07.02.2018 - 14:28 Uhr

Strafe nach Geständnis: Zwei Tage Wochenendarrest 19-Jährige hat Vergewaltigung frei erfunden

Das passiert einem Jugendrichter eher selten. Vor ihm sitzt die Mutter zweier Kinder. Sie hat ihren Lebensgefährten eines Sexualverbrechens bezichtigt und bewusst gelogen. Die Fragen stellen sich: Wie kann man eine solche falsche Anschuldigung ahnden, ohne gleichzeitig dem Nachwuchs der Frau zu schaden? Warum machte sie das?

Symbolbild: Peter Steffen/dpa
von Autor HWOProfil

Die damals 19-Jährige ging am 10. November 2016 zur Amberger Polizei und erstattete Anzeige gegen ihren Freund. Die Vorwürfe lauteten: Eingesperrt, geschlagen, vergewaltigt. Die Uniformierten hörten sich das auf der Wache an und verständigten anschließend die Kriminalpolizei. Vor einer Vernehmungsbeamtin wiederholte die von ihrem Lebensgefährten schwangere Frau ihre massiven Anschuldigungen. Daraufhin kamen erste Ermittlungen gegen den Mann in Gang. In der Regel wandern die mutmaßlichen Täter eines solchen Verbrechens in Untersuchungshaft. Doch in diesem Fall hatten die Fahnder erhebliche Bedenken im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt.

Nach zwei Wochen holte man sich die 19-Jährige, die damals schon ein Kind von einem anderen Mann hatte und das zweite von ihrem Lebensgefährten erwartete, erneut ins Vernehmungzimmer. Dort gab sie zu: "Es stimmt alles nicht. Ich habe gelogen." Warum sie ein Sexualverbrechen erfand, wurde weder seinerzeit noch jetzt im Prozess wegen falscher Verdächtigung deutlich.

Die Angeklagte kam mit einem Kinderwagen in den Sitzungssaal. Darin lag der kleine Sohn jenes Mannes, der unschuldig in einen schlimmen Verdacht geraten war. "Wir müssen das hier genau klären", befand Jugendrichter Peter Jung und bat eine Bedienstete des Amtsgerichts, für die Dauer der Verhandlung auf das Baby aufzupassen. Als diese Betreuung sichergestellt war, verdeutlichte sich rasch: Die Behörden waren von der jungen Frau auf eine falsche Spur geführt worden. "Alles gelogen", räumte die Angeklagte ein. Zu den Hintergründen mochte sie sich allerdings nicht weiter äußern.

Richter Jung ließ es bei diesem Geständnis bewenden. Für ihn war der Tatbestand geklärt. Er brauchte keine Zeugen mehr und verzichtete auch auf die Aussage des zu Unrecht belasteten Lebensgefährten. Mit Blick auf ihn ergab sich: Er hat sich unterdessen mit der Frau versöhnt und ist weiterhin ihr Partner. Wie war die Straftat zu ahnden? Dabei mussten Begleitumstände sehr genau beleuchtet werden: Eine heute 20-Jährige, die zwei Kinder hat, von Unterstützung lebt und hohe Schulden tilgen soll. "So geht es wirklich nicht", befand Staatsanwältin Franziska Meinl. Sie beantragte einen längeren Dauerarrest. Daraus ergab sich eine weitere Frage: Was hätte während dieser Zeit mit den zwei kleinen Kindern geschehen sollen? Richter Peter Jung entschied sich für eine gangbare Lösung. Er verwarnte die 20-Jährige und schickte sie für zwei Tage in einen Wochenendarrest. Während dieser Zeit, so ließ er anklingen, könne sich wohl der nicht bei seiner Freundin wohnende Lebensgefährte um die Kinder kümmern.

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