19.10.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Unbekannter befestigt Stahlbolzen an Pflanzen Sabotage am Acker: Maisbauern fliegen Messer um die Ohren

Als sich Bernhard Hüttner (22) am vergangenen Samstag daran machte, das von seinen Eltern gepachtete Maisfeld im Hirschwald (Kreis Amberg-Sulzbach) abzuernten, flogen ihm nach wenigen Minuten buchstäblich die Messer um die Ohren. Ein Stahlbolzen war ins Häckselwerk geraten und riss die Schneidwerkzeuge, die eigentlich die Pflanzen schreddern sollen, aus der Verankerung. Sie flogen durch den Auswurfturm und schlugen auf dem Dach des Traktors ein.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Das ist lebensgefährlich", sagt Vater Johannes (46) und blickt am Freitagnachmittag auf dem Acker ratlos um sich. Seit 4. Oktober ist die Familie Hüttner, die im Amberger Ortsteil Lengenlohe einen Bauernhof betreibt, Ziel mehrerer Anschläge eines Unbekannten. Der Täter geht immer nach dem gleichen Muster vor: Er befestigt etwa 20 bis 30 Zentimeter lange Stahlbolzen an den Maispflanzen. Wenn dann bei der Ernte der Häcksler die Gewächse ins Schneidwerk zieht, kommt, richten die Metallteile im Innern der Geräte immensen Schaden an. Fünf Fälle brachten die Hüttners zwischen 4. Oktober und Donnerstagabend bei der Polizei zur Anzeige. Viermal wurden die Maschinen zerstört, in einem Fall verhinderte einer der vier Söhne schlimmeres, weil er einen Bolzen vorher entdeckt hat. "Allein der Schaden an der Technik dürfte mittlerweile an die 100 000 Euro" betragen", sagt Vater Hüttner. Noch nicht eingerechnet ist der Verlust, der durch den Zeitverzug und den Ernteausfall entsteht. Etwa ein Drittel der Maisernte verfüttert der Landwirt an seine Rinder. Zwei Drittel liefert er an eine große Biogasanlage im Gemeindebereich von Kastl.

Mit Sensoren im Feld

Der Lohnunternehmer, den Hüttner verpflichtet hatte, lehnt weitere Einsätze mit seinem großen, selbstfahrenden Maishäcksler ab, nachdem die Maschine zwei Mal von den Sabotageakten betroffen war. Etwa 70 Hektar Mais müssen aber noch geerntet werden. Also kaufte die Familie Anfang der Woche ein eigenes Gerät, das am Heck des Traktors angebracht werden kann. "Ich fürchte, dass wir noch einen weiteren Häcksler brauchen", sagt Hüttner.

Die ganze Familie, Freunde und Bekannte sind nun auf den Beinen, um weitere Anschläge zu verhindern. "Wir sind jetzt Tag und Nacht im Einsatz", erzählt Sohn Michael (20), der gerade das Mittagessen auf den Acker bringt. Von Sägewerken aus der Umgebung hat die Familie drei Splittersuchgeräte ausgeliehen. Bevor die Hüttners jetzt mit der Ernte beginnen, suchen sie mit den Sensoren Schnittreihe für Schnittreihe ab.

Einen Verdacht hat der Betriebschef nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, wer so etwas macht." Möglicherweise hat sich der Täter von einem Fall in Weiden "inspirieren" lassen. Auf einem Feld bei Rothenstadt fand ein Landwirt am 25. September ebenfalls ein Metallteil an einer Maispflanze. Schaden entstand damals nicht. Johannes Hüttner will nur, dass der Spuk aufhört. Die Anschläge gehen an die Substanz - nervlich und materiell. "Wir müssen den Täter finden. Denn einer muss für den Schaden aufkommen", sagt er. Der Bauer hat eine Belohnung in Höhe von 10 000 Euro ausgesetzt. Die Polizei nimmt Hinweise unter Tel. 09621/8900 entgegen.

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Weitere Bilder im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/maisfeld

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