21.03.2018 - 17:26 Uhr

"Schwere Grippewelle" überstanden "Handhygiene das Wichtigste"

Noch gesund? Herzlichen Glückwunsch an das Immunsystem. Es hat eine "schwere Grippewelle" überstanden. Sie schwappte über die Region und hatte vergangene Woche ihren Höhepunkt: 1311 Influenza-Meldungen gingen seit Jahresbeginn beim Gesundheitsamt ein.

von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Eine Arztpraxis in Sulzbach-Rosenberg musste vorübergehend schließen. Nicht nur das Personal, sondern auch die Mediziner sind krank geworden. Im Klinikum St. Marien trudelten reihenweise Krankmeldungen ein. "Die Erkrankungsraten sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich höher", sagte Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor in St. Marien. Vergangenes Jahr sei der Höhepunkt der Grippewelle im Januar und Februar gewesen. "Heuer waren wir etwas später dran." Das bestätigte auch Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey. Vor vier Wochen vermutete er den Höhepunkt der Grippewelle. Weit gefehlt.

Wert aus 2017 getoppt

In Kalenderwoche 10 wurden beim Gesundheitsamt 303 Influenza-Fälle gemeldet. Dieser Spitzenwert toppt die Höchstzahl aus dem vergangenen Jahr deutlich (206 Meldungen). Zwar habe das Robert-Koch-Institut bundesweit von einer Grippe-Welle gesprochen, die sich zuletzt vor zehn Jahren in diesem Ausmaß verbreitet habe, doch Brey relativiert: "Es wurde noch nie so intensiv getestet wie heuer." Auch niedergelassene Ärzte hätten diesmal Abstriche ans Labor geschickt.

"Bezogen auf die Einwohnerzahl haben wir dreimal mehr gemeldete Grippe-Fälle als in der Großstadt Frankfurt am Main." Und hinzu kommen eigentlich noch mehr, denn: "Nicht jeder, der krank ist, geht zum Arzt." Trotz der extrem hohen Zahl an Erkrankten, sei diese Grippe-Welle weitgehend glimpflich verlaufen, was an dem Typ B liegt, der bei rund 80 Prozent der Erkrankten nachgewiesen wurde.

Einen Meter Abstand

Zu Spitzenzeiten wurden im Klinikum 48 Patienten mit Influenza behandelt. "Aktuell sind es 15", so Hollnberger. Auch die Krankenzahlen bei den Mitarbeitern seien in manchen Teilbereichen "beträchtlich" gewesen. "Aber jetzt ist diese Entwicklung zum Glück wieder rückläufig." Wer tagtäglich mit Viren in Berührung kommt, muss besondere Schutzmaßnahmen treffen. "Erste Maßnahme wäre die Impfung. Sie ist aber nicht verpflichtend und wird mit unterschiedlicher Intensität wahrgenommen", so Hollnberger. Wenn Patienten mit Verdacht auf Influenza ins Klinikum eingeliefert werden, sind die Mitarbeiter angewiesen, einen Schutzabstand von etwa einen Meter zu wahren. In einem speziellen Bereich wird ein Schnelltest per Nasenabstrich gemacht. Wird der Patient mit Influenza stationär weiterbehandelt, wird er auch auf Station weiter isoliert, erklärte Stephan Röckelein, Leiter der Hygieneabteilung, die Vorgehensweise im Klinikum.

Harald Hollnberger empfiehlt als wichtigste Infektionsprävention die Handhygiene: "Das heißt: Vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten müssen die Hände desinfiziert werden. Unsere Mitarbeiter werden dahingehend auch immer wieder von unserer Hygieneabteilung unter der Leitung von Stephan Röckelein geschult und unterstützt."

Je nach Erkrankung kommen noch spezielle Hygienemaßnahmen hinzu. Bei der Influenza sind das: Schutzhandschuhe, Einmalkittel und vor allem das Tragen einer Atemschutzmaske beim unmittelbaren Kontakt mit einem Influenza-Patienten.

Bezogen auf die Einwohnerzahl haben wir dreimal mehr gemeldete Grippe-Fälle als in der Großstadt Frankfurt am Main.Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.