08.12.2017 - 19:46 Uhr
Oberpfalz

Telekom gibt keine Auskunft zu Störungen Erleben, was nicht verbindet

"Wir geben alles für eine Welt, die Grenzen überwindet und Verbindungen schafft", verkündet die Telekom im neuesten Werbespot. Nach einem Sturm klappte das nicht so gut. Telefone fallen wochenlang aus. Hans Schmidl aus Höhengau im Landkreis Amberg-Sulzbach hat bis heute keine Entschädigung bekommen.

Nach dem Sturmtief "Herwart" lag ein Baum quer über der Verbindungsstraße zwischen Ursulapoppenricht und Höhengau. Er hatte das Verbindungskabel der Telekom gekappt. Hans Schmidl ist sauer. Drei Wochen waren in Höhengau die Telefone tot. Erst eine Nachfrage von Oberpfalz-Medien änderte das. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Amberg/Weiden. (az/dko) Am letzten Oktoberwochenende fegte "Hervarth" über die Oberpfalz. In Weiden, Amberg und den Landkreisen war die Feuerwehr im Einsatz, pumpte vollgelaufene Keller leer, kümmerte sich um Äste in Hochspannungsleitungen und um umgefallene Bauzäune (wir berichteten). Innerhalb eines Tages waren die meisten Schäden beseitigt - bis auf die kaputten Telefonkabel. Dafür mussten Techniker der Telekom kommen. Und die kamen nicht.

In Dettnach bei Kastl war ein Baum auf eine Leitung gefallen. 29 Bürger hatten keinen Anschluss. Der Dettnacher Martin Wiesend versuchte, der Telekom den Schaden zu melden und telefonierte sich durch Anrufbeantworter und wechselnde Ansprechpartner bei Call-Centern. Am 7. November kam ein Monteur. Der war aber nur für unterirdische Leitungen ausgestattet. Der nächste Termin: der 22. November. Wiesend reichte es. Er sprach mit Bürgermeister Stefan Braun. Der fand, die Telekom sollte eigentlich wissen, welche Leitungen sie verlegt hat. "Solche Wartezeiten sind kein Einzelfall", sagt Braun. "Ein Bauhofmitarbeiter hat einmal eine Leitung beschädigt, da haben wir auch drei Wochen gewartet."

Plötzlich geht's schnell

Fast vier Wochen ohne Festnetzanschluss, das war für den Kastler Bürgermeister ein unhaltbarer Zustand. Da die Gemeinde im Breitband-Förderprogramm der Staatsregierung ist, hat er einen Kontaktmann bei der Telekom. Er erreichte ihn am gleichen Tag. "Ich dachte, der ist ein Abteilungsleiter, der weiß, wen ich fragen muss, um weiterzukommen." Er bekam die Handynummer eines Kollegen bei Deutsche Telekom Technik GmbH in Regensburg. "Zu meiner kompletten Überraschung hat er mich zurückgerufen", sagt Braun. Sein Ansprechpartner zeigt Verständnis. "Am gleichen Tag wurde alles vollständig erledigt." Der zuständige Mitarbeiter in Regensburg rief sogar mehrmals an, ob denn die Monteure schon da seien.

"Es kann nicht sein, dass da die Politik reagieren muss, damit ein Ottonormalverbraucher seine Probleme lösen kann", findet der Bürgermeister. "Der normale Vorgang wäre: Ich rufe bei der Schadstelle an und dann wird der Schaden innerhalb von fünf Tagen repariert. Früher hat man ja die Leute gekannt." Andere Bürgermeister hätten ihm erzählt, dass sie teilweise auch schon vier Wochen hätten warten müssen.

Es kann nicht sein, dass da die Politik reagieren muss.Bürgermeister Stefan Braun (CSU), Kastl

90 Minuten Warteschleife

In Höhengau (Markt Hahnbach) ereignete sich Ähnliches: Sturm Hervarth entwurzelte einen Baum, der das Telefonkabel durchtrennte. Von 29. Oktober bis 18. November waren die Bürger ohne Telefon. Bei der Telekom wusste wohl zunächst keiner von dem Schaden. Hans Schmidl begann, zu telefonieren. 45 Minuten in der Warteschleife seien normal gewesen, der Rekord war 90 Minuten. Am 11. November sollten Techniker kommen, aber die kamen nicht. "Da wird mir ganz anders, wenn da wirklich was ist", sagt Schmidl. "Da wohnen ältere Leute, da ist mein Schwiegervater, der hat kein Handy. Das ist so, wie wenn ich an einem Unfall vorbeifahre."

