Ungewöhnliches Urteil des Jugendschöffengerichts
Sohn raucht Marihuana: Mutter soll ins Gefängnis

(Foto: dpa)
 
Peter Jung, Vorsitzender des Jugendschöffengerichts. Bild: Huber

Das Ergebnis war völlig ungewöhnlich. Die Richter schickten eine 34-Jährige für drei Jahre hinter Gitter, weil sie Minderjährigen das Rauchen von Marihuana erlaubt haben soll. Auch ihrem Sohn.

Amberg. (hwo) Staatsanwalt Holger Vogl war erstaunt und Verteidiger Jürgen Mühl zürnte. Eine solche Entscheidung hatten beide eigentlich niemals zuvor erlebt. Denn das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung ignorierte die von beiden nach mehrstündigem Prozess gehaltenen Plädoyers und kam zu einem Urteil, das in solch drastischer Form niemand vermutet, ja noch viel weniger erwartet hätte.

Hintergrund: Die auf der Anklagebank sitzende 34-Jährige sollte ihrem damals 14 Jahre alten Sohn und dessen Freund (15) in ihrer Wohnung einen Marihuana-Joint zum Rauchen gegeben haben. Die Frau bestritt das. Im Prozessverlauf wurde deutlich, dass der 14-Jährige in einem Überraschungsei Tabak gebunkert hatte. Die Frau sah wohl auch, wie sich der Junge daraus eine Zigarette drehte und sie bekam nach eigenen Angaben mit, dass der zu Besuch in die Wohnung gekommene Freund ihres Sohnes ein paar Züge von diesem Glimmstängel nahm. Eigentlich, wie sie vor Gericht verlauten ließ, sehr zu ihrem Missfallen.

Angeblich "nur Tabak"


"Nur Tabak", behauptete der Sohn und befand sich damit im Einklang mit seiner Mutter. Der Freund war anderer Meinung. Da sei wohl auch eine gewisse Menge Marihuana mit dabei gewesen, ließ er anklingen. Selbst wenn dem so gewesen wäre, erhoben sich die Fragen: Konnte das die Mutter wissen? Gab sie vorsätzlich Minderjährigen Rauschgift?

Sie bestritt und ließ über ihren Anwalt wissen, von Marihuana keine Ahnung gehabt zu haben. Noch viel weniger wollte sie am fraglichen Tag an dem angeblichen Joint mitgeraucht haben. In seinem Plädoyer zeigte sich der Staatsanwalt überzeugt davon, dass die 34-Jährige von dem Marihuana in dem kleinen Plastikbehälter wusste. Mit Blick aber auf den Umstand, dass die Frau bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, beantragte er ein Jahr Haft zur Bewährung. Im Gegensatz dazu forderte Jürgen Mühl Freispruch. Seine Mandantin habe weder ihrem Sohn noch dem Freund Marihuana gegeben. Sie sei ahnungslos gewesen. Das Jugendschöffengericht kam zu einer gänzlich anderen Auffassung. Es schickte die Frau drei Jahre hinter Gitter und argumentierte, die 34-Jährige habe sehr wohl das Rauschgift an zwei Minderjährige abgegeben. Unmittelbar nach dem für ihn "unfassbaren Urteil" legte Anwalt Mühl Berufung zum Landgericht ein. Dort wird nun eine Jugendkammer den Fall erneut aufrollen müssen.

Auch Junior angeklagt


Warum saß eine 34-Jährige vor dem Jugendschöffengericht? Dafür gibt es eine juristische Erklärung. Sie war zunächst zusammen mit ihrem 14-jährigen Sohn angeklagt. In solchen Fällen obliegt die Entscheidung den Jugendrichtern, auch wenn ein Erwachsener dabei ist. Die Frau lag allerdings beim ersten Termin im Krankenhaus. So wurde das Verfahren in ihrer Sache abgetrennt. Dennoch musste sie, weil es das Gesetz so will, bei der Neuauflage vor dem Jugendschöffengericht erscheinen.

Ob ihr Sohn wegen des angeblichen Joints geahndet wurde, ist nicht bekannt. Gegen ihn lief der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
5 Kommentare
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Wolfgang Junak aus Amberg in der Oberpfalz | 10.05.2017 | 13:02  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 10.05.2017 | 16:37  
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Elmar Dylong aus Deuerling | 10.05.2017 | 22:38  
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Markus Ritter aus Amberg in der Oberpfalz | 15.05.2017 | 20:55  
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Paul Wieland aus Regensburg | 21.05.2017 | 04:21  
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