Sturzgeburt in Amberg
Noah hat es eilig

Auf dieser Liege kam Noah Maximilian am Mittwochmorgen überraschend zur Welt - nach zwei Presswehen war er da. Mit den Eltern Ellen Braunschweig und Stefan Braunschweig-Hollweck sowie dem dreijährigen Ben, der jetzt ein großer Bruder ist, freuten sich die Physiotherapeutinnen Christina Drozdowski (hinten links) und Karina Koscielniak (hinten rechts). Bild: Sandig

Seinen errechneten Geburtstermin ließ er ungerührt verstreichen, dann aber hatte er es sehr eilig. Zeit, ins Klinikum zu fahren, um dort zu entbinden, ließ er seiner Mama nicht mehr. Noah Maximilian kam in der Physiotherapiepraxis am Malteserplatz zur Welt.

Ellen Braunschweig ist hochschwanger, am 10. Oktober wäre eigentlich Termin gewesen. Und sie denkt, es wäre soweit. Doch ihr Arzt winkt ab: Das dauert noch. In der Nacht zum Mittwoch verspürt sie leichte Wehen. Da sie verspannt und verkrampft ist, kontaktiert sie am Morgen ihre Physiotherapeutin Christina Drozdowski. Mittwoch wäre eigentlich deren freier Tag, lediglich den Beckenbodenkurs gibt sie, Beginn ist um 9 Uhr. Sie zögert nicht und bittet die werdende Mutter am frühen Morgen in die Praxis.

"Nichts ist schlimmer, als wenn eine Frau verspannt in die Entbindung geht", erklärt die Physiotherapeutin. Ellen Braunschweig denkt, sie würde sich in der Therapie entspannen und dann mit ihrem Mann Stefan Braunschweig-Hollweck in aller Ruhe ins Klinikum fahren, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen. Kurz vor 9 Uhr, die Therapie war eigentlich schon beendet, fällt Christina Drozdowski auf, dass ihre Patientin anders atmet. Sie fragt, ob sie einen Druck nach unten verspüre. Ellen Braunschweig bejaht. Da weiß die Physiotherapeutin, die viele schwangere Patientinnen hat: Jetzt steht die Geburt unmittelbar bevor. Sie flitzt in die Kabine nebenan.

Arzt zufällig nebenan

Dort behandelt ihre Kollegin Karina Koscielniak gerade zufällig Dr. Stefan Mattyasovszky. Sie fragt den früheren leitenden Oberarzt der Amberger Frauenklinik, ob er mitkommen könne. Der springt auf, zieht sein Hemd an und eilt nach nebenan. "Das Kind kommt jetzt", sagt der Gynäkologe im Ruhestand. "Da war schon das Köpfchen zu sehen", erinnert sich Christina Drozdowski. Eine Presswehe später ist der Wonneproppen um 9.05 Uhr auf der Welt: Noah Maximilian, 54 Zentimeter groß und 3500 Gramm schwer. Gemessen und gewogen wird er allerdings erst später im Klinikum. "Es war eine Geburt wie aus einem Lehrbuch", schwärmt Drozdowski zwei Tage später, als die junge Familie sie besucht.

Sie und ihre Kollegin sind noch ganz aus dem Häuschen. Freudestrahlend beglückwünschen sie die Eltern zum Nachwuchs - und natürlich auch Ben, der mit seinen drei Jahren jetzt der große Bruder ist. "Die Geburt war total unproblematisch", freut sich die Physiotherapeutin. "Das Kind ist einfach rausgeschlüpft." Es sei so ruhig gewesen, so still, eine total entspannte Atmosphäre, erinnert sich Karina Koscielniak. Christina Drozdowski hatte die Frauen ihres Beckenbodenkurses kurz bevor Noah Maximilian zur Welt kam, nach Hause schicken wollen. Doch die Damen bleiben, warten gespannt das Ereignis ab.

Als das Baby auf der Welt ist, klatschen alle. Einige sind so gerührt, dass sie vor Freude weinen. Glücklicherweise ist an diesem Mittwochmorgen auch Gudrun Kosel, die als Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation für Frühgeborene arbeitet, in der Praxis am Malteserplatz. Sie kümmert sich sofort um das Neugeborene, das in ein großes, flauschiges Badetuch und eine Decke gewickelt wird, bis der Krankenwagen kommt, den Christina Drozdowski ruft, damit Mutter und Kind in die Klinik kommen. Der Bub ist topfit, erreicht auf der Apgar-Skala, mit der die Vitalität eines Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt beurteilt wird, einen Wert von 9 - maximal möglich ist 10. Am Mittag kehrt die 32-Jährige mit ihrem Baby nach Hause zurück.

Vom Schock zum Glück

Nur eines klappt an diesem Tag nicht mehr: "Wir wollten Noah Maximilian eigentlich am Klinikum anmelden, doch weil er dort nicht geboren wurde, mussten wir am Donnerstag zum Standesamt", erklärt Stefan Braunschweig-Hollweck. Der frischgebackene Vater gesteht, es sei anfangs für ihn ein Schock gewesen. "Aber der Arzt hat eine Ruhe ausgestrahlt - da hat sich meine Nervosität gelegt." Er und seine Frau sind glücklich, wie entspannt die Geburt verlief. Ohne Schmerzmittel, ohne Periduralanästhesie.

"Das war einfach toll", schwärmt Ellen Braunschweig, als sie zwei Tage nach der Geburt noch einmal die Praxis besucht. Ihr Söhnchen blickt mit großen Augen aus dem Maxi-Cosi - fast so, als wollte es sich seinen Geburtsort am Malteserplatz mal genauer anschauen.

Die Geburt war total unproblematisch. Das Kind ist einfach rausgeschlüpft.Physiotherapeutin Christina Drozdowski

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.