Schmidl wandte sich an Oberpfalz-Medien. Die Redaktion schickte am Freitag, 17. November, eine Kurznachricht an die Telekom. "Das Unternehmen zur Störungsbeseitigung ist informiert. Mit viel Glück kommt heute noch ein Bautrupp, aber wohl eher morgen", lautete die Antwort. Für Schmidl nicht nachvollziehbar. Plötzlich könne abends noch ein Trupp losfahren. "Fakt ist, sie sind am Samstag gekommen und haben das Kabel repariert", sagt er. Schmidl ist allerdings über den Vorgang richtig sauer. Er könnte noch andere Geschichten erzählen. "Ich bin mit denen noch lange nicht fertig."

Schwer erreichbar

Oberpfalz-Medien fragte bei der Pressestelle der Telekom nach. Unser Medienhaus wollte wissen, wie lange eine Reparatur defekter Telefonkabel üblicherweise dauert, wie sich Bürger im Schadensfall unkompliziert an die Telekom wenden können und ob bei einem Ausfall den Kunden ihre Anschlussgebühren gutgeschrieben werden. Weiterhin interessierte uns, wie es mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung vereinbar ist, wenn die Telekom erst auf politischen Druck oder auf Druck der Medien Leitungen repariert.

Da wohnen ältere Leute, da ist mein Schwiegervater, der hat kein Handy. Das ist so, wie wenn ich an einem Unfall vorbeifahre.Hans Schmidl, Geschädigter

Die Antwort der Telekom war knapp: "Nicht nur in der Oberpfalz gab es Sturmschäden", erklärte Pressesprecher Markus Jodl und verwies auf einen Artikel über Sturmschäden in Deutschland. Oberpfalz-Medien hakte nach, versuchte, ein Telefonat zu arrangieren. Die letzte Auskunft: "Wir halten Daten über Sturmschäden für die externe Kommunikation nicht zu jedem Unwetter aufgeschlüsselt nach Landkreisen, Bundesländern, Verbreitungsgebieten von Zeitungen etc. vor." Kunden könnten sich im Schadensfall schriftlich, per Hotline oder über das Internet melden.

Schmidl hat inzwischen bei der Telekom angerufen, um seinen Schaden geltend zu machen. "Die waren sehr freundlich", sagt er. "Irgendwie bin ich gleich ohne Warteschleife durchgeleitet worden. Die haben mir zugesagt, dass ich eine Entschädigung bekomme und die drei Wochen nicht bezahlen müsste." Bis jetzt hat Schmidl das Geld noch nicht erstattet bekommen. "Aber ich gehe davon aus, dass das funktioniert. Das ist ja das Mindeste."

Welche Rechte haben Verbraucher

Die Bundesnetzagentur unterstützt bei Konflikten mit Telekommunikationsunternehmen. Pressesprecher Michael Reifenberg gibt Antworten.

Manche Bürger warteten nach der Beschädigung einer Leitung bis zu drei Wochen auf die Reparatur. Was kann ich als Verbraucher tun, wenn die Telekom nicht handelt?

Michael Reifenberg: Bei Problemen sollten Verbraucher auf die Unternehmen zugehen. Sie sollten sie zur Klärung innerhalb einer Frist auffordern. Muss die Telekom nicht auch eine Grundversorgung leisten?

Es gibt im Telekommunikationsgesetz den Anspruch auf einen Anschluss ans Festnetz. Anspruchgegner ist derzeit die Telekom, als einziges Unternehmen. Wie schnell repariert werden muss, ist im Zivilrecht geregelt. Da gibt es keine Sonderregeln. Habe ich einen Anspruch, dass meine Leitung innerhalb einer bestimmten Frist repariert wird?

Die Konditionen der Störungsbeseitigung ergeben sich aus den Geschäftsbedingungen, den Leistungsbeschreibungen und den Preislisten des Vertrages. Geschäftskunden haben oft eine vertragliche Vereinbarung, dass innerhalb von etwa 7 oder 24 Stunden Dienste wieder zur Verfügung gestellt werden. Firmen sind nicht nur auf die Telefonverbindung, sondern auch auf die Abwicklung von Geschäften darüber angewiesen. Was kann ich tun, wenn ich mich mit meinem Anbieter nicht einige?

Es besteht die Möglichkeit eines Schlichtungsverfahrens bei der Bundesnetzagentur. Das ist ein außergerichtliches Verfahren zur Streitbeilegung. Der Schlichterspruch ist für die Parteien nicht verbindlich. Ihnen steht der weitere Rechtsweg offen. Die Schlichtung ist für die Parteien kostenfrei. Ob die Voraussetzungen für die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens erfüllt sind, kann anhand einer Checkliste geprüft werden. (dko)

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