Serie "Amberg von unten" geht in das Munitionslager bei Atzlricht
Bunker mit Dauerbrand

Der große Bunker im ehemaligen Munitionsdepot dient der Amberger Feuerwehr als Lehrraum für Atemschutzkurse. Er ist als Wohnung eingerichtet. Als Team gehen die jungen Geräteträger in die brennende "Wohnung". Sie müssen eine Puppe retten und eine Tür zu einem brennenden Raum öffnen. Bilder: Hartl (5)
 
Vor dieser Kulisse drehte vor zwei Jahren eine Bamberger Band ein Musikvideo. Bild: Hartl

Eine schwarze Rauchsäule erhebt sich bei Atzlricht in den Himmel. Sie weist den Weg in das mit Stacheldraht umzäunte, ehemalige Munitionsdepot.

Eine Gruppe Menschen steht dort zusammen. Schweißperlen tropfen zu Boden. Die Gesichter hinter den Masken sind hochrot. Daneben lodern Flammen im Bunker. Die Hitze ist nur erträglich mit schwerem Atemschutzgerät.Der Weg in das Munitionslager bei Atzlricht ist normalerweise versperrt. In dem Areal reiht sich Bunker an Bunker. Dort, wo die Bundeswehr einst ihre Munitionen sicher verwahrt hatte, lodern jetzt die Flammen. Unter dem Schutz der meterdicken Betonwände hält die Feuerwehr der Stadt Amberg Übungen unter echten Bedingungen ab. Mit alten Paletten wurde ein Feuer entzündet, um einer jungen Truppe das richtige Löschen mit Atemschutzgerät zu lehren. 15 Frauen und Männer nehmen an dem Lehrgang teil. Er umfasst insgesamt 28 Stunden.

Bis zu zehn Ausbilder sind ehrenamtlich daran beteiligt, um in Theorie und Praxis zu erklären: Wie atme ich richtig? Welche Dienstvorschriften sind einzuhalten? Wie funktioniert eine Personenrettung? Wie öffnet man eine Tür zu einem brennenden Raum?

Der Umgang mit schwerem Atemschutzgerät ist eine psychische und physische Belastung für den Feuerwehrmann. "20 bis 25 Kilo wiegt ein Atemschutzgerät", erklärt Ausbilder Tobias Götze. Wer im Umgang damit fit sein will, muss nicht nur eine theoretische Prüfung, sondern auch im Praxistest gute Leistungen zeigen. Die besten Bedingungen gibt es dafür in diesem Bunker, der von der Feuerwehr wie eine Zwei-Zimmer-Wohnung eingerichtet wurde. Freilich ist davon bei 150 bis 300 Grad Celsius, Rauch und lodernden Flammen nichts zu erkennen. Die Wärmebildkamera von Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer zeigt irrsinnige Temperaturen an. Die Blicke der angehenden Atemschutzträger sind angespannt. Für viele ist es das erste Mal, dass sie mit Feuer in Berührung kommen. Tobias Hermann (20) und Tamara Urbanski (18) gehören zur Feuerwehr Sulzbach-Rosenberg. Ihre Motivation? "Es macht einfach Spaß, anderen zu helfen, das ist eine coole Truppe", sagt Tamara. Hinter ihr kommen die ersten aus dem "brennenden Haus", schleifen eine Puppe mit. Alles raucht. Sie haben ihre Mission erfüllt: einen Menschen gerettet, eine Tür zu einer brennenden Wohnung geöffnet und die Wärmbildkamera bedient. "Bei euch gab es nichts zu bemängeln", lobte Ausbilder Leo Lieret, "ihr habt das super gemacht." Die Helme sind noch so heiß, dass man sie mit der bloßen Hand nicht berühren kann.

"Ja, war sehr warm dort drin", kommentiert Verena Stiegler (28) von der Feuerwehr Auerbach mit hochrotem Gesicht unter der Maske. Die 28-Jährige arbeitet als Entwicklungsingenieurin und fühlt sich im Atemschutz-Trupp in ihrem Element. "Einer geht rechts, einer links und man sieht nichts, man muss fühlen, was kommt." Am besten im Entengang, denn am Boden ist es kühler. Körperliche Fitness ist eine Grundvoraussetzung für Atemschutzträger. Lediglich an der Feuerwehrschule in Würzburg werden die Trainingseinheiten unter echten Bedingungen erreicht. Vom Dauerbrand im Bunker, tief im Wald bei Atzlricht, profitiert der ganze Landkreis.

Auf dem Land ist man um jeden froh, der zur Feuerwehr geht.Verena Stiegler (28), Entwicklungsingenieurin



Das ehemalige Munitionslager bei AtzlrichtDas ehemalige Munitionsdepot bei Atzlricht war 2014 letztmals in den Schlagzeilen: ein Waldkindergarten sollte dort entstehen. Daraus wurde nichts. 2008 wollten die Stadtwerke auf einem Teilstück von 2,2 Hektar aus dem rund 5,5 Hektar umfassenden Militärgelände eine Bio-Erdgasanlage errichten. Das Projekt scheiterte. In den Plänen wird das Areal in Süd und West aufgeteilt. Die Bunker sind zum Großteil vermietet. Insgesamt gibt es dort 44.

Zur Geschichte: Erbaut wurde die Anlage als Lager für Artillerie und Panzermunition für die Schweppermannkaserne in Kümmersbruck. Bauherr war das Bundesvermögensamt. Süd und West sind ähnlich aufgebaut. Zu Beginn steht ein Wachhaus. Ein Schotterweg führt durch das Gelände.

Die Straße wird gesäumt von diversen Bunker-Eingängen, zum Teil so groß, das beladene Lastwagen hineinpassen. 1996 erwarb die Stadt Amberg das Lager mitsamt dem Übungsplatz Fuchsstein. Vor zwei Jahren drehte die Bamberger Alternative-Rock-Band Novel Panic vor den Bunker-Eingängen ein Musikvideo für den Song "War" (www.novelpanic.com).

___



Die Serie im Internet:

www.onetz.de/ambergvonunten
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.