11.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Tour durch 716 Hektar Stiftungswald Wald-Gesetz aus dem Jahr 1310

Diese Tour gibt es eher selten: An fünf Stationen werden Zukunftsvisionen der Förster und Geschichten aus Ambergs Historie erzählt. Im Zuge der 700-Jahr-Feier des Bürgerspitalstifts führten Martin Seits, Pascal Kölbl und Reiner Busch durch den Stiftungswald.

Pascal Kölbl, der Revierleiter des Bürgerspitalstiftung-Waldes, Reiner Busch und Martin Seits vom Amberger Forstamt am Mariahilfberg präsentieren das Denkmal, das anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stiftung entstanden ist. Karl-Heinz Stoiber hat es aus einem Stück geschnitzt. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg. (dwi) Vor 1000 Jahren war das Land in und um das heutige Amberg größtenteils unkultiviert und unbesiedelt. Lediglich am Fuß des Mariahilfbergs bildete sich die erste Gemeinschaft. Laut dem germanischen Recht waren Wald und Gewässer der Allgemeinheit zugeschrieben.

Heutige Ortsnamen sind ein Hinweis auf die damaligen Kommunalwälder und deren Baumarten - wie Fichtenhof oder Tannlohe. Kiefern, Föhren, Fichten und Tannen sprossen aus dem nahrhaften Boden. Mit der Eisenerzgewinnung begann jedoch die Waldrodung für Grubenholz als Pfeiler und für Holzkohle. Alte Schlackenfelder zeigen die damaligen Waldschmieden in Witzlhof und am Haidweiher. Aber auch am Schrannenplatz wurde Holz verarbeitet. Amberg wuchs zu einer ehrbaren Industriestadt des Mittelalters heran. 5000 Kubikmeter Holz pro Jahr wurden Tag und Nacht verarbeitet.

Drastische Strafe

Anno 1310 bemerkten die Amberger die sukzessive Übernutzung ihrer Wälder, und das erste urkundlich bekannte Naturschutzgesetz wurde erlassen: Der Waldbann war ein acht bis zehn Kilometer langer Gürtelstreifen um die Stadt. Fünf Pfund Regensburger Pfennige war die Strafe, wenn innerhalb des Streifens gerodet und das Holz verkauft wurde. Zum Vergleich kostete zu dieser Zeit eine Mahlzeit im Gasthof drei Pfennige.

Vier Jahre später wurden im deutsch-römischen Reich der Wittelsbacher Ludwig IV. und der Habsburger Friedrich gekrönt. Vielleicht war es das schlechte Gewissen angesichts des Thronstreits, das Ludwig den Bayern dazu veranlasste, 1317 Amberg ein Bürgerspital zu stiften, um im Jenseits gut anzukommen. Immerhin hat er somit den Grundstein für den Landbesitz der Einrichtung gelegt. Er überließ der Stiftung den Hof von Aschach. Das Spital hat von Schenkungen gelebt. Um einen Platz im Alter zu bekommen, wurden Verträge geschlossen. Die Rechte am eigenen Besitz, auch Wald und Weiden, wurden ans Spital abgegeben. 1850 waren es 300 Hektar Grund - heute hat der Bürgerspitalstiftungswald eine Größe von 716 Hektar. Natürlich kann diese Fläche in zwei Stunden nicht begutachtet werden, aber dennoch boten die städtischen Förster Informationen über das Absterben und Aufleben des Amberger Waldgebietes, aber vor allem über die Geschichte des Bürgerspitalstiftungwaldes: Der Förster vom Wagrain, der seinerzeit als Holzdieb enttarnt worden war, zudem Kastners Almosen-Holz, das Büschelpelzen, warum der Dreißigjährige Krieg gut für den Wald war und wie der gemeine Drahtwurm katastrophale Schäden auf den Feldern verursacht hat.

"Wertschätzung fehlt"

Außerdem sahen die Waldbesucher ein süddeutsches Kaltblut beim mittelalterlichen Stämmeziehen, und der Fortschritt der Sägen wurde erklärt. Auch über die Zukunft und den Erhalt des Waldes wurde gesprochen. Das Forstwesen ist der zweitgrößte Arbeitgeber Bayerns. Und dennoch werde es in Sachen Förderung gegenüber der Landwirtschaft stark benachteiligt. "Da fehlt einfach die Wertschätzung", sagte Martin Seits.

Noch zwei Termine

Noch zweimal gibt es die Chance anlässlich der 700-Jahr-Feier des Bürgerspitalstifts Waldluft zu schnuppern und den Forst zu erkunden: Freitag, 15. September, 17 bis etwa 19.30 Uhr, und Samstag, 16. September, von 10 bis circa 12.30 Uhr. Treffpunkt ist am Parkplatz des Hockermühlbads. Wer mitgehen möchte, zahlt zehn Euro. Anmeldungen sind nur per E-Mail an forstamt[at]amberg[dot]de möglich. (dwi)

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