Staatsanwalt spricht von versuchtem Totschlag
Blutiger Streit unter asiatischen Köchen

Symbolbild: dpa

Dem Schwurgericht steht ein schwieriger Prozess bevor. Es soll die Auseinandersetzung zwischen zwei Männern klären und hat es dabei mit Beteiligten zu tun, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Es handelt sich um Chinesen. Einer von ihnen wurde im Mai 2016 schwer verletzt.

Sie arbeiteten beide als Köche für ein asiatisches Lokal in Amberg. Zwischen dem nun wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung angeklagten 29-Jährigen und seinem sieben Jahre älteren Kollegen hatte es zuvor nach behördlichen Ermittlungen offenbar immer wieder einmal Streit gegeben.

Am 24. Mai 2016 kam es an ihrer Arbeitsstelle erneut zu einer Auseinandersetzung. Sie begann gegen 14.20 Uhr in einem Kühlraum und soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dazu geführt haben, dass der 29-Jährige eine Schere ergriff und versuchte, auf seinen chinesischen Landsmann einzustechen.

Wollte er ihn umbringen?

Ermittler der Kripo brachten heraus, dass der attackierte Asiate in einer Abwehrbewegung nach der Hand des mutmaßlichen Täters fassen konnte. Deswegen traf ihn die Schere nicht. Allerdings trug der Mann Kratzverletzungen am Schlüsselbein davon.

Die Lage beruhigte sich keineswegs. Der 29-jährige Koch lief aus dem Kühlraum, soll dabei etwas wie "umbringen" geäußert haben und kehrte kurz darauf mit einem beilartigen Küchenmesser zurück. Mit der 21 Zentimeter langen Klinge soll er dann auf seinen Kontrahenten eingeschlagen haben. Dabei erlitt der 36-Jährige, obwohl unverzüglich zwei weitere aus China stammende Arbeitskollegen des Mannes einschritten, einen Schnitt am linken Oberarm.

Der Koch war offenbar nicht zu beruhigen. Als ihn die dem Opfer zu Hilfe eilenden Mitarbeiter des Lokals zurückdrängen wollten, gelang es dem mutmaßlichen Täter erneut, mit der Waffe den Körper seines Kollegen zu treffen. Die Klinge drang in den Bauchbereich ein, sie verursachte eine acht Zentimeter lange und drei Zentimeter tiefe Wunde.

Bei dieser Attacke geht der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch nach umfangreichen Ermittlungen davon aus, dass der 29-Jährige den Tod seines Opfers billigend in Kauf nahm. Deshalb lautet die Anklage in diesem Punkt auf versuchten Totschlag. Der mutmaßliche Täter sitzt seit der blutigen Auseinandersetzung in Untersuchungshaft. Er hielt sich dem Vernehmen nach seit 2013 in Deutschland auf und arbeitete in seinem erlernten Beruf als Koch.

Ein Novum

Der vorläufig auf vier Tage angesetzte Prozess beginnt am 10. Januar. Weitere Verhandlungstage sind der 12., der 24. und der 25. Januar. Die Aussagen aller Beteiligten werden Wort für Wort aus dem Chinesischen übersetzt werden müssen. Das ist ein Novum für die Amberger Justiz.

Der aus der Provinz Shandong stammende Beschuldigte wird von dem Amberger Anwalt Jörg Jendricke verteidigt. Im Verfahrensverlauf werden fünf Sachverständige ihre Gutachten erstatten.
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