Trotz Frau und Kind in Amberg
Kosovo-Albaner muss zurück in die Heimat

Symbolbild: dpa

Er konnte Frau und Töchterchen umarmen. Doch das Familienglück wird wohl nur von kurzer Dauer sein. Denn nach seiner vom Landgericht angeordneten Entlassung aus der U-Haft muss ein 29 Jahre alter Kosovare innerhalb von zwei Wochen in seine Heimat zurück.

Amberg. (hwo) Der Fall hatte im Januar schon einmal das Amtsgericht beschäftigt. Er begann damit, dass ein Kosovo-Albaner in die Bundesrepublik einreiste, hier Asylantrag stellte und in Amberg eine Frau kennenlernte. Nach einer amtlich erfolgten Ablehnung wurde der Mann am 23. Juni 2015 per Sammeltransport in seine Heimat abgeschoben.

Seine Lebensgefährtin reiste nach, heiratete ihn und kehrte nach Amberg zurück. Zwischenzeitlich war sie schwanger. Daraufhin kam der abgelehnte Asylbewerber erneut in die Oberpfalz. Diesmal illegal. Seine Frau nahm ihn auf. Über Monate hinweg lebte der Kosovare unentdeckt in ihrer Wohnung. Dann allerdings kam es zu Meinungsverschiedenheiten wegen eines durchtrennten Waschmaschinenkabels. Die Polizei erschien und nahm den 29-Jährigen am 16. September vergangenen Jahres fest. Danach wurde Haftbefehl erlassen. Kurz vor Weihnachten brachte die Frau ein Mädchen zur Welt.

Wegen illegaler Einreise

Heuer im Januar wurde der Mann wegen illegaler Einreise vor das Amtsgericht geführt. Dort bekam er zehn Monate ohne Bewährung. "Zu hoch", wie sein Verteidiger nun in der Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer des Landgerichts befand. Die näheren Umstände mussten nicht mehr erörtert werden. Denn der Angeklagte beschränkte seinen Einspruch auf das Strafmaß.

"Sie sind zwischenzeitlich sieben Monate in Haft", stellte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber fest und ließ erkennen, dass nach Auffassung der Strafkammer diese Zeit hinter Gittern durchaus zur Ahndung des Delikts genüge. Gleichzeitig aber verlas die Richterin eine Weisung der Ausländerbehörde des Landratsamts Amberg-Sulzbach. Darin stand zu lesen: "Nach der Haftentlassung müssen Sie Deutschland innerhalb von zwei Wochen verlassen." Das nahm der Familienvater zur Kenntnis und versicherte, er werde das tun.

Aber auf freiem Fuß

Für die Staatsanwaltschaft blieb Anklagevertreterin Barbara Tutsch bei der Forderung nach zehn Monaten Haft ohne Bewährung. Nach dem nur knapp einstündigen Verfahren aber entschieden sich die Richter für sieben Monate Gefängnis und setzten den Angeklagten per Anordnung noch im Gerichtssaal auf freien Fuß.

Verheiratet und Vater

Die Ehefrau des Kosovaren war da. Sie hatte das nur wenige Monate alte Töchterchen mitgebracht. Der Angeklagte konnte beide in die Arme nehmen. Allerdings wird das Familienglück wohl nur zwei Wochen dauern. Dann muss der 29-Jährige zurück nach Albanien. Die Frage stellte sich, ob er eine Chance zur Rückkehr hat. Sein Anwalt machte ihm Mut.

In seiner Heimat seien nun Gespräche mit der deutschen Botschaft zu führen. Womöglich gibt sie ihm angesichts der Sachlage und im Sinne einer Zusammenführung das gewünschte Visum. Eine Prognose in diese Richtung zu stellen, sei nicht Sache der Justiz, ließ Richterin Roswitha Stöber erkennen. Ihre Feststellung ging einher mit der eindringlichen Warnung: "Wenn Sie jetzt Deutschland nicht binnen zwei Wochen verlassen, liegt erneut ein strafbarer Tatbestand vor."

Wenn Sie jetzt Deutschland nicht binnen zwei Wochen verlassen, liegt erneut ein strafbarer Tatbestand vor.Richterin Roswitha Stüber zu dem Kosovo-Albaner
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