06.04.2018 - 21:02 Uhr
Oberpfalz

Schwandorfer Landwirt vor Gericht - Urteil gesprochen Vier Jahre für die Amokfahrt

In der Amoktour eines 47-Jährigen in Wölsendorf erkennt das Amberger Schwurgericht keine Mordabsicht an zwei Polizeibeamten. "Es waren versuchte gefährliche Körperverletzungen", heißt es im Urteil. Dafür gibt es vier Jahre und drei Monate Haft.

Auf einem Feld bei der Ortschaft Wölsendorf endete die Flucht eines 45-Jährigen vor der Polizeikontrolle.
von Autor HOUProfil

Die Tour war 5,8 Kilometer lang, sie dauerte 29 Minuten. Der Mann war am Gründonnerstag letzten Jahres bei Wölsendorf (Kreis Schwandorf) unterwegs, sollte auf seinem Bulldog sitzend von zwei Polizisten kontrolliert werden und ratterte davon. Er war auch dann nicht zu stoppen, als ihn eine Kugel aus der Dienstwaffe eines Beamten in den rechten Unterschenkel traf. Die Konsequenz daraus: Knochen splitterten, eine weitere Operation des bis heute an Krücken gehenden Bauern steht bevor.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Tour ein Verfahren wegen zweifachen Mordversuchs eingeleitet. Sie machte geltend: Der 47-Jährige sei ein notorischer Schwarzfahrer, sturzbetrunken auf dem Trecker unterwegs und habe sich zur Verdeckung einer Straftat der Überprüfung entzogen. Das seien typische Mordmerkmale. Während der Verfolgungsjagd, so Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier, sei es dann zu Begegnungen mit zwei Beamten gekommen, die nur mit Mühe ihr Leben retteten. Einer von ihnen, gefährdet durch den Bulldog, schoss dem Landwirt ins rechte Bein. "Hoch gefährliche Situationen", bilanzierte der Anklagevertreter und unterstrich, dass es sich zweifellos um Tötungsversuche gehandelt habe.

Doch im Urteil bezog Strohmeier anschließend eine Niederlage. Denn die acht Jahre Haft, die er beantragt hatte, halbierten die Richter in ihrer Entscheidung beinahe. Das Schwurgericht unter Führung von Roswitha Stöber hielt "sehr bedrohliche Lagen" für die beiden Polizisten zwar ebenfalls für gegeben. Doch Mordversuche seien das nicht gewesen. Die Vorsitzende bezog sich auf Grundsatzrechtsprechungen des Bundesgerichtshofs, sah in den Bedrohungslagen die Tatbestände der versuchten gefährlichen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Dafür wurde eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verhängt. Dieses Urteil deckte sich nahezu mit den Anträgen der beiden Verteidiger Bernd Lippmann (Nürnberg) und Stefan Holoch (Stuttgart). Wegen seiner seit vielen Jahren bestehenden Alkoholsucht wurde der allein lebende Bauer in eine eineinhalbjährige Therapie geschickt. "Sie ist dringend notwendig", befanden die Richter. Zuvor aber muss der Landwirt in wenigen Tagen erneut am Bein operiert werden. Deswegen wurde der seit einem Jahr bestehende Haftbefehl aufgehoben. "Es besteht keine Fluchtgefahr", hieß es.

Zu den gesundheitlichen Folgen kommen auf den 47-Jährigen nun die Verfahrenskosten zu. "Den Traktor kriegen Sie nicht zurück", hörte der Angeklagte. Er besitzt seit 2008 keinen Führerschein mehr. Eine weitere Sperre von drei Jahren wurde angeordnet. Sicher nur auf dem Papier. Denn eine Lizenz dürfte es wohl für den durch nichts aufzuhaltenden Mann auf dem Traktorbock kaum mehr geben.

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