Schlägerei vor Tanzlokal
Frau auf der Anklagebank

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa

Nach Schlägereien in und vor Tanzlokalen müssen meist Männer vor Gericht. Diesmal wurde eine junge Frau auf die Anklagebank geholt. Der Vorwurf gegen sie: Zwei heftige Faustschläge ins Gesicht einer 21-Jährigen, die so recht nicht wusste, wie ihr am zweiten Weihnachtsfeiertag geschah.

Einzelrichter Markus Sand hätte nach dem erst vor wenigen Wochen passierten Gewaltdelikt einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft unterschreiben sollen. Das tat er nicht, weil ihm die verlangte Geldstrafe zu hoch erschien. Folglich ordnete Sand eine mündliche Verhandlung an. An ihrem Ende schloss er sich allerdings dem Verlangen der Anklagebehörde an. Am 26. Dezember 2017 begab sich eine 21-Jährige hinaus vor den Eingang eines Amberger Tanzlokals. Sie wollte eine Zigarette rauchen und wurde dann zum Verwechslungsopfer einer 23-Jährigen, die dort stand. Ein Wort gab das andere. Dann drosch die ältere der beiden Frauen unvermittelt zu. Der erste Faustschlag traf das Auge der 21-Jährigen, ein zweiter führte zur Knochenabsplitterung am Wangenknochen.

Erst als Richter Sand vom Opfer davon erfahren und vernommen hatte, dass Schmerzen bis heute vorhanden seien, machte er deutlich: "Das stand so nicht in den Akten." Die Beschuldigte gab ihre Entgleisung zu und räumte ein, dass sie mit einer anderen Frau einen Zwist zu regeln hatte. Aber womöglich habe der Alkohol ihre Sinne vernebelt. Sie erbat sich ein Pardon von der 21-Jährigen und hörte: "Entschuldigung ist angenommen." Staatsanwalt Wolfgang Doblinger verlangte in seinem Plädoyer 5400 Euro für die beiden Faustschläge. Richter Sand schloss sich an. "Das alles war nicht so harmlos, wie es sich bei Sichtung der Akten angedeutet hatte", teilte er mit und fügte hinzu: "Mit der üblichen Watschn vor einer Disco hatte das nichts zu tun." Denn die Hiebe ins Gesicht hätten ein Hämatom am Auge und eine Knochenabsplitterung zur Folge gehabt. Beides sehr schmerzhaft.

Das stand so nicht in den Akten.Richter Markus Sand
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