30.08.2017 - 11:00 Uhr
Oberpfalz

Unter dem Amtsgericht liegt ein historischer Keller Spinnweben und Hightech

Ludwig Stich hatte vorher schon gewarnt: Alt, feucht und schmutzig sei er, der Keller unter dem Amtsgericht. Trotzdem steigt der Amtsgerichtsdirektor mit hinunter in das Reich der Spinnweben und des bröckelnden Mauerwerks. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht.

Direktor Ludwig Stich (rechts) und Justizwachtmeister Herbert Breitkopf kennen sich aus in den Katakomben.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Über eine ausgelatschte Treppe geht es in den Keller, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eine zentrale Rolle gespielt haben soll. Dort befand sich im Angesicht der anrückenden Amerikaner die Kommandozentrale um Bürgermeister Sebastian Regler. Ein primitiver Luftschutzbunker quasi, in dem die Führung der Stadt das Ende des Kriegs abgewartet hat.

In den unterirdischen Räumen am Paulanerplatz weist fast nichts mehr auf diese Zeit hin. Oder doch? In einer Ecke steht in alter Frakturschrift "Notbeleuchtung" an die Wand geschrieben. Und dort eine Granitstufe, die zu einem der Kellerfenster führt. Das könnte ein Notausstieg aus dieser Zeit sein. "Hier wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel gemacht", sagt Justizwachtmeister Herbert Breitkopf, der seit langer Zeit seinen Dienst im ehemaligen Paulanerkloster versieht. Bröckelnder Putz, Feuchtigkeit, Spinnweben, ein alter Schrank mit Schachbrettmuster - mehr ist hier nicht zu sehen. Dazwischen moderne Kabelschächte, die davon erzählen, dass das Amtsgericht in den vergangenen Jahren einen enormen Sprung in die Zukunft gemacht hat. Die digitale Akte, so sagt es Direktor Ludwig Stich, ist gar nicht mehr so fern. Apropos Akten. Herbert Breitkopf öffnet eine Stahltür, die in einen anderen Teil des weitläufigen Kellers führt. Hier ist alles schon wesentlich gepflegter.

In einem langen Gang lagern auf Paletten geschlichtet und in Plastikfolie eingewickelt Unmengen von Akten. "Das ist das Lose-Blatt-Grundbuch", sagt Stich. Die Akten sind längst digitalisiert, aber weil im Keller des Amtsgerichts reichlich Platz war, hat man sie vorsichtshalber mal aufgehoben. "Aber gebraucht hat sie seither keiner mehr", sagt der Amtsgerichtsdirektor und schmunzelt.

Weiter geht es in einen sauber geweißten Raum, in dem eine richtige Registratur steht. Ein großer Luftentfeuchter sorgt Tag und Nacht für das passende Klima. "Diesen Bereich des Kellers kann man dann auch richtig vernünftig nutzen", sagt Stich, der den Rundgang gerne auf das Nebengebäude an der Baustadelgasse ausdehnt. Während das Amtsgericht in den Jahren 1696 bis 1702 von Wolfgang Dientzenhofer als Paulanerkloster erbaut worden ist, diente der um die Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert erstellte Nebenbau lange als Militärlazarett.

Später dann zog hier die Polizei ein. Drei Zellen im Keller zeugten bis vor kurzen noch von dieser vergangenen Zeit. "Da hinten haben wir übrigens auch noch ein Leichenhaus", verweist der Amtsgerichtsdirektor auf die Lazarettgeschichte. "Und wo heute die Bewährungshelfer sitzen, war die Isolierstation." Jetzt steht im alten Zellentrakt ebenfalls eine moderne Registratur. Der Keller hier ist normalerweise sehr trocken, nur bei Hochwasser säuft er manchmal ab. "Für den Fall haben wir hier einen Pumpensumpf eingebaut", weiß Herbert Breitkopf zu berichten.

Vorbei geht es an der Baustelle für den Aufzug, die an diesem Tag gerade mal verwaist ist. In diesem Keller wird jeder Quadratmeter genutzt und belegt. Vorsichtshalber wurden die untersten Regalbretter ein bisschen höher angebracht, damit die Akten, die teilweise über Jahrzehnte aufbewahrt werden müssen, diese Zeit auch unbeschadet überstehen. Dann geht es auch schon wieder hinaus ans Tageslicht.

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