19.01.2018 - 08:35 Uhr
Oberpfalz

Sturm-Bilanz: Oberpfalz kommt glimpflich davon Linienbus in Graben gekippt - Metalldach in Amberg abgedeckt

Ausläufer des Sturmtiefs "Friederike" haben auch in Teilen der Oberpfalz Schäden angerichtet. Die Polizei wurde zu mehr als 40 Unwetter-Einsätzen gerufen. Damit kam die Region im Vergleich glimpflich davon.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Am Donnerstag Nachmittag zog das Sturmtief "Friederike" über Ostbayern hinweg. Die nördliche Oberpfalz blieb von größeren Unfällen verschont.

Sturm deckt Dach ab

In Amberg deckte der Sturm ein Metalldach teilweise ab. Durch eine herumfliegende Werbetafel wurde ein geparktes Fahrzeug beschädigt. Verletzt wurde nach derzeitigen Erkenntnissen niemand.

Am Donnerstagvormittag kam ein 21-jähriger VW-Fahrer aus Schönsee auf einer abschüssigen Straße bei Rackenthal Richtung Gaisthal auf schneebedeckter Fahrbahn von der Straße ab und prallte gegen eine Baumgruppe.

Bei Ödbraunetsrieth (Landkreis Neustadt/Waldnaab) drückte eine starke Sturmböe einen Linienbus aufs Bankett. Der Bus fuhr in den Graben und kippte zur Seite. Die drei Passagiere und der Busfahrer retteten sich durch die Dachluke. Am Linienbus entstand Totalschaden in Höhe von 120 000 Euro.

Weitere Folgen des Strums waren zahlreiche ungestürzte Bäume, die Straßen versperrten. Die Polizei wurde bis in die Abendstunden immer wieder zu unwetterbedingten Einsätzen gerufen.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag passierten aufgrund des starken Schneefalls und Schneeverwehungen mehrere Unfälle. Auf der Bundestraße von Mitterteich nach Waldsassen geriet ein Hyundai-Fahrer auf der rutschigen Fahrbahn in den Gegenverkehr und prallte mit einem Audi-Fahrer zusammen.

120 Einsätze in Oberfranken

Die Schwerpunkte des Sturms zeigten sich im östlichen Bereich der Oberpfalz in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf und Cham. Der Deutsche Wetterdienst hob die Warnung vor orkanartigen Sturmböen für den Landkreis Tirschenreuth am Donnerstag um 22:05 Uhr auf. Erst am Freitagnacht gab es auch für den Kreis Cham, insbesondere für Lagen über 1000 Meter, Entwarnung.
In der Nacht auf Freitag warnte der Deutsche Wetterdienst allerdings vor starken Gewittern in der Region. In Cham und Schwandorf dauerten die Gewitter bis 4.30 Uhr.

Das Polizeipräsidium Oberfranken verzeichnete am Donnerstagnachmittag mehr als 120 unwetterbedingte Einsätze. Zwei Fahrzeuge wurden von umgestürzten Bäumen beschädigt. Ein Hausdach wurde zum Teil abgedeckt. Die Polizei war größtenteils damit beschäftigt, umgestürzte Bäume oder andere Gegenstände, die der Sturm auf die Straßen geweht hatte, zu beseitigen.

Am schlimmsten wütete der Orkan in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen. Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren in Deutschland hatte mindestens sechs Menschen das Leben gekostet.

Das Orkantief «Friederike» hat nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen versicherten Schaden von rund 500 Millionen Euro verursacht. Damit liege "Friederike" deutlich hinter "Kyrill", teilte der GDV am Freitag mit. "Kyrill" hatte vor genau elf Jahren mehr als zwei Milliarden Euro Schaden verursacht.

Zugverkehr rollt wieder an

Abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Skigebiete und Flieger, die am Boden bleiben: Reisende waren ab dem späten Nachmittag vor allem von der kompletten Einstellung des Bahn-Fernverkehrs betroffen. Bei der Münchner S-Bahn fielen bei einigen Linien Züge aus, weil Bäume in die Oberleitung gestürzt waren, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Feuerwehr und Bahntechniker waren im Einsatz, um die Schäden zu beheben und die Gleise zu räumen. In Schwaben und Franken blockierten umgefallene Bäume den Regionalverkehr.

Im Regionalverkehr in Bayern läuft der Betrieb wieder normal. Gegen F'reitag Mittag sollen auch alle deutschen Metropolen wieder erreicht werden, hieß es von der Bahn am Morgen. Ein Problem ist derzeit, dass sich an vielen Stellen die Züge stauen. An mehr als 200 Streckenabschnitten im Netz der Deutschen Bahn verursachte  "Friederike" Schäden. Mehrere hundert Mitarbeiter waren laut Bahn die ganzen Nacht im Einsatz, um blockierte Strecken freizuräumen und
Oberleitungen zu reparieren.

Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt.

Am Flughafen in München fielen bis am Donnerstagnachmittag 20 Flüge wetterbedingt aus. Grund dafür sei das schlechte Wetter an den Start- und Zielflughäfen gewesen, sagte ein Sprecher des Münchner Flughafens. Vor allem innerdeutsche Flüge und Verbindungen nach Amsterdam seien betroffen gewesen. Anders sah es in Nürnberg aus. Dort habe es keine wetterbedingten Flugausfälle gegeben, sagte ein Sprecher.

Auf den Straßen im Freistaat kam es wegen Glätte und Böen zu zahlreichen Unfällen. Es blieb laut Polizei bei leichten Verletzungen und Blechschäden. In ganz Bayern stürzten Bäume auf Straßen und blockierten die Durchfahrt. Für diesen Freitag warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Glätte auf Bayerns Straßen. Der Schneefall lässt
demnach weitestgehend nach: Gebietsweise fallen bis zu drei Zentimeter
Neuschnee, in den Alpentälern bis zu fünf Zentimeter. Der Wind flacht
laut DWD ab und nur noch auf den Alpengipfeln kann es zu orkanartigen
Böen kommen.

Lawinengefahr in den Alpen bleibt

Auf der Zugspitze sorgte der Sturm für einen kompletten Stillstand. Das Skigebiet auf dem Gletscher war am Donnerstag geschlossen, wie die Bayerische Zugspitzbahn mitteilte. Deutschlands höchster Berg war nur noch mit der Zahnradbahn von Garmisch-Partenkirchen aus zu erreichen, weil die Gondeln außer Betrieb waren. In den bayerischen Alpen galt am Donnerstag die zweithöchste Lawinenwarnstufe (Stufe 4). Der Sturm habe den Neuschnee in Rinnen und Mulden geweht und so meterhohe Triebschneefelder gebildet, teilte der Lawinenwarndienst am Donnerstag mit. Diese könnten sich mit steigenden Temperaturen und Regen in den nächsten Tagen schnell lösen und als Lawine bergab rauschen.

Erinnerungen an "Kyrill"

Orkan "Friederike" hat in Deutschland Schäden von einer halbe Milliarde Euro angerichtet. Das geht aus ersten Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Der GDV hat dabei die versicherten Schäden zusammengerechnet. Mindestens acht Menschen verloren in dem Sturm ihr Leben. (dpa)

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