20.10.2017 - 12:46 Uhr
Oberpfalz

Tierschützer kämpfen mit Folgen des illegalen Transports auf A6 Tierheim braucht dringend Hilfe

Es fehlt an Käfigen, Mäusefutter und Personal: Das kleine Amberger Tierheim hat mit den Folgen des illegalen Tiertransports zu kämpfen, der am Sonntag auf der A 6 entdeckt worden ist. Noch immer betreuen die Ehrenamtlichen Tausende Mäuse und Hunderte Ratten. "Es ist der absolute Wahnsinn", sagt die Vorsitzende Sabine Falk.

von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Hinter Sabine Falk und den Ehrenamtlichen des Tierheims liegen anstrengende Tage und Nächte. Vorbei ist es aber noch lange nicht: Denn nach dem Fund des größten illegalen Tiertransports, der jemals in Deutschland aufgegriffen wurde, herrscht in Gailoh "der absolute Wahnsinn", wie es die Vorsitzende des hiesigen Tierschutzvereins formuliert. "Unser kleines Tierheim leistet Unheimliches. Fast ist es nicht zu schaffen. Das sprengt einfach alles, das ich bisher erlebt habe."

Vor vier Tagen hatte die Verkehrspolizei einen tschechischen Kastenwagen entdeckt, der bis unter die Decke mit Tieren - eingepfercht in schmalen Holzkisten - beladen war. Darunter befanden sich Exoten wie Chinchillas, Axolotl und Chamäleons. Aber eben auch Nager wie Hamster, Ratten, Meerschweinchen und Mäuse. Wenn Tierschützerin Falk darüber nachdenkt, wie die Tiere transportiert wurden, wird sie wütend. "Jeder Zentimeter in diesem Wagen wurde ausgenutzt." Sogar Säcke voller Pferdefutter verdeckten die Gitter der unten geladenen Tiere - die Luft muss knapp gewesen sein.

Sämtliche Tiere wurden außerdem in Holzkisten gequetscht, die ein und dieselbe Größe hatten. "Egal, ob es in der Box zwischen 60 und 70 Mäuse waren oder ein ausgewachsenes Chinchilla." Die Eigentümer seien mit den Tieren umgegangen, als wären es keine Lebewesen, kritisiert sie. "Es schien auch egal gewesen zu sein, ob die Tiere lebendig am Ziel ankommen." Auch der Fahrer des tschechischen Transporters zeigte kein Mitleid, als er aufflog. "Er hat gesagt, dass er nur seine Arbeit mache und blieb total gleichgültig."

Dehydrierte Nager

Mitarbeiter eines Tierheim, die noch in der Nacht Kaninchen aus Amberg holten, berichteten Falk von einem besonders tragischen Fall: "Die Tiere waren völlig dehydriert. Minutenlang sollen die Kaninchen getrunken haben. Für einen Nager ist das völlig untypisch."

Auch die Ehrenamtlichen in Amberg hatten bemerkt, dass die Tiere seit langer Zeit kein Wasser bekommen hatten. "Schlimm ist, dass die Mäuse und Ratten so eng in den Boxen eingepfercht waren, dass durch den Urin und die gegenseitige Körperwärme die Kisten anfingen, zu überhitzen." Daher war die vordringlichste Arbeit der Amberger, die Mäuse und Ratten aus den Kisten zu befreien, um sie richtig versorgen zu können. Eine Tierärztin hilft nun, das Geschlecht zu bestimmen, damit die Nager getrennt untergebracht werden können. Das Problem: "Uns fehlt es an geeigneten Käfigen, Mäusefutter und flachen Wasserschalen." Falk bittet daher die Tierliebhaber in der Region um ihre Mithilfe. "Wir bräuchten auch noch Klopapierrollen zum Spielen - und natürlich Freiwillige, die uns bei der Versorgung unterstützen", appelliert sie. Die bereits tätigen Helfer schuften schon bis weit nach Mitternacht für das Wohl der Tiere.

Noch in der Nacht da

Bei allem Stress und Wut findet Falk allerdings auch lobende Worte - für die Ehrenamtlichen vieler Tierheime in der Region und auch weit darüber hinaus, die schnell ihre Hilfe anboten. Noch in der Nacht zum Montag seien Vertreter aus Hersbruck, Feucht, Dachau und sogar aus Wunsiedel sowie Dingolfing gekommen, und hätten die vielen Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster zur Versorgung mitgenommen. In den Tagen danach meldeten sich weitere acht Heime - darunter Weiden und Nürnberg. "Selbst aus Berlin haben wir Hilfe angeboten bekommen. Dorthin gehen einige Mäuse, genauso wie nach Mainz und Ingelheim." Die Tiere sind aber nach wie vor nicht von der Staatsanwaltschaft freigegeben, erklärt Falk. "Wir dürfen die Tiere daher nur an Heime abgeben, die zum Tierschutzbund gehören."

Auch wenn Sabine Falk und ihre vielen Helfer schon einige Nächte über den Fund schlafen konnten, so richtig begriffen habe sie die Dimension noch immer nicht. "Ich denke nicht nach, ich muss zurzeit nur handeln." Dann macht sie eine kurze Pause und fragt sich: "Der Transport am Sonntag wird nicht der erste und nicht der letzte gewesen sein. Was ist da noch alles auf unseren Autobahnen unterwegs, wovon wir gar nichts wissen?"

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