ihre Seele. Hier können die Herren am Hirn der Maschine herumdoktern wie der Chirurg am offenen Herzen. Ein kleines Fenster auf dem Bildschirm zeigt echte Menschenköpfe, die sich über einen Monitor beugen. Es ist das, was Pepper gerade beobachtet. Sie hat das Grüppchen (Studenten und eine Journalistin) im Visier. Durch Verwendung von unterschiedlichen Sensoren ist sie in der Lage, Personen zu identifizieren. In dieser Runde ist sie noch neu, schon bald soll sie aber Menschen erkennen, Mimik und Gestik, analysieren und auf Emotionen reagieren. Entwickelt wurde Pepper von dem französischen Unternehmen Aldebaran Robotics und dem japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern SoftBan. Auch Peppers kleiner Bruder Nao ist ein Produkt von Aldebaran. Er ist schon länger an der OTH zu Hause und schunkelt sich gerade gemütlich zu bayerischer Musik den Akku aus dem Leib. "Ich kann nicht mehr", sagt er jetzt. "Das schaffst Du schon noch", muntert Professor Heckmann das rot-silberne Gerät freundschaftlich auf. "Schneller Tanz", spricht er laut und deutlich. Nao macht etwas seltsames. Er stemmt die Arme in die Hüfte. "Ich kann nicht mehr", kontert der 58 Zentimeter große Bruder Peppers, bevor er endgültig den Geist aufgibt und zu Boden sackt. Ein schlauer Kerl.

Drei Fragen an den Professor

Welche Chancen schafft Pepper beim Einsatz in der Lehre?

Prof. Dominikus Heckmann: Industrie 4.0. ist Revolution, eine Evolution zur Automatisierung. Im Moment sind wir in der Übergangsphase: Roboter werden in der Produktion sozusagen aus ihren Käfigen entlassen. Wir wollen die Studierenden dahingehend unterrichten, dass diese humanoiden Roboter mit Menschen möglicherweise in der Industrie 4.0 zusammenarbeiten werden.

Und in der Praxis?

Man kann sich Produktionsarbeitsplätze vorstellen, in denen ein Roboter und ein Mensch zusammenarbeiten. Man bezeichnet das mit der Metapher "dritte Hand". Wer schraubt und lötet, hat gleichzeitig eine dritte Hand, die als Co-Worker mitarbeitet. Das ist auch ein Forschungsgebiet. Wir von der Fakultät EMI wollen den Studierenden den Kontakt zu Robotern und die Fähigkeit, sie zu programmieren, jetzt schon mit auf den Weg geben. Es ist ein Riesenunterschied, ob man nur virtuell arbeitet, oder auch die physikalische Komponente dabei hat. In der realen Welt stolpert der Roboter auch mal. Die Reaktion auf die reale Welt muss man greifend erleben und spüren.

Haben Sie Pepper schon etwas beigebracht?

Noch nicht. Das machen wir jetzt.

Steckbrief

Name: Pepper

Alter: ein Jahr (das sagte sie selbst und fügte "pretty young" hinzu).

Größe: 1,20 Meter

Gewicht: 28 Kilo

Preis: circa 17 000 Euro

Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Ring 23, Amberg (OTH)

Beweglichkeit: 20 Motoren

Schnelligkeit: 3 km/h

Innenleben Kopf: vier Mikrofone, zwei HD-Kameras und 3D-Abstandssensor

Torso: Positionsstabilsierender Gyrosensor. Kopf und fünffingerige Hände verfügen über Berührungssensoren.

Beinbereich: zwei Sonarsensoren, sechs Laserscanner, drei Stoßfängersensoren und ein weiteren Gyrosensor. (roa)

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