Rundgang auf der Hubschrauberlandeplattform am Klinikum
Ambergs kleiner Airport

Der Hubschrauber-Landeplatz des Klinikums St. Marien. Bilder: Wolfgang Steinbacher (3)
 
Eine Fußbodenheizung für die Landeplattform, damit diese stets eis- und schneefrei bleibt, und riesige Rohre für das Löschwasser im Fall eines Brandes: Marc Bigalke, Leiter der zentralen Notaufnahme von St. Marien, gewährt einen Blick ins Innenleben des Landesplatzes über dem Klinikum.

Es ist ein gigantischer Koloss aus Beton und Stahl, der über St. Marien thront. Elf Tonnen kann er tragen. Und somit können sogar Black Hawks der US-Armee landen. Doch zumeist setzt Christoph 80 aus Weiden hoch über den Dächern von Amberg auf.

Im Prinzip ist es ein Flughafen, wenn auch einer im Miniatur-Format. Nur landet dort weder ein Airbus noch eine Boeing, dafür aber setzen regelmäßig Hubschrauber auf der Plattform über den Dächern von St. Marien auf - Rettungshubschrauber. Im Juni 2016 wurde der Landeplatz des Krankenhauses eröffnet, erläutert Marc Bigalke, der die zentrale Notaufnahme des Klinikums leitet.

24 Stunden am Tag

Wie er erklärt, hat der Landeplatz des Klinikums St. Marien eine Genehmigung für Hubschrauber. Und zwar 24 Stunden am Tag für jene Fälle, in denen Patienten nach Unfällen oder bei schweren Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt ins Klinikum St. Marien geflogen werden. Für planbare Interhospital-Transfers, also wenn ein Patient per Helikopter in ein anderes Krankenhaus verlegt werden muss, besteht die Genehmigung für tagsüber. "Anders sieht es bei Notfällen aus, da darf auch nachts geflogen werden", erläutert Bigalke. Bayernweit gibt es nur drei Rettungshubschrauber, die auch nachts fliegen: Sie sind in Regensburg, Nürnberg und München stationiert. Ausgelegt ist laut Bigalke der Landeplatz auf elf Tonnen. Somit können auch Black Hawks der US Army landen und wieder abheben. Diese mittelschweren Transporthubschrauber können vier bis fünf Patienten sitzend transportieren - oder zwei bis drei liegend.

Allein mit der Einrichtung des Landeplatzes ist es nicht getan, vielmehr muss er täglich inspiziert werden - eine Aufgabe, die schlicht lebensrettend ist. Denn: Würde die Fußbodenheizung der Plattform ausfallen und würde sich im Winter eine Eisschicht bilden, könnte der Hubschrauber verunglücken - und mit ihm seine Crew. Auch Gegenstände auf der Plattform könnten gefährlich werden. Deshalb gibt es nach Angaben von Marc Bigalke am Klinikum insgesamt 30 ausgebildete Landeplatzhelfer. Sie eilen aber nicht nur nach oben, wenn sich ein Hubschrauber ankündigt. Das personal, das speziell geschult ist, kommt aus allen Bereichen des Klinikums, aus der Pflege genauso wie aus der Verwaltung. Der Landeplatzhelfer checkt jeden Morgen die Plattform und ihre Befeuerung. Sein Rundgang startet im vierten Stock des Klinikums. Dort befindet sich die Löschanlage - 8000 Liter Wasser und 500 Liter Schaum werden für den Ernstfall vorgehalten.

Für Notfälle gerüstet

Hat der Landeplatzhelfer die Löschanlage inspiziert, fährt er hinauf in den siebten Stock. Dort befindet sich weiteres brandschutztechnisches Material wie Schutzjacken und Helme, eine Feuerwehr-Axt und ein Einreißhaken, Pulver- und CO2-Löscher sowie Löschdecke und Bolzenschneider. Zum morgendlichen Check gehört zudem die komplette Kontrolle der Befeuerungsanlage. Der Landeplatzhelfer schaut nach, ob der Windsack hoch über dem Tower funktioniert. Extra für die Anwohner wurden Sichtschutzteile montiert, "damit denen nicht ins Wohnzimmer reingeleuchtet wird". Der Rundgang, bei dem auch die Fluchtwege kontrolliert werden, dauert rund 20 Minuten, er erfolgt alle 24 Stunden. "Immer bei Tageslicht", sagt Bigalke. Denn so sieht der Landeplatzhelfer, ob sich etwas auf der Landefläche befindet. Eine Plastiktüte zum Beispiel, die der Wind her geweht hat. Das könnte, wenn sie sich in den Rotorblättern verfangen würde, fatale Folgen haben. Geräumt und gestreut werden muss das Areal im Winter nicht. Befreit von Schnee und Eis ist es trotzdem - dank einer riesigen Fußbodenheizung.

Im Notfall, wenn ein Unfall passiert oder jemand einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erleidet, entscheidet primär der Disponent in der Integrierten Leitstelle, ob ein Rettungshubschrauber an den Unglücksort beordert wird. "Im Bereich Neunburg vorm Wald haben wir weite Fahrstrecken, da ist es oftmals sinnvoller, dass der Hubschrauber kommt", sagt Bigalke, der einer der drei früheren Ärztlichen Leiter Rettungsdienst war und somit mit den Strukturen im Rettungsdienstbereich Amberg (dazu zählen neben der Stadt noch die Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf) bestens vertraut ist.

Über 300 LandungenHauptsächlich landet auf der Landeplattform hoch über dem Klinikum St. Marien der Rettungshubschrauber Christoph 80, der in Weiden-Latsch stationiert ist. Laut Marc Bigalke, der Leiter der Zentralen Notaufnahme von St. Marien (ZNA), waren aber auch schon andere Helikopter da, um Patienten zu bringen, zu holen oder in eine andere Klinik zu verlegen. Zum Beispiel Christoph Regensburg. Oder Christoph 20 aus Bayreuth. Schon zwei Mal brachten außerdem die Amerikaner Patienten ins Klinikum St. Marien. In einem Buch im Mini-Tower hoch über Amberg sind penibel die Landungen aufgeführt. Marc Bigalke wirft einen Blick rein. Am 26. Juli 2016 wurde der Mini-Airport eröffnet, bis zum 26. Juli 2017 verzeichnete er exakt 240 Landungen. Die 300er-Marke wurde am 19. November geknackt. Zum Jahreswechsel waren es 312 Landungen, seit Neujahr bereits wieder 44. (san)


Anders sieht es bei Notfällen aus, da darf auch nachts geflogen werden.Marc Bigalke, Leiter der Notaufnahme am Klinikum St. Marien
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