08.01.2018 - 20:02 Uhr
Oberpfalz

Tierheim platzt aus allen Nähten Wer zahlt für Tierheim-Neubau?

"Die Kaninchen stapeln wir schon. Das Tierheim ist einfach zu klein für das, was der Landkreis an Tieren so hergibt." Sabine Falk wüsste, wie Abhilfe zu schaffen ist. Aber sie weiß nicht, wer das bezahlen kann.

Auf der Wiese vor den Hundezwingern sollen die neuen Teile des Tierheims entstehen, wenn es nach dem Willen von Sabine Falk (rechts) geht. Den alten Hunde- und den Kleintiertrakt könnte man dann abreißen. Links Mitarbeiter Stefan Udrea, der den Mischling Shadow an der Leine hat. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

658 Tiere hat das Heim, das am Stadtrand, aber schon auf Ursensollener Gebiet steht, 2017 aufgenommen. Dabei sind die 2000 Mäuse gar nicht eingerechnet, die von einem im Oktober aufgeflogenen illegalen Tiertransport stammen. Sabine Falk, die Vorsitzende des Tierschutzvereins für Amberg und Amberg-Sulzbach, hat für die Jahresbilanz nur das Alltagsgeschäft gezählt. Und da sind auch 70 Kaninchen gar nicht eingerechnet, die nach diversen Notfällen gleich vom Verein "Kaninchenhoffnung" übernommen wurden.

Aktuell beherbergt das Heim 9 Hunde, 42 Katzen und 40 Kaninchen. Fundhunde haben die größte Chance, von ihrem Besitzer abgeholt zu werden. Im vergangenen Jahr kam das bei 67 aufgenommenen Hunden 54-mal vor, bei 306 Fundkatzen lediglich 38-mal.

Das Heim nahm 2017 über ein Drittel mehr Tiere auf als in früheren Zeiten. Finanziell ist es damit quasi zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden, denn damit stiegen auch die Kosten für Personal, Futter, Müllgebühren oder Tierarzt. Mit rund 300 000 Euro Ausgaben im Jahr rechnet Sabine Falk. Die Fundtierpauschale der Kommunen (ein Euro pro Bürger) bringt Einnahmen von etwa 140 000 Euro. Der Rest muss durch Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie Vermittlungs- und Abgabegebühren reinkommen.

"Es ist jedes Jahr schwierig, mit den Einnahmen hinzukommen", sagt die Vorsitzende. Deshalb ist sie einigermaßen ratlos, wie das mit den notwendigen Baumaßnahmen am Tierheim klappen soll. Schon der Vorstand des Tierschutzvereins, der vor Sabine Falks Team am Ruder war, hat vor etlichen Jahren eine Planung für einen Neubau erstellen lassen. Da lagen laut Falk die Baukosten bei 2,6 Millionen Euro und die Unterhaltskosten bei 850 000 Euro im Jahr.

"Unser Plan kommt jetzt mit 1,8 Millionen an Baukosten aus, obwohl die seit der ersten Planung um 40 Prozent stiegen." Die Unterhaltskosten sollen die 300 000 Euro nicht übersteigen - "das ist ein ganz zentraler Aspekt bei unserer Planung, es muss ja hinterher alles unterhaltbar sein". Ganz dringend brauche man Bauten für Hunde und Kleintiere (für beide gibt es aktuell keine Quarantäne) sowie Sozialräume für die Mitarbeiter, vor allem Duschen. Das jetzige Hunde- und das Kleintierhaus sollen dann abgerissen werden.

Sabine Falk wird die alten und die neuen Pläne demnächst allen Bürgermeistern der Region vorstellen und ihnen erläutern, dass der Tierschutzverein die Baukosten nicht übernehmen kann. Bis eine Reaktion kommt, hängt sie in der Luft: "Wir wissen nicht, wie es weitergeht."

Tierheim-Bilanz

2017 nahm das Tierheim 658 Tiere auf. Davon waren:

Fundtiere 406

Abgabetiere 113

Sozialtiere (Tierheim trägt Kosten vollkommen alleine) 121

im Heim geboren (vor allem Kaninchen) 13

beschlagnahmt (durch das Veterinäramt) 5

aufgenommene Arten

Hunde 67

Katzen 306

Kleintiere 16

Vögel 10

Wildtiere 6

Reptilien 1

Wie es weiterging

vermittelt 291

abgeholt 92

gestorben 67

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