Sternekoch in der Schulküche
Lieber herzhaft als labbrig

Nur keine Berührungsängste: Der Spitzenkoch Stefan Marquard (rechts) und die Knappschaft-Krankenkasse haben das Präventionsprojekt "Sterneküche macht Schule" aufgelegt. Die Wirtschaftsschule Friedrich Arnold ergatterte den einzigen Termin in Bayern. Bild: Wolfgang Steinbacher

Hauswirtschaftsunterricht - verhasst seit Schülergenerationen. Dann kommt einer und die "Küche rockt". Ein Sternekoch arbeitet daran, dass junge Leute wieder "Bock auf Kochen" haben.

Stefan Marquard betreibt keinen eigenen Gourmet-Tempel mehr. Er tourt als selbstständiger Spitzenkoch mit seinem Team durch Shows, TV-Sendungen, Events und Schulen. 20 Gigs mit jungen Leuten stehen heuer in seinem Terminkalender. Den einzigen in Bayern hat sich die Städtische Wirtschaftsschule Friedrich Arnold gesichert. Schon darauf ist Schulleiterin Brigitte Conchedda stolz.

Natürlich auch auf die niegelnagelneue Küche, die im Zuge des Erweiterungsbaus für die Ganztagsbetreuung entstanden ist. Marquard steckte die ersten Stecker ein: am Montagmorgen um 7 Uhr.

Der kernige Sternekoch im Altbiker-Outfit wirbt in Kooperation mit der Knappschaft unter dem Titel "Sterneküche macht Schule" für eine gesunde, nachhaltige Ernährung jenseits von Tiefkühlkost und Fastfood-Mampf. Eines der Hauptprobleme dabei: Vielen Kindern sind die Bezüge zum alltäglichen Kochen bereits weitgehend verloren gegangen, weil es im familiären Haushalt nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Marquard springt quasi in die Bresche. Kernig im Ton, unkompliziert im Anpacken, bestimmt in seinen Anweisungen und der Einbeziehung der Kinder ins Team. Rau aber herzlich und frei nach dem Motto, professionelle Küchen sind kein Streichelzoo. "Leute, es geht nur darum, dass eine Generation wieder kochen kann", sagt der Spitzenkoch, bevor die teilnehmenden 20 Mädchen und Buben (Marquard: Es geht nur um das Eine, diese jungen Leute hier) ihre Mitschüler und Ehrengäste zu Tisch baten. Seit 7 Uhr morgens sind 150 Portionen zweier Hauptgerichte entstanden; Tafelspitz mit Meerrettich-Creme und als vegetarische Alternative mit Kichererbsen-Bulgur gefüllte Paprika. Dazu eine Bouillon und als Dessert Cocos-Panna-Cotta mit Maracuja-Banane.

Die Kinder haben sich als Beiköche in Zeug gelegt und mancher Lehrer würde sich wohl glücklich schätzen, wenn sie bei ihm ebenso mit Eifer bei der Sache wären, wie in ihrer neuen Küche. (Hintergrund)

HintergrundKein Strohfeuer

An der Wirtschaftsschule Friedrich Arnold steht Hauswirtschaft nicht im Lehrplan. "Wir sind kaufmännisch ausgerichtet", sagt dazu Schulleiterin Brigitte Conchedda.

Gerade deshalb liege ihr aber am Herzen, dass diese Aktion nicht einfach verpuffe. Sie stelle nämlich zugleich den Einstieg in die offene Ganztagsbetreuung dar mit dem Ziel, "dass wir da weitermachen, bis die Kinder selbst kochen können". (zm)

Zweites Sponsor-Projekt

Die Knappschaft als Krankenversicherung steht hinter der Aktion "Sterneküche macht Schule". Dass ausgerechnet die Städtische Wirtschaftsschule den einzigen Zuschlag in Bayern erhalten habe, so Pressesprecher Gisbert Frühauf, liege nicht zuletzt an dem Umstand, hier eine eigene Geschäftsstelle zu unterhalten. "Außerdem unterstützen wir auch schon die Amberger Running-Night". (zm)

" Schade"

Stefan Marquard - nicht zuletzt deshalb war auch reichlich lokale Prominenz eingeladen - möchte mit dieser Tour unter anderem beweisen, "dass Schulessen nicht zwangsweise verkocht, vitaminarm und mit industriell hergestellten Soßen angeboten werden muss". So steht es in einer Pressemitteilung. Als "schade" bedauerte Marquard deshalb, dass die Schule lediglich "eine reine Regenerationsküche" zur Aufbereitung vorgefertigter Speisen bekommen habe. Schließlich hätten er und die Kinder bewiesen, dass da viel mehr geht. (zm)


Leute, es geht nur darum, dass eine Generation wieder kochen kann.Stefan Marquard
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