09.05.2017 - 16:54 Uhr
Oberpfalz

US-Soldaten proben den Ernstfall Black Hawk auf Klinikum-Dach

Samstag, später Vormittag: Eine Explosion auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr. Zwei Soldaten werden schwer verletzt. So schwer, dass sie in der Health Clinic von Grafenwöhr zwar erstversorgt, aber dann zur Weiterversorgung in das Klinikum St. Marien geflogen werden müssen - als Teil einer internationalen Übung.

Für die Bergkirche im Hintergrund haben die Soldaten und Sanitäter keinen Blick. Obwohl es sich nur um ein Training handelt. In dieser Szene wird der erste Verletzte von den Amerikanern aus dem Hubschrauber gebracht. Bilder: exb (2)
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Amberg/Grafenwöhr. (tk) Um 11.12 Uhr trifft die Mitteilung der Integrierten Leitstelle am Klinikum ein: "Zwei Schwerstverletzte, einer davon intubiert. Beide haben Explosionsverletzungen mit Granatsplittern und lebensgefährlichen Verletzungen."

Ärzte und Pflegekräfte bereiten laut einer Pressemitteilung alles Nötige vor: Das Team der Notaufnahme, Anästhesisten, Chirurgen, Radiologen, aber auch das Labor und das OP-Team stehen beim Eintreffen der Patienten bereit. Um 11.43 Uhr landet ein Black-Hawk-Hubschrauber der US-Army mit beiden Verletzten an Bord auf dem Dachlandeplatz des Klinikums. Jetzt muss es schnell gehen: Zwei Fünf-Mann-Teams warten schon auf die Amerikaner und nehmen die Verletzten in Empfang. Danach geht es sofort weiter in den Schockraum in der Notaufnahme.

Diesmal werden dort ausnahmsweise beide Schwerstverletzte nicht zeitgleich sondern nacheinander behandelt - denn das Ganze ist zum Glück nur eine Übung. "Solche Übungen mit Verletzten-Darstellern führen wir seit acht Jahren zweimal jährlich mit unterschiedlichen Szenarien durch, um jederzeit eine hochqualifizierte Versorgung der Schwerstverletzten auf dem aktuellen Wissensstand zu gewährleisten", erklärt Dr. Wolfgang Schaudig, Leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum und einer der Organisatoren. "Heute war es allerdings für alle Beteiligten trotzdem Neuland, denn wir haben zum ersten Mal mit den Amerikanern für den Ernstfall trainiert."

Rotor dauernd in Betrieb

Eine wichtige Übung, in der es darum ging, die unterschiedlichen Abläufe der zivilen deutschen Versorgung und der militärischen amerikanischen Erstversorgung zu koordinieren. "Für uns ist es wichtig, dass die Schnittstellen reibungslos funktionieren", erläutert Anke Wanninger, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und Mitorganisatorin des Trainings. "Zum Beispiel unterscheidet sich eine Landung der Amerikaner schon darin, dass der Rotor des Hubschraubers die ganze Zeit in Betrieb bleiben muss. Außerdem werden uns die Verletzten auf Militärtragen übergeben. Die Verletzten-Dokumentation ist auf Karten dokumentiert. Bei laufendem Rotor ist eine mündliche Übergabe nur sehr schwer verständlich. Das alles sind Dinge, auf die wir uns hier einstellen müssen."

"Gelungene Übung"

Deshalb beginnt für alle Beteiligten die Arbeit jetzt nach dem Training nochmal: "Im Nachhinein erarbeiten wir genaue Handlungsabläufe, sogenannte Algorithmen. Darin wird genau festgelegt, wie beispielsweise die Informationsübergabe funktionieren muss, wo wir den Patienten übernehmen oder wie der Patient bei uns angemeldet wird", sagt Schaudig. Das Geschehen im Schockraum konnten neben der Klinikumsleitung und weiteren Ärzten und Pflegekräften auch die Kommandeurin der US Health Clinic Grafenwöhr, Lieutenant Colonel Shannon Shaw, und ihre Kollegen über Video in einem Nebenraum verfolgen. Das Fazit aller Beteiligten laut der Presse-Info aus St. Marien: "Eine gelungene Übung, die gezeigt hat, dass die Zusammenarbeit der US Army und des Klinikums hervorragend aufeinander abgestimmt ist."

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